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180 Girardin (Delphine) Girardin (Saint-Marc)
teshause eine fromme Menge zu, welche, obgleich zum Theil andern Confessio-nen angehörend, durch seine Vortrage sich erwärmt und erhoben fühlt. Seineeigenthümlichen Rednergaben hat er selbst für die Entfernten durch seine „Pre-digten über das Gebet des Herrn" (Leipzig 1817) und durch mehre einzelne Pre-digten bewährt. *) Die häusliche Erbauung hat er durch sein „Brautgeschenk"(Leipzig 1819 und 1824), sowie durch seine „Andachtsstunden" (3 Bde., Dres-den 1823—28) wohlthatig gefördert. Auch der Meinung der Zeit ist er durchsein „Evangelium der Jesuiten" (Leipzig 1822 und 1829), durch den „Galeeren-sklaven" (Dresden 1828) und durch andere Schriften so kräftig als redlich ge-sinnt entgegengetreten. Nur seine hochdeutsche Übertragung von Hebel's aleman-nischen Gedichten (Leipzig 1821) hat keine allgemeine Anerkennung gefunden.Als Mensch, als Geistlicher, als Gesellschafter gleich geachtet und geliebt, ist erder vollkommensten Verehrung eines Jeden sicher, der jemals ihm näher zu stehendas Glück gehabt hat. (66)
Girardin (Delphine), Gattin des Schriftstellers Emile de Girardin,Tochter der Sophie Gay, die in Italien und Frankreich einst als die schönsteder Frauen und eine Generation hindurch als eine sehr geistreiche gefeiert wurde,und sogar den Deputirten Vatout, den Bibliothekar Ludwig Philipps, zu ei-ner recht innigen Schrift begeisterte, sodaß man sagte, es sei die Schrift ei-nes mittelmäßigen Mannes, verfaßt auf dem Schoost einer geistreichen Frau.Delphine ward 1803 in Aachen geboren und rühmt sich, auf dem Grab-mal Karls des Großen getauft worden zu sein. Bei der, von der ^callemie lran-hiüse aufgestellten Preisaufgabe über die aufopfernden Bestrebungen der französi-schen Ärzte und der Camilla-Nonnen während der Epidemie zu Barcelona, tratsie, erst 17 Jahre alt, als Mitbewerberin auf. Am 25. Aug. 1822 wurde dasvon Delphine eingereichte Gedicht mit großem Beifalle vorgetragen, und mangab ihr einen außerordentlichen Preis; ohne einige mit jugendlicher Eilfertigkeitbearbeitete Theile des Gedichtes würde sie den eigentlichen Preis erlangt haben.Von nun an trat Delphine in den Zeitschriften auf; aber sie zeigte sich in ihrenpolitischen Ansichten sehr schwankend. Nachdem sie über die Salbung Karls X.und über den altadel.'gen Mathieu de Montmorency geschrieben, machte sie Versezu Ehren des Generals Foy, die auf dessen Grabmal gesetzt wurden, und ließ sichnachher Karl X. vorstellen, der ihr ein Jahrgcld von 1500 Francs ertheilte. Inden Jahren 1826 und 1827 war sie mit ihrer Mutter in der Schweiz und in Ita-lien. Beide wohnten in Rom einem Gastmahle bei, welches der französische Bot-schafter de Laval-Montmorency der Mannschaft einer französischen Corvette gab,auf welcher die von den Muselmännern gefangenen und von Frankreich ausgelöstenRömer nach Civita Vecchia zurückgekommen waren. Bei diesem Festmahle lasDelphine eine darauf bezügliche Dichtung vor, welche mit Begeisterung aufgenom-men wurde und wofür man sie am 16. April 1817 auf dem Capitol zum Mitgliedsder Tiberakademie erwählte. Rom hatte noch nie einen weiblichen Akademiker ge-sehen. Sehr vergnügt aus Italien zurückgelangt, ließ Delphine noch 1827 ihrschönes Gedicht: ,,1 .e retour", drucken, welches zwar in Beziehung auf italieni-sche Chronologie nicht genau ist, aber eine recht gefühlvolle und fast naive Poesieenthalt, wie denn auch die 1824 und nachmals 1826 erschienenen „Lssms poe-titjiies" der Dichterin zur Ehre gereichen. Ihre neueste Dichtung „Napoline"erschien 1832. (l5)
Girardin (Saint-Marc), geboren zu Paris um 1800, vollendete seineStudien in der pariser Normalschule, und unternahm hernach 1827 eine Reisenach Deutschland, wo er auch Göthe kennen lernte. Als er wieder nach Pa-
*) Seine Festpredigt: „Der vierte September, in seinen hohen Bedeutungen für jedesSachsenherz" (Dresden Z LZ2), ist auch merkwürdig durch große Censurlücken. D. Red.
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