150 Geologie
Ganzes, auf welches alle sonstigen Schichten bezogen wurden; die jüngsten Bil-dungen waren hier sehr wenig berücksichtigt, obwol diese besonderes Interesse dar-bieten, indem deren Bildungsart zum Theil unmittelbar zu beobachten ist. Euvier,bei seinen Arbeiten über die fossilen Thiers, veranlaßte Alexandre Brongniart, mitaller Scharfe die Geognosie der Umgegend von Paris zu untersuchen, und hierwurde ermittelt, daß im Hangenden der Kreide gar nicht bloß aufgeschwemmteMassen liegen, sondern daß hier noch ein regelmäßiges, mächtiges, verschiedengruppirtes Schichtensystem sich befindet, welches (in den „Reckerclles sur les «?s.semens fossiles" und in dem „Lssui sur lu AeoArapüie rniueruIoAiyue 6es eavi-rons cke ?uris") näher beschrieben wurde, und seitdem lernte man die große Ver-breitung dieser tertiairen Schichten mehr und mehr kennen. In England war derWegbaumeister W. Smith bei seinen Arbeiten in verschiedenen Landestheilen mitden fleißigsten Beobachtungen über die Folge der Flötze und deren Petrefacte sehrbeschäftigt; er entwarf seit dem Jahre 1825 höchst specielle, werthvolle'geognosti-sche Karten, die von andern wissenschaftlichen Naturforschern sehr benutzt wur-den. Lebendig erwachte hier nun die Liebe für die Geognosie, besonders seit derGründung der geologischen Gesellschaft in London (1817); man lernte, vorzüglichdurch Conybeare und Phillips, eine ganz neue Reihe von Fletzen kennen, und esdauerte eine geraume Zeit, ehe man diese mit einiger Sicherheit mit den deutschenFormationen zu parallelisiren vermochte. In Deutschland erhielt während derletzten zehn Jahre Werner's System große Erweiterungen, denn man lernte zwi-schen dem Muschelkalk und der Kreide den Keuper kennen und das mächtige Schich-tensystem des Iuragebildes, wodurch große Analogien mit Schichten aufgefundenwurden, die in England sehr verbreitet sind. Neuerlich hat man genaue, vielsei-tige Untersuchungen über die Alpen angestellt, wobei sich ergab, daß die hier vor-herrschenden kalkigen und sandigen Schichten meist jungen Formationen angehö-ren und zum großen Theil in einer sehr neuen Zeit erhoben worden sind. Man' istdarauf zu dem südlichen Europa übergegangen, wo andere Verhältnisse als imnördlichen hervortreten; selbst über mehre Theile von Amerika, Asien und Afrikawurden schätzbare Nachrichten eingesammelt.
Zwei verschiedene Gesteinsysteme unterschied man von jeher, nämlich diegeschichteten, meist petrefactenreichen Schichten oder Flötze, und die ungcschichte-ten, krystallinischen, petrcfactenlosen Gesteine, welche häusig die höchsten Theileder Gebirge bilden und sehr allgemein als die ältesten Productiomn der Erde oderals das Urgebirge betrachtet wurden, wie der Granit, Syenit, Porphyr u. s. w.Professor Hutton in Edinburg suchte schon seit 1788 durch bestimmte Beobach-tungen nachzuweisen, wie der Granit oft unter Verhältnissen hervortrete, die garnicht für eine Bildung in der Urzeit sprechen, im Gegentheil erscheine er hausiggangartig und wie in andere Massen eingespritzt; daher stellte er die Meinung auf,daß alle diese granitischen Gesteine in einer verhaltnißmäßig neuen Zeit emporgc-treten waren und nur pyrotypische Umbildung von Sandstein sein möchten. LangeZeit hindurch fand diese, der herrschenden Theorie entgegentretende Meinung wenigBeifall; als aber von mehren Seiten, besonders durch M'Culloch, ahnlicheBeobachtungen gemacht wurden, und A. Boue (1821) nachzuweisen suchte, daßdie Verhältnisse in Deutschland, selbst in der Umgegend von Freiberg, diese Theorieunterstützten, fand sie mehr Eingang, und man hat sich neuerlich immer mehrdavon überzeugt, daß die krystallinischen Gebilde wirklich aus dem Innern derErde zu Tage getreten sind, großentheils wenigstens, in einer verhältnismäßigneuen Epckche, aufweiche manschließen kann, wenn die Flötzschichten ermittelt»Verden, die zugleich mit erhoben oder aus ihrer Lage gerückt wurden, ein Verhält-niß, welches neuerlich vorzüglich Elie de Beaumont untersucht hat. Andererseitsist nicht wohl zu verkennen, wie diese krystallinischen Massen mit sandigen und