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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
156
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158 Gerhard (Eduard)-

ein, wirft den Feind, verfolgt ihn, erkämpft Kanonen, Fahnen, Gefangene. In,Marz 1815 war G. im Elsaß Generalinspector der Infanterie. Kurz darauf er-nannte ihn Napoleon zum Pair von. Frankreich und vertraute ihm das Commandodes Moselheeres. Zu Anfang des Zun. erhielt er Befehl, sich in Eilmärschen nachder Nordgrenze zu begeben; er brach am 10. von Metz auf und kämpfte ruhmvollam 1k. in der Schlacht bei Ligny. Am 18. war G. auf dem Wege nach Wavre, alsman Kanonenfeuer zur Seite des Waldes von Soignes vernahm; sogleich versam-melten sich die Befehlshaber der verschiedenen Corps zur Berathung. G. verlangte,man solle über die Krücke von Münster geradezu auf das Kanonenfeuer losgehen.General Grouchy widersprach und stützte sich dabei auf entgegengesetzte Befehle desKaisirs. Man glaubt in Frankreich allgemein, die Befolgung von G.'s Rath würdeder Schlacht bei Waterloo eine andere Wendung gegeben haben. (Vgl. Grouchy.)Im Augenblicke, wo er an der Spitze derInfanterie das DorfBielge angreifen woll-te, drang ihm eine Kugel in die Brust. So krank er auch war, wollte er doch das Loosdes Heeres theilen und ließ sich über die Loire tragen. Der Kaisir wollte ihm zumBeweise seiner Zufriedenheit den Marschallstab geben. Sobald Marschall Macdv-nald aus Befehl der Bourbons die Armee der Loire aufgelöst hatte, erhielt G. dieErlaubniß, sich in Tours heilen zu lassen, und kehrte dann nach Paris zurück.Die Minister des Kriegs und der Polizei veranlaßten ihn, eine Zeitlang außerhalbdes Landes zu reisen; er begab sich nach Brüssel und vermählte sich dort mit derjüngsten Tochter des Gcnerallieutenants von Valence. Darauf kehrte er 1817nach Frankreich zurück und wohnte auf seinem Landgute im Departement Oise.Er wurde 1822 Deputirter, 1823 und 1827 wieder erwählt, und verfocht dieFreiheiten des Volkes. Er bekam 1824 auf der Jagd einen Flintenschuß undbüßte dabei das linke Auge ein; sein rechtes Auge ist jetzt auch sehr schwach. Dievielen Wunden und das leidende Gesicht hinderten ihn nicht, sich am 29. Jul. 1830an die Spitze des bewaffneten Volkes zu stellen, und es zum Siege zu führen.Die neue Regierung ernannte ihn bald daraus zum Marschall von Frankreich.Napoleon hatte ihn auf St.-Helena zum künftigen Marschall und als eine derckestinees cke 1'aveuir" bezeichnet. Vom 1. Aug. bis zum Oct. war G. KriegS-minister. Wie Dupont de l'Eure schlug er die 25,000 Francs aus, welche manjedem Minister zur Einrichtung seines Hauses zu vergönnen pflegte, und weigertesich außerdem, zugleich den Gehalt als Marschall und als Minister zu beziehen.Mit rastlosem Eifer bestrebte sich G... die Armee, welche durch die Sorglosigkeitder Restauration in Verfall gerathen war, schnell zu ergänzen. Als der Kriegdrohend zu werden schien, legte er, besonders wegen seines Augenübels, das Porte-feuille freiwillig in die Hände des Marschalls Soult nieder. Unter Perier's Mi-nisterium zum Oberbefehlshaber des Heeres ernannt, welches dem belgischen Königegegen Holland zu Hülfe eilte, kam er gerade zur rechten Zeit in der Nähe von Brüs-sel an, um diese Hauptstadt zu schützen, und geleitete dann die Holländer bis andie Grenze zurück. G. hat als Mitglied der Deputirtenkammer die Regierung un-terstützt, obgleich er selten an den Verhandlungen lebhaften Anthcil nahm. ImBesitz der Gunst des Königs hat er bedeutenden Einfluß auf die Leitung der öffent-lichen Angelegenheiten. (15)

Gerhard (Eduard), gegenwärtig in Rom, einer der phantasi'ereichsten undbelesensten Archäologen unserer Zeit, ward in Breslau geboren. Unter Manso undSchneider gebildet, ging er zur Vollendung seiner Studien nach Berlin, und mitwelchem Erfolge er sich der dortigen Philologenschule anschloß, bewiesen seine^.ectinues ^pollonianae" (Leipzig 1816). Eine Anstellung als Professor inPosen gab er sehr bald wieder auf, da das Klima seiner Gesundheit, besonders sei-nen Augen nicht zusagte; nach erlangter Unabhängigkeit wandte er sich nach Ita-lien, um dort der Erforschung der classischen Vorzeit, besonders aus ihren bildlichen