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Gerhard (Johann Karl Ludwig)
Uberresten, entschiedener zu leben. Bei diesen Bestrebungen war ein fast gleichzeitigeingetroffener Freund, vr. Panofka, ihm ein werther Genosse. Vielleicht durchCreuzer angeregt, entwickelte sich bei G. durch seine Studien die Ansicht, daß dieBenennungen, die man nach Anweisung der bisherigen Mythologien den vorhan-denen alten Bildwerken zuzutheilen gewohnt war, viel zu beschrankt und unzuläng-lich waren. Er hob die Wichtigkeit einzelner alter Localgottheiten, der Bilder fürGeheimculte u. s. w. hervor und sah sich dadurch zu Benennungen veranlaßt, diefreilich nur im geheimsten Cultus mögen ausgesprochen worden sein, da manche fastunerhört klangen. Aber alle seine Schriften überraschen durch eine Fülle des Ma-terials, die für seine Sammlerthatigkeit sowol, als für die Unerschöpflichkeit desBodens von Rom, wo sie entstehen, ein Zeugniß gibt. Zuerst fand man Anlaß,sie in seiner Schrift: „vel üio ?mmo e cke' suoi seAnacl" (Neapel 1825), dannin seiner „Venere Lroserpinu ülustritta," (1826) zu bewundern, einer Schrift,die gleichsam an einem Beispiel die Grundsätze bewährt zeigen sollte, die, wie obenerwähnt, der bisherigen Mythenauslegung und namentlich der Kunstmythologie»ine so wesentliche Umgestaltung verkünden. Auseinander gesetzt, freilich wedersehr faßlich noch einfach überzeugend, findet man G.'s Grundsätze in derEinleitung zu seinen „Antiken Bildwerken, zum ersten Male bekannt gemacht"(Stuttgart 1827, Fol.), bei denen das „zum ersten Male" zwar sehr voll klingt,aber nicht streng zu nehmen ist. Unter G.'s Mitwirkung ward in Rom eineLveietü Iperdorey-Romancl gestiftet, deren thätigstes Mitglied G. ist; für dieZwecke derselben, die sich spater in eine 8ncietü üi cvrrisjxinüen^u arctieoloAicnumwandelte und durch ein sehr reichhaltiges „Lulletino" Nachrichten von ihrerWirksamkeit gibt, sammelte G. auf einer Reise durch Deutschland 1826 — 27Theilnehmer und Förderer, und seine unermüdliche Aufmerksamkeit ließ keine An-tikensammlung undurchforscht, die damals von ihm erreicht werden konnte. ZurVergleichung mit den vorkommenden Monumenten liegen ihm daher die Merkwür-digkeiten der entferntesten Museen immer wie vor Augen, und so kommt es, daß seineSchriften stets den reichhaltigsten Werth der Repertorien behalten werden. Seitseiner Rückkehr nach Rom hat er außer einer Menge einzelner Aufsätze im „Kunst-blatt" sich durch die in Verbindung mit Panofka herausgegebene Beschreibung von„Neapels antiken Bildwerken" (Stuttgart 1828) entschiedenes Verdienst um dieKunstfreunde erworben. Leider ist jedoch von diesem nützlichen Werke bis jetzt nurder erste Theil erschienen, sowie denn auch von der „Beschreibung Roms" von Bun-sen und Platner, zu der G. das erste Hauptstück der kunstgeschichtlichen Einleitung(„Roms antike Bildwerke") gearbeitet hatte, der zweite Band bis jetzt vergeblicherwartet wurde. In der Beschreibung des Bartholdy'schcn Museums (Berlin 1827)ist der die Bronzen umfassende Theil von ihm. Zuletzt erregte diesseit der Alpensein „kupporto intorno i vusi volcenti, ckiretto ull instituto cli corrispoinlenzisurcüeolo^icu" (Rom 1831), mit dem Motto: Nonumentum srtis, <zni unumvülit, nulluin vickit, ljui milliu vitlit, NIMM vülit — die meiste Beachtung, indemer Fragen in Anregung brachte, die den auch von ihm begünstigten Ansichten überdie Ableitung und Deutung der alten Mythen neues Licht zuführen zu müsse«versprechen. (14)
Gerhard (Johann Karl Ludwig), preußischer Oberberghauptmann undChef des gesammten Bergwerks-, Salz - und Hüttenwesens, geb. 1769 zu Ber-lin, ist der Sohn des als mineralogischen, berg- und hüttenmännischen Schrift-stellers bekannten, 1821 gestorbenen Geheimen Obersinanzraths Karl August G.Nachdem er seine erste Bildung auf dem joachimsthalschen Gymnasium erhaltenund auf der Bergakademie zu Freiberg unter der Leitung des Berghauptmannsvon Heynitz sich praktisch im Bergbau ausgebildet hatte, wurde er 1789 als Ober-einfahrer beim Bergamt? zu Wettin angestellt. Einige Jahre spater wurden ihm