Girardet
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listkschen Bureau, die er bis 1811 fortführte, wo ein Minister ihn'entließ,ohne daß die Gründe sich angeben ließen. G. schrieb einen Zeitungsartikel „1lpovero tliavolo", und der Minister, der sich zu gut gemalt glaubte, brachte esMe, dahin, daß G. aus dem Lande verwiesen ward. Achtzehn Monate spater riefihn der Minister Vaccari zurück und trug ihm'die statistische Darstellung des Kö-nigreichs als Privatunternehmen, das die Regierung unterstützte, auf, seit mansich überzeugt hatte, daß Behörden so selten im Stande sind, zuverlässige An«gaben sich zu verschaffen. Mit ungeheurer Thatigkeit widmete G. sich diesemGeschäfte, bis das Ende des Königreichs Italien im April 1814 auch seinemStaatsdienste ein Ende machte. Desto eifriger lebte er nun der schriftstelleri-schen Thatigkeit, die mit dem Ertrag eines kleinen Kohlenwerks die kümmerlichenMittel zu seiner Existenz hergab. Der Staatshaushalt, wie er nach den genauermittelten Elementen des Vorhandenen (der Statistik) und den persönlichen Be«dürsnissen der zusammenlebenden Gesellschaft zu ordnen fei, wie er bei gleichemRecht, Jedem nach dem Maße seiner Leistungen, gleiche Pflicht auferlegt, wardie fortwahrende Aufgabe seiner Forschungen, die sonach die lautesten Fragender fortgeschrittenen Civilisation zu beantworten strebte. Philosophische Stu-dien hatten ihn etwas Höheres als das bloße Capital als letzten Zweck erken-nen lassen, und mit Warme findet man dieses ausgesprochen in seinem Werke:„0k:! merito e <!elle ricowpense" (2 Bde., Mailand 1818 —19, 4.), so-wie in dem seit 1802 schon vier bis fünf Mal aufgelegten „Nuovo (Zulu-teo". Welche Fortschritte er als eigentlicher Statistiker gemacht hatte, be-weist eine Vergleichung seiner Schrift: „8u! commercia 6e' commestibili" (Mai-land 1802), mit dem „i^uovo prospetto cleüe seiende ecormmicbe etc." (0 Bde.,Mailand 1815 —19, 4.). Stets kommen hier die Thatsachen seinen Vorder-sätzen zu Hülfe und machen daher jene doppelt gewichtig. Gleiche Methodiktrifft man in feinen Werken: ,,0e!!' injuria, <iei <!anin, cke! solitlisiacimentoe relative basi cZi stima" (2 Bde., Mailand 1821), sowie in der „Mosoüastati5tica" (2 Bde., Mailand 1826, 4.). Bei der Eile, mit welcher er dieseWerke hervorbrachte, würde ohne die Beihülfe früher gesammelter Angabenund des Werks von Custodi (50 Bde.) die Bestimmtheit der Anführungen nochmehr zu bewundern sein. Neben diesen schon so bandereichen Schriften sind dieeinzelnen von G. ausgegangenen, häufig zu Schutz und Trutz geschriebenen, fastunzählbar. Auch in seinem Nachlasse fanden sich mehre, die aber nur mit gro-ßer Sichtung der Öffentlichkeit zu übergeben sein möchten. G. starb am2. Jan. 1829. (14)
Girardet (Friedrich Christlieb), erster Prediger der evangelisch-reformir-ten Gemeinde zu Dresden, ist geboren zu Stettin am 14. Febr. 1789. SeineÄltern waren schlichte Bürgersleute, und sein Vater ein Nachkomme jener Glau-bensmärtyrer, die nach dem Widerruf des Edicts von Nantes sich aus Frank-reich geflüchtet und in den brandenburgischen Staaten angesiedelt hatten. Seineerste Bildung erhielt er auf dem Gymnasium zu Stettin, und wurde dann 1805aus der obersten Classe desselben in das theologische Seminarium zu Berlin ver-setzt, das unter der Leitung des Geheimen Raths Erman zur Bildung jungerGeistlichen für die französischen reformirten Gemeinden des preußischen Staatserrichtet worden war. Er wurde 1808 zum Unterlehrer am dortigen französischenGymnasium ernannt, hielt 1810 als?roposant (der erste Grad der Candidatur)seine erste Predigt, und wurde 1811 nach Dresden zu seinem jetzigen Amte be-rufen, in welchem er bisher durch Rede und Schrift und That unübersehlichenNutzen gestiftet hat und fortwährend stiftet. In seinen Kanzelreden, jeglicherblendenden Redeform sich entäußernd, spricht er sich mit Klarheit und Wahrheitund innerster Überzeugung aus. Darum strömt auch sonntaglich seinem Got-
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