Geologie 153
ren. Ist dies der Fall, so ist auch der entgegengesetzte Proceß möglich, und dermhalirte Sauerstoff kann in jene verschiedenen Körper disserenzirt werden, wie eSim organischen Körper geschieht. AU diesen Thatsachen nach ist ein Athmungs--proceß der Erde anzunehmen, welchem gemäß Erde und Atmosphäre sich fortwäh-rend in einander hineinbilden, und dem allgemeinen Desorydationsprocesse in derErde ein allgemeiner Oxydationsproceß in der Atmosphäre entspricht; im Gefolgedieser wird daher auch überall Elektricität, Magnetismus und vielartige Bewe-gung erzeugt. Aus dem Magnetismus der Erde folgt unmittelbar ihre Rotation.
Alles Mineralische, das erzeugt wird, Kalk, Schlamm, Torf, Eisen, Salzu. s. w., entsteht als schleimige Masse, die sich zu amorphischen Schichten ver-härtet; in diesen liegt die Bedingung einer weitern Entwickelung, die Möglich-keit, sich in differente krystallinische Körper zu Metamorphosiren, wenn die innernkrystall-clektrischen Thätigkeiten angeregt werden. Indem dies geschieht, das Ge-stein gleichsam aufblüht, entsteht aus Thonschiefer, Mergelsandstein u. s. w. derGlimmerschiefer, Gneis , Granit, Syenit, Porphyr, Diorit u. f. w. Hat die-ser chemische Gährungsproceß in den obern Schichten statt, so schwellen diese dom-artig auf, es entwickelt sich keine intensive Hitze, und die krystallinische Masse ver-lauft sich ganz unmerklich in ihr Muttergestein, wie wir es so häufig zwischenPorphyr und rothem Sandstein, zwischen Thonschiefer und Grünstein u. f. w.bemerken; findet aber dieser Proceß in bedeutender Tiefe statt, setzt eine mächtigeDecke der sich aufblähenden Masse Schwierigkeiten entgegen, dann wird er un-^ endlich intensiver, die Masse erhitzt sich, die entstehenden Gase bedingen Erhe-M bungen und Zerreißungen, und das ganze Phänomen nimmt einen viel groß-K« artigem, vulkanischen Charakter an. Der Vulkanismus bringt die Erdmassengleichsam zur Blüte und treibt sie zu Tage, wo sie in der Atmosphäre ihrer Ver-nichtung entgegengehen. Die krystallinischen, in steilen Felsen emporgetretenenMassen erleiden mit der Zeit eine neue, entgcgeligesetzte Metamorphose; theilszerfallen sie durch den Einfluß der atmosphärischen Agentien in Staub und Erde,theils bildet sich von Innen heraus ein Fäulungsproceß, durch welchen die disseren-ten Mineralien, Feldspath, Glimmer, Quarz, Hornblende, Kalkspath u. s.w.,in einen homogenen Thon, Speckstein u. s. w. umgebildet werden; diesesÜbergehen des Porphyrs in Porzellanerde, des Glimmerschiefers in Specksteinzeigt auch, wie durch den entgegengesetzten Proceß die differenten Gesteine auS ho-mogenen Massen entstehen können. Die so entstandenen Thonmassen werden end-lich ein Spiel der Gewässer und beginnen von Neuem den Kreislauf. So ist auchdie Erde, wie der organische Körper, in ewigem Entstehen und Vergehen begriffen.
Die Erde erscheint daher als ein großes, einfaches Organon, wo alle Theileharmonisch verbunden sind, welches die Bedingungen seiner Bewegungen undVeränderungen in sich trägt, sich organisch bildet und sich von jeher entwickelt hat;aber als Theil eines größern Ganzen, des Sonnensystems, steht es auch mit die-sem in inniger Harmonie und empfängt vorzugsweise von der Sonne mächtigeEinflüsse. Ist die Erde ein Organon, welches sich auf organische Art entwickelt,welches, wie der individuelle organische Körper, seine materiellen chemischen Stoffeaus den allgemeinen Urelementen, Luft und Wasser, sich selbst bereitet, die dahernicht gegebene Elemente der Narur sind, sondern nur zeitlich sixirte morphologischeFormen, so lösen sich eine Menge geologischer Probleme, und die Frage nach demUrsprünge der festen Erdmasse beantwortet sich von selbst; wir haben dann nichtnöthig, ein abgerissenes glühendes Bruchstück der Sonne, einen Klumpen vonSchwefelkies oder ein Haufwerk von geschmolzenen Metallen und Metalloiden an-zunehmen, die, sich abkühlend und orydirend, die Erdrinde gebildet hätten. Wieder organische Körper aus einem schleimigen Punkte sich entwickelt und mannich-fach gestattet, so mag auf analoge Art die Erde sich gebildet haben, deren innere