Gossellin Göthe 189
!''< trag nebst dem Philologen Bekker dahin gesendet. Die in Verbindung mitLetzterm^ begonnene Arbeit half Holberg vollenden; das Resultat war die Herausgabe der ent-deckten Institutionen des Gajus, des Fragments über die Rechte des Fiscus, wozuihn nach seiner Rückkehr nach Berlin 1817 die Akademie auffoderte. Sie er-schien zuerst ohne seinen Namen 1820, dann mit demselben, sehr verbessert, 1824,und die Vorreden geben Auskunft über die Geschichte und Benutzung des wichti-Fundes. Nach Schweppe's Abgang von Göttingen folgte er im Frühling 1822einen Ruf dahin und blieb daselbst ungeachtet eines sehr vortheilhaften Rufes nachMünchen 1828. Mehre das römische Recht betreffende Abhandlungen in Hugo's„Civilistischem Magazin" und in seiner mit Savigny und Eichhorn herausgegebenen„Zeitschrift für geschichtliche Rechtswissenschaft", die 1832 bis zum achten Bandegekommen ist, bezeugen den Scharfsinn und gründlichen Fleiß, welchen er dieserWissenschaft widmet. Noch mehr aber ist derselbe auf seine Vorlesungen gewendet,für welche er auch eine große Anzahl von Grundrissen, unter welchen der ausführ-liche Pandeclengrundriß (Böttingen 1831) der bedeutendste ist, abgefaßt hat.Seine gewandte Geschäftsthätigkeit beweist sein anderthalbjähriges Protektorat(von Ostern 1831 bis Michaelis 1832), unter welchem die Universität Göttingenmanche neue Einrichtungen erhalten hat. (68)
Gossellin (Pascal Francis Joseph), geboren am 6. Sept. 1751 zuLille, machte seit 1772 Reisen durch Frankreich, die Schweiz, Italien und Spa-nien, auf welchen er besonders die Geographie der Alten zum Gegenstande seinerForschungen machte, und als er 1780 nach Frankreich zurückgekehrt war, gaber eine Abhandlung über den Chersones des Ptolemäus heraus. Er wurde 1789zum außerordentlichen Abgeordneten seiner Provinz in der Nationalversammlungernannt, 1791 Mitglied der bald wiederaufgehobenen Handelskammer und 1794bei der Kriegsvexwaltung angestellt. Die Regierung ernannte ihn 1801 zu ei-nem der Herausgeber der Werke Strabo's, von welchen er eine französische Über-setzung lieferte. G. war seit seiner Jugend ein eifriger Medaillenliebhaber undlegte eine Sammlung an, die besonders durch eine schöne Folge silberner Kaiser-münzen und eine Auswahl alter griechischer Münzen sich auszeichnet, und dieseNeigung verschasste ihm auf Millin's Vorschlag 1799 seine Anstellung als Mit-aufscher des Medaillencabinets zu Paris, die er 30 Jahre behielt. Witwer undkinderlos, führte er ein sehr einsames Leben meist in seinem Landhause zu Mont-morency. Einen großen Theil seines Lebens widmete er Untersuchungen über dieWegmaße der Alten und in seinen einsamen Stunden beschäftigte er sich damit,seine schönen griechischen Münzen gleichsam wie Gemälde zu ordnen. Er starb am4. Febr. 1830. Seine wichtigsten Arbeiten über die Geographie der Alten sind:„0eogruptne <1es <Zrecs unul^see" (Paris 1790, 4.), und „Reckerelles sur I»s^stemstigue et positive cles sncieos" (4 Bde., Paris 1798 —1803, 4.). Seit 1816 war er Mitherausgeber des „llournal des savans".
* Göthe. Für diesen gefeiertsten Namen der deutschen Literatur ist jetztendlich auch ein Abschluß der Betrachtung und Beurtheilung herangekommen, undwenn, so lange er sich den Mitlebenden und Mitstcebenden unter uns anreihte,seine Nennung in einem den Zeitverhältnissen gewidmeten Buche stets unerläßlichblieb, da er nie aufhörte, neue Blüten zu treiben und mit der Gegenwart einen ste-ten Verkehr des geistigen Gebens und Empfangens zu unterhalten, so ist es dage-gen nach G.'s Tode gewissermaßen eine heilige Pflicht geworden, sich noch ein-mal im Zusammenhange mit ihm zu beschäftigen und seine ganze Gestalt, in derer sich der deutschen Literatur gegeben und in ihr festgestellt, als ein ewiges undvollendetes Bild zu überschauen. G. starb am 22. März 1832, Vormittagsum halb zwölf Uhr, nach dreitägigem Katarrhalfieber am Stickfluß, in einem Al-ter von 82 Jahren und 7 Monaten, und sein sanfter Tod, einer großartig durchge-