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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
150
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152 Geologie

aber die Basalte in Deutschland, Frankreich, Ungarn u. s. w. durchsetzen alle tertiai-ren Schichten und sind daher jünger als diese; so verhalten sich auch die Graniteder westlichen Alpen, mit denen viele Granite in Sachsen, Skandinavien u.s.w.gleichzeitig sein werden. Man hat daher allen Grund, anzunehmen, daß eine sehrmachtige vulkanische Revolution unmittelbar vor Eintritt unserer jetzigen geschicht-lichen Epoche stattfand, die wol mit der Sündflut zusammenfallen dürfte, vonder die Traditionen aller alten Völker reden.

Alle Gebilde der altern Erdperioden lassen sich bis in die jetzige Zeit, bis indie jetzt sich entwickelnden Schichten verfolgen, deren Erzeugung wir zu beobachtenim Stande sind; so finden wir solche fortlaufende Reihen durch alle Kohlenforma-tionen bis zum Torf, durch alle Kalkformationen bis zum Meerkalk u. s. w., wirhaben daher allen Grund zu glauben, daß die Schichten aller Perioden sich ebensobildeten, wie es jetzt geschieht. Die Erfahrung lehrt, daß durch mechanische KräfteGeschiebe, Sand, Schlamm u. s. w. zusammengeführt und abgesetzt werden; hierund da bilden sich auch wirkliche chemische Niederschlage, wenn z. B. sich Kalk-tuss aus kalkhaltigen Quellen absetzt; aber Raseneisenstein, Torf, Meerkalk (abge-sehen von Korallenkalk) u. s. w erzeugen sich weder auf diese noch aufjene Art,wir sehen sie vor unfern Augen wirklich wachsen, ohne daß die materiellen chemi-schen Grundstoffe vorhanden sind, aus welchen diese Massen bestehen, da sichz. B- der Baggertorf ohne Zutritt von Vegetabilien erzeugt. Durch vielfache Un-tersuchungen ist es außer Zweifel gesetzt, daß der individuelle organische Körperdurch gewisse Functionen es vermag, die allgemeinen Grundelemente, Wasserund atmosphärische Luft, in vielfache chemische Grundstoffe zu diffcrenziren, unddaß auf diese Art besonders Mollusken verhaltnißmaßig große Massen von Kalkerzeugen; wahrscheinlich sind es analoge Functionen des Erdkörpers, durch welchedie erwähnten Gesteinmassen gebildet werden. Daß in der Erde nicht bloß mecha-nische und chemische Gesetze wirken, sondern auch Processe stattfinden, die denorganischen analog sind, lehren mehrfache Erscheinungen, besonders die überallverbreiteten GaS- und Wasserquellen, die im Allgemeinen von konstanter Tem-peratur, Qualität und Quantität sich zeigen. Das atmosphärische Wasser dringt,wie schon die alltägliche Erfahrung lehrt, wenig tief in die Erde, und sollten allespringenden Quellen durch solches Wasser vermöge heberactiger Vorrichtungen be-dingt sein, so müßte die Erde ein Gewebe von Röhren darstellen, von welchen wirkeine Spur finden. Alles Quellwasser enthält feste chemische Bestandtheile, unddoch sehen wir nicht, wo diese irgend weggenommen wären, auch stehen diese garnicht im Verhältniß mit den Schichten, aus welchen die Wasser entspringen. Allediese Verhältnisse erwogen, bildet sich die Ansicht heraus, daß das Wasser mit sei-nen gasigen und festen Bestandtheilen durch einen Act mittels einer Function eigen-thümlich erzeugt wird, auf analoge Art, als es der Fall ist mit den Flüssigkeitendes organischen Körpers, durch Differenzirung von Wasser und Luft.

Alle Gesteine der verschiedenen Erdschichten verhalten sich gegen die atmo-sphärische Luft auch analog den Organismen; denn sie absorbiren und assimilirenden Sauerstoff derselben; was aber jeder Theil der Erdoberfläche thut, kann nureine gemeinsame Eigenschaft des Ganzm sein; daher absorbier oder inhalirt die Erd-rinde im Allgemeinen den Sauerstoff der Atmosphäre. Dieser steten Inhalationentspricht aber offenbar die fortwahrende Exhalation der Gas - und Wasserquellen.Sobald die, oft außerordentlich machtigen Quellen von kohlcnsauerm Gas, vonSchwefelwasserstoffgas u. f. w. zur Atmosphäre gelangen, verlieren sie ihre chemi-sche Qualität, denn unmittelbar über den stärksten Gasquellen hat die Atmosphäreihre allgemeine konstante Qualität von Sauer - und Stickstoff; in der Atmosphäreliegt daher die eigemhümliche Kraft, die differenten Körper, Kohle, Schwefel,Wasserstoff, zu indisserenziren , sie in Sauerstoff umzuwandeln oder zu asiimili-