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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
172
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174 Gieseler

nen Berichten einen bleibenden Werth. Auch auf seiner noch viel wichtigernMission an den russischen Hof verpflichtete er die Münchner Akademie zun,lebhaftesten Danke. Sie gesellte ihn durch Acclamation ihren Mitgliedernbei. Der durch die Juliusrevolution und die Unruhen in Deutschland herbei:geführte, durch den in der dänischen Standeversammlung (Marz bis Dccew:der 1831) vorherrschenden beklagenswerthen Parteigeist beschleunigte Umschwungentfernte den Grafen Armansperg und schuf ein ganz neues Ministerium, anseiner Spitze der Marschall, Fürst von Wrede, mit einer durch seinen Ruhmund seinen unbeschrankten Einfluß auf die Armee viel größern Gewalt, als Mont-gelas je gehabt, zum Vortheil der Übereinstimmung und Raschheit aller Regie-rungsmaßregeln. G. erhielt das Portefeuille der auswärtigen Angelegenheiten.Sein Heller Verstand, die Sanftmuth und Mäßigung seines Charakters, seinel)ohe Achtung für Wissenschaft und Kunst und seine wachsame Sorge auf die ma-teriellen Interessen, eine lebendige Anhänglichkeit an König und Vaterland be-gründen Hoffnungen. Die Erhebung des zweitgebornen Prinzen Otto auf denThron Griechenlands und die Bundestagsbeschlüsse gegen die Freiheit der Pressedezeichneten den Eintritt seines Ministeriums. (17)

Gieseler (Johann Karl Ludwig), Professor der Theologie zu Gvttin-gen, wurde am 3. März 1792 zu Petershagen bei Minden geboren, wo seinVater, jetzt zu Werthen bei Bielefeld angestellt, damals Prediger war. Nachdemer von 1809 —10 in der lateinischen Schule des Waisenhauses zu Halle seineVorbildung erhalten hatte, studirte er auf der dortigen Universität, vorzüglichunter Knapp, Niemeyer, Wegscheider, Gesenius, Bruns und Hossbauer, undwurde 1812 Oberlehrer an der Pensionsanstalt und Collaborator an der lateini-schen Schule zu Halle. Er sah sich dadurch in eine Lage versetzt, die es ihmmöglich machte, auch nach den eigentlichen Studentenjahren fortwährend die Vor-theile der Universität für seine wissenschaftliche Bildung zu benutzen. Im Or-tober 1813 ging er als Freiwilliger unter das zum Elbhusarenregiment gehörigeJägerdetachement und wohnte der Belagerung von Magdeburg bei, erhielt abernach dem Frieden seine Entlassung und trat wieder in seine amtlichen VerlM-nisse am Waisenhause ein. Er kam 1817 als Conrector an das Gymnasiumzu Minden und ward 1818 nach Kleve berufen, um als Director des neuge-stifteten Gymnasiums zu wirken, hatte aber die erste Einrichtung dieser An-stalt kaum beendigt, als er den Ruf zum Lehramte der Theologie an der ebengegründeten Universität zu Bonn erhielt, das ihm die Aussicht öffnete, demtheologischen Studium, dem er stets zugethan geblieben war, und besonders derKirchengeschichte, dem Gegenstand seiner vorzüglichen Neigung, sich zu widmen.Seit dem Antritt seines Amts im Herbst 1819 lehrteer dort über 11 JahreExegese, hebräische Geschichte und Alterthümer, Kirchengeschichte und theologi-sche Encyklopädie, und hatte Antheil an der Leitung des theologischen Semina-riums. Er folgte Ostern 1831 einem Rufe nach Göttingen, der ihn zu Vorträgenüber alle Zweige der historischen Theologie verpflichtete. Eine seiner erstenSchriften war: „Historisch-kritischer Versuch über die Entstehung und die frühe-sten Schicksale der schriftlichen Evangelien" (Leipzig 1818). Seine kleine Schrift:„Etwas über den Reichstag zu Augsburg im Jahre 1830" (Hamm 1821)hatte eine, für die Geschichte der Zeitverirrungen merkwürdige Veranlassung.Doctor Freudenfeld, der von der protestantischen Kirche zur katholischen überge-gangen war und sich durch einen heftigen Bekehrungseiftr bemerklich machte,hielt als außerordentlicher Professor der Philosophie zu Bonn, obgleich eigentlichnur als Lehrer der südeuropäischen Sprachen angestellt, die verschiedenartigstenVorlesungen, in welchen die Absicht, den Katholicismus zu preisen und den Pro-testantismus zu verunglimpfen, immer kecker hervortrat. In seinen Vorträgen