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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
163
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Gerstner (Franz Joseph Franz Anton)

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Einsetzung des neuen Monarchen, ward er von diesem höchst schmeichelhaft undfreundlich behandelt. Bald darauf erlebte er die Freude, der Priesterpartei die Lei-tung der öffentlichen Angelegenheiten in Belgien zu verschaffen, da man seit beinaheeinem Jahre die meisten Ministerien mit erklärten Anhängern derselben besetzt hat,die Urheber der Revolution von der liberalen Seite die wichtigsten Stellen verlorenhaben, die Universitäten desorganisirt, die tüchtigsten Gelehrten vertrieben, unddie Mittlern und Niedern Schulen ganz in den Händen der Geistlichen und Jesuitensind. G. trat seitdem öffentlich nur selten auf; er begnügte sich mit dem wirklichenBesitze seines Einflusses und seiner Macht und überließ Andern Titel und Namen.Nach der neuesten Ministerialveränderung ward er im Oct. 1832 zum Präsidentendes Cassationsgerichts in Brüssel ernannt. (33)

Gerstner (Franz Joseph, Ritter von), wurde am 22. Febr. 1756 zuKommotau in Böhmen geboren, wo sein Vater als angesessener Bürger wohnte.Nachdem er in den Jahren 176572 den ersten wissenschaftlichen Unterricht inseiner Vaterstadt, in der von den Jesuiten geleiteten Lehranstalt erhalten und sichbesonders der Mathematik gewidmet hatte, setzte er dieses Studium auf der Univer-sität zu Prag fort und bildete sich so tüchtig aus, daß er bereits 1779 als Inge-nieur angestellt wurde. Zwei Jahre spater ging er nach Wien, um sich der Heil-kunde zu widmen, gab diesen Entschluß aber wieder auf und wurde bald beider Sternwarte in Wien und 1784 bei dem Observatorium in Prag angestellt.Mehre astronomische Beobachtungen, die er in den nächsten Jahren drucken ließ,gaben Zeugmß für seine Thätigkeit. Er wurde 1787 als Ingenieur bei der Kata-stralvcrmessung Böhmens gebraucht, 1788 zum Hülsslehrer der Mathematik beider Universität in Prag und 1789 zum wirklichen Lehrer ernannt, 1795 aberkam er als Beisitzer der Studienrcvisionscommission nach Wien. Während dieserDienstleistung fand er sich bewogen, die Aufmerksamkeit der Regierung auf dieWichtigkeit technischer Studien als Gegenstand des öffentlichen Unterrichts zu len-ken und auf das Vorbild der polytechnischen Anstalt in Paris und andere im Aus-lande errichtete Gewerbschulen hinzuweisen. Er erhielt 1801 den Auftnrg, einetechnische Lehranstalt in Prag zu gründen, die vorzüglich auf die Bildung der Vor-steher technischer Gewerbe berechnet sein sollte, der aber anfänglich, der bedrängtenZeitumstände wegen, nur geringe Mittel angewiesen werden konnten. Im näch-sten Jahre übernahmen die böhmischen Stande die Errichtung der Anstalt, über-trugen G. die Oberleitung derselben und das Lehramt der Mathematik und Me-chanik, worauf endlich 1806 das Institut eröffnet wurde. G. erhielt 1807 dieLeitung der Arbeiten der hydrotechnischen Privatgesellschaft, die ihn veranlasste,im Herbste desselben Jahres vorbereitende Untersuchungen wegen einer schon im14. Jahrhundert in Vorschlag gebrachten Vereinigung der Donau und Moldaudurch einen Schifffahrtscanal anzustellen; er fand jedoch die Ausführung diesesPlanes so schwierig, daß er in seinem Berichte rieth, jene Verbindung durch eineweit wohlfeilere Eisenbahn zu bewirken: ein Vorschlag, dessen Ausführungerst spater erfolgte. Mit Beibehaltung seiner übrigen Dienstleistungen erhielter 1811 den Auftrag, eine eigne Wasserbaudirection für Böhmen einzurich-ten, und er wurde Vorstand dieser Behörde. Die polytechnische Anstalt wurdenach seinem Antrage, den er bereits 1820 in einer besondern Schrift entwickelthatte, seit 1827 erweitert. Sein zunehmendes Alter nöthkgte ihn indeß seit1822, einige Stellen, wie das Lehramt der Mathematik und die Wasserbau-direction, niederzulegen, und 1831 gab er auch das Lehramt der Mechanik ab,wiewol er die Oberleitung der Anstalt behielt, die seiner Sorgfalt ihr Gedei-hen verdankte. Seine Schriften über Gegenstände der Hydrodynamik hattenvorzüglich den Zweck, Vorsteher landwirthschaftlicher und bürgerlicher Ge-werbe auf die Vortheile mathematischer Studien aufmerksam zu machen, und

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