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Gewerbvereine
liegt mehren in neuern Zeiten erlassenen Gewerbordnungen zum Grunde. Die fürdas Königreich Sachsen zu erwartende Gewerbordnung wird von demselben Grund-satz ausgehen, und es ist bereits bestimmt ausgesprochen, daß der zunftmaßigeGewerbbetricb auch künftig die Grundform für die Verhaltnisse des Handwerker-standes bleiben soll, ja nach manchen Erscheinungen zu urtheilen, möchte von demalten Gebäude mehr übrig bleiben als für die Zeit paßt. D. Red.)
Gewerbvcreine. Die Gewerbrhätigkeit überhaupt durch äußere Mit-tel zu beleben und den Gewerbstand auf eine höhere Stufe der geistigen und techni-schen Ausbildung zu heben, ist ein aus den Foderungen und zum Theil aus denBedrängnissen der Zeit hervorgegangenes Bedürfnis. Wie der Bergmann weni-ger Arbeit und Aufwand hat, wenn er dicht unter der Oderflache reiche Erze findet,als wenn er sie aus dem riefen Schoost der Erde holen muß, so findet die Gewerb-thätigkeit bei dem Verkehr eines einfachen gesellschaftlichen Auslandes einen genü-genden Lohn. Der Ausdruck Gewerbe, wie die Sache, hatte im Mittelalter eineweit beschränktere Bedeutung, und wahrend man damals dabei nur an den durchdie Zunftverfassung geordneten Gewerdoetrieb dachte, dehnre man den Ausdruckin neucrn Zeiten auf die gesammte Thätigkeit aller Volksclassen aus, welche sichmit der Befriedigung derjenigen Bedürfnisse beschäftigen, die nicht durch die Land-wirthschaft gewonnen werden. Reizte auf der einen Seite die Ausbreitung desWelthandels und die Zunahme der gewerbtreibenden Bevölkerung zu einer Erzeu-gung, die mir dem Bedarf nicht mehr in Verhältniß stand, so führten aufderan-dern Seite die Fortschritte derjenigen Wissenschaften, welche auf die verschiedenenZweige der Gewecbthatigkeit Einfluß haben, zu erhöhten Ansprüchen an den Ge-werbtreibenden, der jene Fortschritte nicht unbeachtet lassen durfte zu einer Zeit,wo die vermehrte Mitbewerbung das Hervorsuchen aller Mittel zur Vervollkomm-nung des Betriebes nothwendig machte. Das Mittelalter konnte mit seinenGestllenwanderungen, mit seinen Schauanstalten, mit seinen Genossenschaften,welche die technischen Uberlieferungen der Vorzeit fortpflanzten, in dem beschränk-ten Kreist seiner zünftigen Thätigkeit allein ausreichen; in neuern Zeiten aber, wodie Kraft der Menschenhand durch den Beistand der Mechanik zu zehnfacher Wirk-samkeit gesteigert ward, und die Fortschritte der Chemie bald ein altes Verfahrenals unnütz oder nachtheilig, bald ein neues als den kürzesten Weg zeigten, mußan die Stelle des mechanischen Nachmachens eine bewußte Kraftäußerung, einselbstthatiges Erfinden treten. Das Bedürfniß, den Gewerbstand auf die höhereStufe zu führen, welche die fortgeschrittene Zeit ihm anweist, wurde zuerst inEngland fühlbar, wo die Gewerbthätigkeit in neuern Zeiten vor andern Landernden höchsten Schwung genommen. Hier bildeten sich zuerst Privatvercine, die zu-nächst den Zweck im Auge hatten, die Mitglieder derselben für den Kreis ihrer Thä-tigkeit tüchtiger zu machen. Zu Anfang dieses Jahrhunderts begann vr. Birkbeck,damals Lehrer an der Universität zu Glasgow, in dieser gewerbsamen Stadt Vorle-sungen für Handwerker über die Anwendung der Naturwissenschaften auf mecha-nische Künste. Er hatte, wie er sagt, die Wißbegier „ungewaschener Handwerker"bemerkt, deren mechanische Fertigkeiten er zu benutzen oft Gelegenheit hatte, under fragte sich, warum diese Menschen ohne die Mittel bleiben sollten, die Kennt-nisse zu erlangen, die sie so eifrig wünschten. Er hielt eine Zeitlang Vorlesungenvor mehren hundert Handwerkern und hatte nie aufmerksamere, leichterfassendeZuhörer. Zwanzig Jahre verflossen, che dieser Wink fruchtbar wurde, bis 182teinige wackere Männer in Edinburg die Einladung zu Vorlesungen über Mechanikund Chemie an den Handwerkerstand ergehen ließen und zugleich eine Büchersamm-lung eröffneten, welche den Teilnehmern Schriften über jene Zweige der Wissen-schaften zugänglich machen sollten. Als 400 Handwerker sich zur Theilnahme ge-meldet hatten, begannen zwei Gelehrte ihre Vorlesungen, wozu später noch ein