Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

144

Geismar

banesen gegen Neapel machten. Als nach der Schlacht bei Austerlitz die NüssenItalien und bald auch Korfu verließen, um nach Rußland zurückzukehren, kamG. mit seinem Regimente nach Podolien. Vei dem Ausbruche des Türkenkriegs1806 gehörte sein Regiment zu der vom General Miloradowitsch befehligten Di-vision und rückte mit dem Heere unter Michelsen in die Moldau und Walachei.In diesem Kriege erwarb er sich Ruhm und Auszeichnung durch seine erste Waffen-that, indem er unter sehr ungünstigen Umständen an der Spitze von 100 Frei-willigen das feste Schloß Turbat unweit Giurgewo erstürmte. Nach den Unter-handlungen zu Rustschuk ward er in das Hauptquartier des Großwessirs geschickt,um günstige Bedingungen für die Serbier auszuwirken. Wahrend er mit demrussischen Hauptquartier in Bukarescht blieb, wurden ihm 1808 mehre Sendun-gen an Mustaphsr Bairaktar und an Czerny Georg aufgetragen. Nach dem Wie-derausbruche der Feindseligkeiten eroberte er, wie früher Turbat, in einem kühnenAngriffe Bairaktar's Schloß Slobodno, das er, nach dem mislungenen Versuchedes russischen Hauptheeres gegen Giurgewo, in die Luft sprengte. Als nach demAusbruche des Kriegs zwischen Ostreich und Frankreich 1809 ein russischer Heer-haufen, mit den Franzosen verbündet, in Galizien eingerückt war, erhielt G. denAustrag, in den Karpathen am Ausgange der siebenbürgischen Engpasse die Ost-reicher zu beobachten. Nach dem Frieden rief Miloradowitsch ihn wieder nachBukarescht zurück und machte ihn zu seinem Adjutanten. Als General Labanoff1810 die Festung Rasgrad angriff, erwarb sich G. durch die Entschlossenheit undGeistesgegenwart, womit er die Unterhandlung führte, das Verdienst, denPascha zur Übergabe zu bewegen. In demselben Feldzuge focht er, als KamenskySchumla angriff, mit glänzender Tapferkeit gegen einen überlegenen türkischenReiterhaufen. Bei der gleichzeitigen Belagerung der Festungen Rustschuk undGiurgewo unternahm er es mit einem Haufen von Freiwilligen, eine Brücke zuzerstören, welche überfeinen Donauarm führt, der Giurgewo in zwei Theile trennt'.Er mußte die Faschinen und die meisten übrigen Bedürfnisse, die er zur Ausfüh-rung des kühnen Unternehmens brauchte, von einem russischen General kaufen;aber aller Schwierigkeiten ungeachtet und von seinen Leuten wenig unterstützt, ge-lang es seiner Unerschrockenheit, den Plan glücklich auszuführen. Er sah seinenDiensteifer wenig belohnt, und wahrscheinlich bewog ihn dies, 1811 seinen Ab-schied zu nehmen und sich auf ein gepachtetes Landgut unweit Bukarescht zurück-zuziehen. Als Rußland sich zum Kriege gegen Frankreich rüstete, reiste G. nachPetersburg und wurde als Adjutant bei dem General Bachnietief angestellt. Indem Gefechte bei Ostrowno schwer verwundet, ward er nach Petersburg gebracht,und als er, kaum geheilt, zu dem Heere zurückkehrte, waren die Franzosen bereitsauf dem Rückzüge. Er kam zu dem Heerhaufen des Generals Miloradowitsch, derihm in Kalisch den Auftrag gab, mit 300 Reitern einen Streifzug nach Sachsenzu machen. Auf dem Wege nach Dresden vereinigte er sich mit den Obersten Da-vidoss und Orloff, die denselben Auftrag hatten, und wahrend Davidoff mit demGeneral Durutte in Dresden eine Übereinkunft schloß, wollte G. mit Orloff überdie Elbe setzen, und es gelang ihm, in den Elbdörfern mehre versenkte Kähne auf-zufinden, mit welchen das Unternehmen am 14. Marz 1813 oberhalb Meißenausgeführt wurde. G. und Orloff rückten auf der Straße nach Nossen vor, undohne Fußvolk und Geschütz kämpften sie mit Erfolg gegen die zehnfach überlegeneMacht, mit welcher Durutte und der bairische General Nechberg sie angriffen.G. ging nach der Schlacht bei Lützen nach Schlesien und stand wieder als Adju-tant bei Miloradowitsch, als die Verbündeten im August gegen Dresden vor-rückten. Nach dem Rückzüge derselben war G. in den engen Waldpassen beiTöplitz bemüht, die Ordnung der verfolgten Heerabtheilungen zu erhalten, bis ihnder Kanonendonner bei Kulm auf das Schlachtfeld rief, wo er durch seine Ent-