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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
160
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162 Gerlache

reizt. Seitdem wußte er sich jedoch mehr zu bezähmen, um seiner Leidenschaft destosicherer Genüge leisten zu können. Er half bei dem unglücklichen System, das dieOrdonnanzen vom 7. Oct. 1829 vorbereitet, durch scheinbare Ruhe und Mildeden König in Sicherheit einwiegen, zur Freundlichkeit gegen die Katholiken undzu gesteigertem Unwillen gegen die Liberalen umstimmen. Dabei gab er fortwäh-rend die tröstlichsten Zusicherungen. Potter's Briefwechsel bei Anlaß des berufenenProtestes enthüllte schon mancherlei merkwürdige Dinge im Innern der Union, anderen Bildung G. so großen Antheil gehabt hatte. Einige Flugschriften über dasVerhältniß der niederländischen Katholiken und den öffentlichen Unterricht, als de-ren Verfasser er allgemein bezeichnet wurde, mußten nothwendkg den Ministem dieAugen öffnen, wenn sie hätten sehen wollen; allein man war blind, und G. wagteeS, die Jntriguen gegen das Haus Oranien mitten in ihrer alten Residenz, unterden holländischen Katholiken selbst weiter auszuspinnen. Als die Revolution aus-brach, zog der befangene Gouverneur zu Lüttich, Sandberg van Esenberg, G,,der auf freundschaftlichem Fuße mit ihm stand, sogar in die Sicherheitscommission,in jenen Club, welcher die Revolution erst recht organisirte. Die Beschimpfun-gen, welche dem Deputirten von Lüttich wahrend der letzten gemeinschaftlichenSitzung der belgischen und holländischen Abgeordneten im Haag widerfuhren,mochten viel auf ihn eingewirkt haben; allein seine innere Gesinnung war schonfrüher hinlänglich gereift gewesen. Das Loos rief ihn nach der Katastrophe desSeptembers zwar nicht zum Antheil an der Negierung, aber an den ArbeitendesCongresses. Sein Name war eine Macht, welche geachtet und verwendet werdenmußte. G. benahm sich bei den ersten Verhandlungen nicht ohne Würde. Stas-sart und Surlet de Chokier genossen mit ihm die größte Popularität, welche selbstvon den wilden und ehrgeizigen Demagogen zur Befestigung des Werkes, wic-wvl ungern, zugelassen wurde. Surlet de Chokier behauptete bei der ersten Prä-sidentenwahl das Feld. G.'s besonnene, klangvolle, klare und tiefsinnige Redenstachen sehr von dem inhaltleeren Geschrei der Mehrzahl seiner College» ab; ammeisten war dies der Fall in jener Sitzung, welche das Haus Oranien für im-mer jedes Anspruchs auf die Beherrschung Belgiens beraubte. Im Haag hatteman diese Haltung und diese Abstimmung kaum erwartet. G. befand sich bei bnGesandtschaft, welche die Nachricht von der Wahl des Herzogs von Nemoursnach Paris überbrachte. Bei der Wahl eines Regenten siel er, der sicher darauf ge-rechnet harte, durch; er erhielt nur fünf Stimmen, und die liberale Partei brachteSurlet de Chokier an die Spitze der Verwaltung. G. ward dafür durch die Erwäh-lung zum Präsidenten des Nationalcongresses entschädigt und später von dem klu-gen Surlet, welcher den gefährlichen Nebenbuhler sich unschädlicher machen wollte,zum Präsidenten des Ministerrath-s ernannt. Bald aber gab er diese Würde aus,da er sich mit seinen College» nicht vertragen konnte und nicht geneigt war, einestumme Rolle zu spielen. Wieder zum Präsidenten des Congresses gewählt, hatteer in den oft stürmischen Sitzungen einen schweren Stand und bittern Ver-druß; doch behauptete er, was auch seine Feinde eingestehen mußten, den vonihm bekleideten Posten mit Anstand und Würde. Nicht selten lenkte er durchso schneidende als passende und dann wieder durch kalte und sanfte Bemer-kungen die unbeholfenen Redner auf die rechte Bahn und erwarb sich Ver-dienst« um Anhänger von mehr als einer Partei. Eine Zeitlang, gerade wäh-rend der Wahloperationen für Prinz Leopold, ward G. durch den Advokatenvan Mcenev aus Löwen abgelöst, jedoch bereits im Inn. wieder in die alteStelle eingesetzt, da seine Unentbehrlichkeit sich fühlbar gemacht hatte. Ergingging an der Spitze der ernannten Commission nach London, um dem Prinzen vonKoburg die getroffene Wahl zu melden, und stattete über diese Sendung emeninteressanten Bericht im Congresse ab. Sowol in London als in Brüssel, bei der