Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

l-n,» ^ Gewerbvereine 169

>l>r> k ^ ^

V. Vortrag über die Baukunst und Unterricht im architektonischen Zeichnen kamen.

^ Die Sache hatte den glücklichsten Erfolg , wozu besonders Brougham durch werk-

thätiges Eingreifen und durch seine trefflichen praktischen Bemerkungen überVolkserzichung beitrug, indem er als die wirksamsten Mittel zur Beförderung der^ ) ' Bildung des Gewerbstandes die Herausgabe wohlfeiler Schriften über «vissenschaft-^burchj,,- ^ liche Gegenstände, Gesellschaften für geistbildcnde Besprechung und öffentlicheLehrvorträge empfahl. In London bildete sich die reich ausgestattete Handiverker-^Ärii' anstatt (.>leelianics' institute), und jetzt hat fast jede Stadt Englands, die 10,000^ Bewohner zählt, eine ahnliche Bildungsanstalt, wo nicht selten Handwerker diewissenschaftlichen Kenntnisse, welche sie sich erworben haben, jungem Gewerbs-f» genossen mittheilen. Bücher für Handwerker, die schon einige Kenntnisse derskchxz Mathematik und der Naturwissenschaften voraussetzen, erfreuen sich einer weitenVerbreitung, und es zeigt sich ein wachsender Forschungsgeist und ein zunehmen-itiür ^ ^ Verlangen und mit ihm eine zunehmende Kraft, Kenntnisse zu erwerbet«, so-^ dch; die Worte, die der Engländer Coleridge in umfassenderer Bedeutung sagte, auf

^ ^hern Volkselassen angewendet werden können:Alles strebt emporzusteigenltchjzj steigt empor in diesem Streben".

Während auch in Frankreich Gesellschaften zur Ermunterung der Geiverb-samkcit sich bildeten, waren doch die britischen Anstalten die nächsten Vorbilder derGewerbvereine, die sich seit einem Jahrzehend auch in Deutschland vervielfältigt'lkN MfKlE und bereits wohlthärige Früchte getragen haben. Auch sie setzten sich den Zweck^v>'WiW vor, dem Gewerbstande eine höhere technische Bildung zugeben, indem sie den-selben mit den wissenschaftlichen Gründen des praktischen Verfahrens bekannt«nachten, und durch Erweckung der geistigen Kräfte überhaupt ihn auf eine höhereANM» Stufe zu stellen. Der Austand der Gewerbsamkeit in Deutschland aber mußteM mlsiN diesen Vereinen zugleich die Aufgabe vorschreiben, andere Hemmungen des ge-GkiHiG- «verblichen Verkehrs wegzuräumen, die theils in Zeitverhaltnissen, theils in nach-theiligen Einrichtungen oder in alten Vorurtheilen ihren Grund hatten; aber auchzur Erreichung dieses Zweckes war die Bildung des Gewerbftandes die Vorbedin-chfchrM gung. Diesen Hauptzweck suchten auch die deutschen Vereine durch GründungMchlM von Gewerbschulen, durch Sonntagsschulen für Lehrlinge und Gesellen, durchz zGn.Mj ' Aufstellung von Modellen und Zeichnungen, durch Vertheilung solcher LehrmittelMM, >'l> unter die Gewcrbtreibenden, durch Herausgabe nützlicher Schriften, durch Ein-jMiDn führung ausländischer Fabricationsvcrbesserungen, durch Ausstellung von Ge-MdiPlsili «verbserzeugnissen zu erreichen. Unter den deutschen Vereinen ist einer der wirk-- MWK samsten der durch Beuth's eifrige Bemühungen gestiftete Verein zur BeförderungGewcrbfleißcs in Preußen, welcher von dein Staate thätig unterstützt, jene' Zivecke kräftig verfolgen konnte und in Berlin, als dem Mittelpunkte seiner Wirk-

^ > sji iM samkcit, reiche technische Lehr- und Bildungsmittel in dem Gewerbinsiitute ver-^ ^vigt bat. Ähnliche Vereine entstanden fast gleichzeitig in andern deutschenStaaten, z. B. in Vaiern, und auch Sachsen durfte um so «veniger zurückblei-den, da die Gewerbsamkeit dieses Landes durch die Ungunst der Zeit, durch die, Zollsperren der Nachbarstaaren, aber auch durch eine mangelhafte Gesetzgebung,^ ein der einheimischen Betriebsamkeit nachtheiliges Abgabenspstem und durch denEinfluß eines engherzigen Zunftgeistes, bei allen Anstrengungen des Volkes, viel-fältige Störungen erlitten hatte. Seit 1827 hatten unter dem sächsischen Gewerb-stände Besprechungen über die Mittel, durch gemeinschaftliche Bemühungen dieeinheimische Industrie zu heben, stattgefunden, als endlich 1829 ein Jndustrie-verein für Sachsen gestiftet wurde, der wegen seiner eigenthümlichen Einrichtungnähere Betrachtung verdient. Das aus neun Mitgliedern bestehende Direc-torium des Vereins befindet sich in Chemnitz, der bedeutendsten Fabrikstadt des^ Landes; in allen Theilen Sachsens aber haben sich 17 Bezirksvcrcinc gebil-