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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
181
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Girod de l'Ain 181

ris gekommen war, begann er literarische Aufsatze, besonders Recensionen im„lourns! t!es «iobots" zu liefern. Einige dieser Aufsatze, zumal sein erster,über Lesage's Schriften, und ein anderer über Ebel's „Anleitung für Reisendedurch die Schweiz" fanden großen Beifall, wegen der vielen geistreichen Be-merkungen, welche in denselben hervorstachen. Die ^cackemie sräv^aise ertheilte1828 ihm und einem andern jungen Gelehrten, PH. Chasles, den Preis fürdie beste Abhandlung über die französische Literatur im 16. Jahrhundert. Diebeiden Abhandlungen sind zusammen unter dem Titel: „l'ableau üe !a litte-rature fran^aise au seisieme siecle par Laiut-Uarc (Zirarüin et 0t»asles"(Paris 1829), erschienen. G.'s Abhandlung ist in einem lebhaften und gefälli-gen Style geschrieben, voll Geist und unerwarteter Wendungen. Einige Zeitnachher wurde er Professor der Literatur bei der ?acu!te <ies lettres zu Paris,und machte hier seine Vorträge dadurch bemerklich, daß er die deutsche Litera-tur zum besondern Gegenstande seiner Forschungen wählte. Die Zeitschriftenhaben zwar diese Vorträge vielfältig besprochen, G. selbst aber hat nichts davonmitgetheilt. Kurz nach der Juliusrevolution 1830 trat er in die Redactionder politischen Abtheilung des „lournal lies eiebats" ein, und seitdem rühren dieAussätze der sogenannten poiltiyue r-üsonues in dieser Zeitung großentheilsvon ihm her. G. hat sich bisher noch durch kein gründliches Werk einen Rufverschafft. Er gehört zu den jungen viel versprechenden Schriftstellern Frankreichs,die nach Abgang der ältern die Ehre der vaterländischen Literatur aufrecht zukalten bestimmt sind. Er ist ein geistreicher Schriftsteller, der das Verdienst hat,sich in der fremden Literatur, besonders in der nordischen, umgesehen zu haben,und die Vorurtheile der ältern französischen Schriftsteller nicht hegt. Jedoch stehtzu befürchten, daß ihn die Politik von der Literatur abziehen und er die einträglichereBeschäftigung als Mitarbeiter an einer viel verbreiteten Zeitung der minder beloh-nenden Beschäftigung mit literarischen Werken vorziehen möchte. (25)

Girod de l'A i n (Amede'e), geboren am 18. Oct. 1781 zu Turin, Sohndes Barons Girod, welcher 1795 vom Departement de l'Ain in den Rath der Al-ten gewählt, seinem Namen den Ausatz de l'Ain beifügte, 1803 Präsident des gesetz-gebenden Corps ward, 1807 den Varonstitel erhielt und 1814 für die Rückkehr desHauses Bourbon stimmte. Unter der Kaiserregierung war der jüngere G. Auditorim Staatsrath und seit 1807 Substitut des Negierungsprocurators zu Gex, kam1809 in das Appellationsgericht zu Lyon und 1811 als Generaladvokat bei demkaiserlichen Gerichtshof nach Paris. Er behielt 1814 seine Stellen. Am 3. April1815 ward er von Napoleon zum Präsidenten beim pariser Tribunal erster Instanzernannt, und im Mai desselben Jahrs kam er als Abgeordneter des Departement del'Ain in die Kammer der Repräsentanten. Die zweite Restauration brachte ihn umseine Anstellungen, er wurde Advokat und verthcidigte am 6. April 1816 den Gene-ral Drvuot, dem er in seinem Hause eine Zuflucht gegeben hatte, vor dem Kriegs-gerichte. Später von den Bezirken Loches und Chinon im Departement Jndcein die Deputirtenkammer geschickt, war G. eines der eifrigsten Mitglieder derOpposition, sprach auch gegen Martignac's Ministerium, war Berichterstat-ter bei der Anklage von Labbey de Pompieres gegen Villele, und einer von den221. Im Jul. 1830 zu Paris anwesend, ließ er am Tage nach den Ordon-nanzen und während der drei Tage des Kampfes nichts von sich hören, erschienaber am 30. Abends, um die Adresse an den Herzog von Orleans zu unterzeich-nen. Am 31. sprach er mit großer Wärme für die Annahme und Bekannt-machung dieser Adresse. Am 1. Aug. wurde er an der Stelle von Bavoux zumPolizeipräfecten ernannt, er zeigte aber in diesem Amte wenig Festigkeit. Nach denOctoberunruhen sah sich die Regierung gencthigt ihn zu ersetzen, machte ihn aberzum Staatsrath und gab ihm das Band der Ehrenlegion. In der Kammer