Giese
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greifen zu können. Nach einem blutigen Kampfe am 19. Zun. mußte G. sichlängs der Wilia zurückziehen. Er verlor ganzlich das Vertrauen seiner Unterge-benen und die Bande der Kriegszucht lösten sich unter den Resten des Heeres.Von den Russen gedrangt und von allen Seiten abgeschnitten hielt er einen Kriegs-rath, welcher beschloß, auf dem preußischen Gebiete Schutz zu suchen. Chla-powski unterwarf sich diesem Beschlüsse, Dembinski und Sierakowski aber trenn-ten sich von der Hauptmacht, um sich den Weg durch die Feinde zu bahnen.Am 12. Iul. erreichte der polnische Heerhaufen bei Schlaugsten unweit Langallendie preußische Grenze. Die Annäherung der Russen beschleunigte am folgendenTage die Verhandlungen mit den preußischen Beamten, Schon hatte die, vonEhlapowski angeführte Abtheilung das preußische Gebiet betreten und die Waffenniederlegt, als die Annäherung der Russen auch den General G. nöthigte, dieGränze zu überschreiten. Ein Theil seiner Kriegsvölker aber kehrte wieder umund vereinigte sich mit der nachrückenden Heerabtheilung des polnischen Gene-rals Rohland. Als nun in diesem entscheidenden Augenblicke G. in der Mitteseines Stabes vocanritt, nannte ein Offizier ihn einen Verräther, streckte mit ei-nem Pistolenschusse ihn nieder und sprengte daraus zu Nohland's Hecrhaufen zu-rück. Die Polen, über 2500 Mann, legten darauf die Waffen nieder, und zweiTage spater mußte auch die von Nohland geführte Abtheilung, von den Russengedrängt, auf dem preußischen Gebiete Schutz suchen. (Vgl. Chlapowski's„1-ettre sur les evenenmns milituires en ?o!o^ne et en I^itllusnie", Dembins-ki's Schrift: „Mein Feldzug nach und in Lithauen" (Leipzig 1832) und Spazier's„Geschichte des Aufstandes des polnischen Volks", dritter Band (Altenburg 1832).
G iese (Karl August, Freiherr von), bairischer Staatsminister des Äußernund der Angelegenheiten des königlichen Hauses, Kämmerer, Staatsrath im ordent-lichen Dienst, wurde 1786 zu Strasburg geboren. Sein Vater war der um dieBildung vieler der ausgezeichnetsten Staatsmänner Deutschlands und Europashochverdiente und auf seinem wissenschaftlichen Böden selbst berühmte Publicistund Professor Koch; Adoption gab dem Sohne den Namen des altadeligen Ge-schlechts Giese. Auch der in den Jahrbüchern Baierns unvergeßliche Graf Mont-gelas hatte seine Bildung durch Koch vollendet; um so freudiger sieht man denSohn als Verwandten und Amtsnachfolger jenes Schöpfers der neuern Größedes alten Baierns. Des Freiherrn von G. Gemahlin, eine Schwestertochter derGräfin Montgelas, gehört dem unter Max Emanuel und Karl VII. in Krieg undFrieden um Baiern verdienten Geschlechte der Grafen Perufa an. Der jungeFreiherr von G. war die Zierde der diplomatischen Pflanzschule Baierns. In frü-her Jugend stand er in der schwierigen Epoche des Untergangs der Bonaparte'schenHeere in Rußland, in Abwesenheit des Grafen Rechberg, der dänischen Gesandt-schaft in Wien vor. Leider erhielt er zu wenig Anthcil an den vom rieder Tractatbis zum Münchner Vertrage Baierns neues Loos ordnenden Verhandlungen(1813 —16), sonst wäre schwerlich verloren gegangen, was durch die Waffengewonnen war, alle militairische Sicherheit und Unabhängigkeit und die durcheine Reihe von Traktaten gesicherte, jedem Verwaltungs- und Handelsinteresse un-entbehrliche Eontiguität, fodaß nach Sachsen die Aussprüche des wiener Congresseskeinem Staate nachtheiliger sielen als Baiern. War ihm nach 1805 und 1809keine Wahl geblieben als Bonaparte's Siegeszuge sich anzuschließen (wie 1809auch Rußland, 1812 auch Ostreich und Preußen gethan), so hatte es doch 1813—15 dem erhabenen Zwecke der Befreiung die größten Opfer gebracht. Beider neuen Besetzung der diplomatischen Posten Baierns wurde dem Freiherrnvon G. jener am Hofe des Königs der Niederlande zu Theil. Seine große Auf-merksamkeit auf alle Gegenstände der Nationalbildung und des Nationalreich-thums, auf alle Fortschritte der Wissenschaften und der Industrie, gaben sei-