Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
154
Einzelbild herunterladen
 

156

Geramb

den, welche aus den Besitzern adeliger Güter und aus gewählten Abgeordneten derStädte und Flecken und des Bauernstandes bestehen, wurden diejenigen Rechte ein-geräumt, welche in der von mehren Bundesfürsten dem Congresse übergebenen Er-klärung vom 10. Nov. 1814 bestimmt waren. (Vgl. Deutschland.) Bereitsim März 1816 versammelte sich der erste Landtag zu Bückeburg, dessen Verhand-lungen hauptsächlich dadurch erleichtert wurden, daß der Fürst sammtliche Landes-schulden auf seine Kammercasse übernahm. Bei dem Nothftande, den 1836 dieMißernte unter den größtentheils von der Landwirthschaft lebenden Bewohnern deskleinen Landes herbeiführte, erließ der Fürst alle Abgaben zur Hälfte, und die zahl-reichen Anträge auf Verbesserungen in der Verwaltung, welche die nach der Ver-fassung jährlich sich versammelnden Landstände 1831 vorlegten, fanden die Regie-rung bereit, die Lasten des Volks dauernd zu erleichtern. Unter die gemeinnützi-gen Anstalten, welchen der Fürst feine Sorgfalt widmete, gehören besonders diekräftigen Schwefelquellen zu Eilsen bei Bückeburg, in deren reizenden Umgebun-gen er auch die alte, im dreißigjährigen Kriege zerstörte Burg Arensburg wieder-herstellen ließ, die er mit alten, aus der reichen Sammlung zu Bückeburg genom-menen Gemälden zierte.

Geramb (Ferdinand, Baron von), stammt aus einem ungarischen Adels-geschlechte und wurde 1770 geboren. Er lebte um 1800 als östreichischer Kammer-herr in Wien, wo er mit einem englischen Obersten in einen Zwist gerieth, der eineHerausfoderung zur Folge hatte. Zum Kampfplatze wurde, wie man sagt, der Ätnagewählt und als Bedingung festgesetzt, daß der Sieger den Verwundeten oder Ge-fallenen in den Schlund des Vulkans hinabstürzen sollte. G. wurde verwundet,der Engländer aber ließ die Kampfbedingung unerfüllt. Einige Jahre spater wurdeG., als er sich beleidigende Bemerkungen über den französischen Kriegerstand er-laubt hatte, von einem französischen Offizier, Valabregue, dem nachmaligen Gat-ten der Sängerin Catalani, zum Zweikampfe gefodert und schwer verwundet.Gegen die Strenge der östreichischen Duellgesetze schützte ihn nur die Fürbitte desfranzösischen Gesandten in Wien. In den Feldzügen 1805 und 1806 führte erein, von ihm in Ostreich geworbenes Freicorps gegen die Franzosen und kämpftenach dem tilsiter Frieden in Spanien. Von den siegreichen französischen Heermmit den übrigen spanischen Streitkräften nach der Insel Leon zurückgedrängt, nahmer Urlaub und ging nach England, um von der Regierung Unterstützung zur Bil-dung neuer Legionen zu erhalten, die er aus den damals in großer Anzahl ver-abschiedeten östreichischen Soldaten bilden wollte. Während seines Aufenthaltsin London aber verwickelte seine Heftigkeit ihn in neue Handel, und er kam in sogroßel Geldverlegenheiten, daß seine Freiheit bedroht war. Entschlossen, sich nichtins Gefängniß bringen zu lassen, verwandelte er das Landhaus eines Freundes,wo er wohnte, in eine Festung und steckte auf das Dach eine Fahne mit derInschrift: bouse is m? castle. Er wurde hier 12 Tage lang von den Ge-richtsbeamten belagert. Die Regierung machte die Fremdenbill gegen ihn geltend;er wurde trotz seiner kräftigen Protestation ergriffen, aus England hinwcggeführtund an den Küsten der Ostsee ausgesetzt. Nachdem er einige Zeit in Hamburgsich aufgehalten hatte, wo er gegen Frankreich schrieb, ward er verhaftet unddurch ganz Deutschland nach Vincennes geführt. Er saß hier in strenger Hast,als die Verbündeten in Paris einzogen. Die Annäherung des kriegerischen Lärms,erzählt man, erschreckte ihn so sehr, daß er in der Meinung, seine letzte Stundesei gekommen, sich seinem Mitgefangenen, dem Bischofvon Troyes, zu Füßen warfund ihm bei seiner Ehre versprach, in den Trappistenorden zu treten, wenn ernoch einmal Rettung fände. Er hielt Wort, ging 1816 nach Lyon, und nachdemer 15 Monate im Noviziat zugebracht hatte, legte er in dem TrappistenklosmKmt »in «siiit bei Laval das Gelübde ab und erhielt den Ordensnamen Maria