184 Gmelin (Familie)
dies Kleid von ehemals zwänge. Alles Neue siegt nur durch Kampfe. Durchden Auftnthalt in Wien scheint bereits das wilde Feuer, das zuweilen nutzlos auf. «loderte, gemäßigt, auch hat sie an Eleganz gewonnen. Doch dürften die declamatori-schen Rollen der Schröder, die ihr dort, weil man noch der irrigen Theorie von derTrennung der Genres huldigt, schon zufallen, ihrem Talente eine falsche Richtunggeben, denn die Erscheinung der begeisterten Künstlerin verliert allerdings anWerth in Rollen, wo die Poesie nicht stets mit ihren Kräften Schritt halt. Imruhigen und reflectirenden Vortrage, wo die Begeisterung sie noch nicht hebt,schwankt noch ihr Ton, und verfallt häufig ins Unwahre, was selbst eine ge-wöhnliche routinirte Tragikerin vermeiden würde. Bei ihrer Jugend, ihrer Aus-bildung, ihrem rastlosen Eifer wird sie auch das verwinden; aber diese eminen-ten Kräfte dürfen nicht einseitig zum Nutzen einer Bühne verwandt werden,oder, was außerordentliche Gabe war, wird nur große Manier. So tritt sie in Wienniemals im Lustspiel auf, in welchem sie, was Anmuth, Frische, Leichtigkeit desTons anlangt, an die bessern Zeiten einer Bethmann u. f. w. erinnert.
Gmelin. Die Männer dieses Namens, aus einem in Würtembergfrüher in höhern Kirchenämtern blühenden Geschlechte, welche sich in verschie-denen Wissenschaften bis auf diesen Tag ausgezeichnet und zum Theil eineneuropäischen Ruhm erworben haben, stammen sämmtlich von Johann Ge-org G., geboren 1674, der 1728 als Apotheker zu Tübingen starb, durchSchriften nicht bekannt war, übrigens ein für seine Zeit geschickter Chemiker ge-wesen fein soll. Dessen ältester Sohn Johann Konrad G., geboren 1707,starb als Apotheker zu Tübingen und war ein ausgezeichneter Arzt, als Schrift-steller jedoch nicht bekannt. Der zweite Sohn Johann Georg G., gebo-ren 1709, der als Professor der Botanik und Chemie zu Tübingen 1755 starb,war der ältere der berühmten Reifenden dieses Namens, der 1727 nach Peters-burg ging und von 1733 — 45 Sibirien bereiste. Er ist Verfasser der beidenersten Bande der „Reift durch Rußland". Der dritte Sohn, Philipp FriedrichG., geboren 1722, gestorben 1768 als ordentlicher Professor der Chemie undBotanik zu Tübingen, machte sich vorzüglich durch eine Dissertation über dasGeschlecht der Pflanzen berühmt. Der obengenannte älteste Sohn des Stamm-balters, Johann Konrad, zeugte zwei Söhne: der ältere Samuel GottliebG., geboren 1744, Nesse des ältern russischen Reisenden, erhielt 1767 einen Rufals Professor an die Akademie zu Petersburg und trat im folgenden Jahre dienaturhistorische Reise mit Pallas durch Rußland an; er starb verchlicht, aber,wie es scheint, kinderlos, am kafpischcn Meere 1774, in der Gefangenschaft ei-nes Khans der Chaitaken. Er ist Verfasser des dritten und vierten Bandes der„Reift durch Rußland" und einer „Historia fucni-um". Von feinem jüngcrn Bru-der, Christian GottlobG., geb. 1749, gestorben als Doctor der Median undApotheker zu Tübingen, blühen jetzt drei ausgezeichnete Söhne. Der älteste,Ferdinand Gottlob von G., geboren 1782, Ritter des würtembergischenKronordens, ordentlicher Professor der Naturgeschichte und Median zu Tü-bingen, Mitglied des würtembergischen Staatsgerichtshofs, rühmlich bekanntals vorzüglicher Lehrer und Verfasser der „Allgemeinen Pathologie". Ferner:Hermann August G., geboren 1786, Oberjustizrath beim Criminalsenatedes Gerichtshofes zu Eßlingen, hat neuerdings durch eine geistreiche und sehrfreisinnige Schrift: „Betrachtungen über die peinliche Rechtspflege in Kleinstaa-ten", in seinem Vaterlande Aufsehen gemacht. Endlich: Christian Gott-lob G., geboren 1792, ordentlicher Professor der Chemie und Pharmacie zuTübingen, einer der ersten deutschen Chemiker. Er machte nach vollendeten Stu-dien von 1814—18 gelehrte Reisen in Frankreich, Norddeutschland, Schweden,Norwegen und England, trat in nahe Verhältnisse mit den berühmtesten Chemi-