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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
170
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172 Gielgud

von Mücheln, Prinz von Meau, wollte bei Gelegenheit eines Gastmahls inLöwen Ähnliches erfahren haben. Bei den Verhandlungen über das Concordatkämpfte G. aufs äußerste für die kirchlichen Nationalfreiheiten Belgiens, und eingründliches Werk:Observuticins Lur les libertes <!e I'ogüse beige", rührt vonihm her, sowie mehre gehaltvolle Aussatze aus der Periode dieses verhängnisvollenStreites. Er ward hierauf, als das Concordat zu Stande kam, und noch später,als das philosophische Collegium sein Ende erreichte, den Verhältnissen aufgeopfert,auf eine Weise, welche Aussehen erregte und dem äußerst verdienstvollen und cha-rakterfesten Manne die gerechtesten Ursachen zu Klagen über Verkennung und Un-dank geben mochte. Der Haß der Priesterpartci und des Nuntius gegen ihn undGoubau war unversöhnlich; doch scheint ihm in neuerer Zeit eine andere, seinenTalenten entsprechende Laufbahn bestimmt. (33)

Gielgud, polnischer General, stammte aus einem angesehenen und mäch-tigen Geschlechte in Lithauen und ward um 1790 geboren. Als Napoleon 1812bei seinem Einrücken in Lithauen das Volk auffoderte, sich unter seinen Fahnen zusammeln, kam G- mit zwei andern reichen lithauischen Edelleuten, jeder an der Spitzeeines, auf eigne Kosten gebildeten Infanterieregiments. Napoleon ernannte diedrei Edelleute zu Obersten und Anführern ihrer Regimenter, welche die Bestim-mung erhielten, einen Theil der Besatzung von Modlin zu bilden. G. erhieltkeine Gelegenheit den Krieg kennen zu lernen, da die Russen sich auf eine ein-fache Blokade der Festung beschrankten und auch von Seiten der Besatzung nichtsunternommen wurde. Nach der Übergabe der Festung im December 1813 wur-den die polnischen Besatzungstruppen aufgelöst und mit Passen in ihre Heimachgeschickt. G. aber scheint wahrend seiner Dienstzeit in Modlin Neigung zumKriegsleben gewonnen zu haben, und wurde spater, als der Großfürst Konstantindas polnische Heer wiederherstellte, zum Brigadegeneral ernannt. Bei dem Aus-bruche der Revolution im November 1830 folgte er der allgemeinen Bewegung;schon zu jener Zeit aber soll er sich, wie mehre Stimmen in Polen nach seinemFalle versicherten, bei dem Heere verhaßt gemacht und Argwohn gegen sich er-weckt haben. Als Diebitsch mit dem russischen Hauptheere gegen die Polen heran-rückte, gab die mörderische Schlacht bei Ostrolcnka dem General G. Zeit, sich amL5. Mai von Lomza, das er besetzt hielt, mit einem ansehnlichen Heerhaufennach dem Niemen zu ziehen, um die ausgestandenen Lithauer zu unterstützen,deren Streitkräfte noch schlecht bewaffnet und zu zerstreut waren, der russischenKriegsmacht mit Erfolg zu widerstehen. Die Russen setzten dem anrückendenHeere keine bedeutenden Streitkräfte entgegen. G. verband sich mit Sierakowskiund gewann am L9. Mai einen entscheidenden Vortheil gegen den GeneralSacken, der sich über Kauen nach Wilna zurückzog, wo er eine feste Stellungnahm. G. konnte nach jenem Tressen die Russen nicht wieder erreichen und wen-dete sich nach Samogitien, um sich mit den Insurgenten zu vereinigen. Chla-powski, der sich wahrend der Schlacht bei Ostrolenka gleichfalls nach Lirhaucngewendet, und wie G. seine Heerabtheilung durch Lithauer verstärkt hatte, ver-einigte sich mit ihm jenseit des Niemen, wo auch der General Dembinski, dereine Reiterabtheilung führte, ihn verstärkte. Die Unternehmung hatte mit gün-stigen Hoffnungen begonnen. Es war eine aus einflußreichen Männern bestehendeRegierung in Lithauen eingesetzt und die Insurgenten hatten mehre Regimentergebildet. G. aber, unter dessen Oberbefehl Chlapowski und Dembinski standen,vereitelte durch seine zögernden Bewegungen und seinen Mangel an Kriegserfah-rung jene günstigen Erwartungen. Nach der Vereinigung sammtlicher Horhau-sen rückte G. endlich gegen die Wilia vor, aber während Chlapowski bereits inder Nähe von Wilna angekommen war, erschien G. zu spät mit der Haupt-macht, um noch mit Vortheil die Russen in ihrer sehr günstigen Stellung an-