Gtey 183
Sommariva's viel zu spätes Eintreffen bei Linz war G.'s Benehmen mit 30,000wider 6000 bei Grätz; die Befreiung von ganz Jnneröstreich und die folgen-reichste Mitwirkung Tirols zu den großen Zwecken jenes Krieges voll Unglück undvoll Ruhm hatte davon abgehangen. G. wurde deshalb von der öffentlichen Mei-nung auf das Schärfste angeklagt, nicht so von seinem Hofe. In der leipziger Völ-kerschlacht war es G>, der den umzingelten Napoleon bei Lindenau ruhig ziehen ließ.Inzwischen entwickelte er in den gewöhnlichen militairischen Vorfallen bei Mainz,Brienne, Bar und Arcis militairische Tapferkeit und Kriegserfahrenheit. NachFrimont's Tode ward er Hofkriegsrathspräsident und mit dem höchsten Vertrauenbeehrt, starb aber nach wenigen Monaten, den 11. Nov. 1831, an einer lang-wierigen, schmerzvollen Krankheit. Wie sein Vater, war auch sein Bruder, GrafA lb.ert G., ein in der östreichischen Militairwelt geehrter Name. (17)
Gley (Julie), jetzt Schauspielerin am Hofburgtheater zu Wien, in Ham-burg geboren (wo ihre Mutter, eine ausgezeichnete Sängerin, glänzte), betratzuerst in Dresden die Bühne, zu welcher, den Wünschen ihrer Familie entgegen, einunwiderstehlicher Drang sie trieb. Auch mit dem Vorurtheil des Publicums,das damals gegen Tieck's Einfluß auf die Hofbühne gestimmt, in dem Kindenichts als eine gewöhnliche Anfängerin zu sehen glaubte, die der Eigensinn des Dra-maturgen zu einer Künstlerin stempeln wollte, hatte sie lange und schwer zukämpfen, bis ihr eminentes Talent immer deutlicher vorleuchtete und der progres-sive Triumph ihrer Gastspiele in Hamburg, Berlin, Wien keinen Zweifel mehrüber ihren seltenen Beruf ließ. Wohl verdankt Fräulein G. Tieck's Unterrichtviel; kein Lehrer, auch nicht der erste der Welt, kann aber eine Künstlerin bilden,wenn nicht der Prometheische Funke von Innen heraus mitarbeitet. Die ihrinwohnende Poesie, die Fülle ihrer Begeisterung arbeiteten mit der geistigenBildung fort, die wol hauptsachlich Tieck's Werk ist, die Naivheit ihres Talentsist aber etwas Angeborenes, was kein Lehrer geben kann. Die Kritik nannte ihreErscheinung eine ganz neue auf deutscher Bühne. Ihre Darstellungsart hatmit keiner irgend einer frühern Schauspielerin Ähnlichkeit. Am besten charakteri-sirt sie die Frage, mit der sie früher ihre Kritiker beschäftigte: ob sie sichzum Lustspiel mehr oder zur Tragödie eigne. Allerdings eignet sie sich fürsLustspiel; sie besitzt jenen poetischen Humor, der Rührung und Frohsinn zu-gleich erweckt, und sie weiß ihn zu einer so zauberischen und neckischen Schalk-haftigkeit zu steigern, daß sie mit allen Reizen und Schätzen innerer Weib-lichkeit gleichsam coquettirt. Ihr Spiel ist daher die ganze Mannichfaltigkeit undVielgeftaltigkeit des weiblichen Charakters, und sie ist in jeder Rolle eine andere.Der Humor gehört aber auch in die Tragödie, in die romantische nämlich.Sie beginnt eine solche Rolle in vollkommener Iugendfrische und Lebensheiter-keit, die um so empfindlicher und reizbarer der feindseligen schmerzvollen Be-rührung des vernichtenden Schicksals unterliegt. Weil sie jede tragische Rollemit der heitern Lebensfülle beginnt, hat sie eine Charakterfarbe, einen Ton derEmpfindung mehr als jede andere Schauspielerin, die sogleich in Empfindsam-keit und Wehmuth, ehe noch eine Anfeindung des Lebens den Charakter berührte,erscheint. Sie kann daher die letzte äußerste Kraft bis zum äußersten letzten Mo-mente sparen, und hier offenbart sie sich abermals als Humor, des Wahnsinns,der Agonie, der Verzweiflung. So verwirklicht sie die innige Verwandtschastdes Tragischen und Komischen in der romantischen Poesie und obige Frage cha-rakterisirt daher die romantische Schauspielerin. Wo sie auftritt entschiedenerLiebling des Publicums, hat sie gewöhnlich zuerst die Stimmen der Hofcirkelgegen sich, weil die Begeisterung, die sie mitbringt, dort noch fremd ist, woman, gewöhnt an den gemessenen Ton des ältern tragischen Pathos (in demdie Schröder vielleicht der Prototyp), will, daß auch höhere Begeisterung sich in