Gefängnißwesen 141
sich so schnell verbreitet hat, daß bereits ein Mitglied auf jede 400 Einwohner ge-zahlt wird. Die Berichte dieser Gesellschaften, deren die englische bis jetzt acht, dieirische neun, die nordamerikanische fünf, die niederländische, die rheinisch-westfälischeund die russische vier, die weimarische zwei und die preußische und nassauische einenbekannt gemacht haben, enthalten, nebst den auf Kosten der britischen Gesellschaftherausgekommenen Schriften und dem Werke von Lucas über das Besserungs-system („Du Systeme penal et <1u sMeme represdik", 3 Bde., Paris 1828 —30), in Verbindung mit dem 1823 in Norwegen erschienenen Buche von Holstüber das britische Gefängnißwesen und mit Spangenberg's 1821 gedruckterSchrift „Über das Pönitentiarsystem" einen Schatz von Thatsachen und Erfahrun-gen, welche I). Julius in seinen, jetzt auch durch Logarmitte ins Französische über-setzten „Vorlesungen über die Gefängnißkunde" (Berlin 1828) zu einem syste-matischen Ganzen zusammengefaßt hat, das er durch seine monatlich erscheinenden„Jahrbücher derStraf-undBesserungsanstalten" fortführt und vervollständigt. Fügtman noch Zeller's „Grundriß der Strafanstalt, die als Erziehanstalt bessern will"(Stuttgart 1824) hinzu, so wird man das Beste und Vollständigste besitzen, wasbis jetzt über die noch junge Wissenschaft der Gefängnißkunde erschienen ist, welcheindeß schon ihren fleißigen Literator in Ristelhüber, dem Vorsteher des Landarmen-hauses zu Brauweiler, gefunden hat, dessen „Wegweiser zur Literatur der Wai-senpflege, des Volkserziehungswesens, der Armenfürsorge, des Bettlerwesens undder Gefängnißkunde" (Köln 1831) sorgfältige Nachweisungen gibt.
Betrachten wir nun noch den Zustand der Gefängnisse in den verschiedenenLändern Europas. In England waren von den 518 Gefängnissen, welche diesesLand enthält, unter 122 am Ende des Jahres 1826 noch 32 ohne alle Classen-abtheilung, 30 mit Schlafstuben für jeden einzelnen Gefangenen und 31 ohne alleArbeit, und ein Jahr später enthielten noch 29 Gefängnisse Wahnsinnige, welcherÜbelstand sowie der Mangel an Elassenabtheilung auch noch jetzt, trotz den rühm-lichen Bemühungen Peel's, schmerzlich empfunden wird. Die Gefängnisse in Lon-don gehören aber, Milbank, das gegen 600 Sträflinge enthält, allein ausgenom-men, zu den schlechtesten. Obgleich nach den Gesetzen von 1823 und 1824 wenig-stens 10Classenabtheilung?n in jedem Gefängnißhause eingeführt werden sollen, sowaren doch in der neuesten Zeit noch immer sehr viele ohne alle Abtheilungen der Ge-fangenen. In 22 Grafschaftsgefängnissen gab es weniger als 10 Abtheilungen.Nach dem neuesten Bericht der englischen Gefängnißgesellschaft von 1832 hattenunter 136 Gefängnissen nur 36 so viele Zellen, daß jeder Gefangene zur Nachtzeiteinzeln eingesperrt werden konnte, in 40 wechselte die Zahl der in jedem Schlaf-raum befindlichen Gefangenen zwischen 3 und 6; in 10 Gefangnissen mit 220Schlafstuben waren gleichzeitig 2100 Menschen bei Nacht, und in einigen der größ-ten Anstalten befanden sich 15 — 30 Sträflinge ,n einer Schlafstube. Die An-zahl der Arbeitsstunden war im Sommer zwischen 7 und 11, im Winter zwischen 5und 7 Stunden. In Schottland sind, mit Ausnahme des sehr guten Gefängnisseszu Glasgow, das größtentheils nach dem Stralenplane erbaut ist, und zum Theilauch der beiden Gefängnisse zu Edinburg, die übrigen Anstalten in sehr schlechtemZustande, doch werden die Mängel derselben weniger fühlbar, da die Zahl der Ge-fangenen sehr gering ist. In Irland hat die treffliche Einrichtung der General-inspection der Gefängnisse wohlthätig gewirkt, und daher bemerkt man hier seitden letzten Jahren die erfreulichsten Fortschritte im Gefängnißwesen. Von den40 Grafschaftsgefängnissen sind 9 nach dem Stralenplan und 6 nach dem halb-kreisförmigen Plan ganz neu erbaut worden. Unter den kleinern Arbeitshäuserngenügten der gesetzlichen Elassenabtheilung nur wenige. In vielen Zuchthäusernwaren die Verhafteten ohne Beschäftigung. Die Gefangnisse in Dublin waren,mit Ausnahme des von der Regierung gegründeten Besserungshauses, sehr schlecht,