Druckschrift 
Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

l20 Fries

die Nacionaltruppen als Befreier durch Adressen hineinlockten, theils durch Ver-breitung falscher Proklamationen den Fanatismus wider die Hollander aufregten.Es ist nunmehr aktenmäßig erwiesen, daß die vom Prinzen Friedrich befehligte Er-pedition nicht zu einer Belagerung, noch Beschießung, sondern zu friedlichemEinzug gerüstet und kaum mit dem notwendigsten Schießbedarf versehen vorBrüssel erschien. Alle übrigen Angaben sind erdichtet. Nach vier mörderischenTagen nahe am Ziel, wurde der Prinz durch sein Gefühl besiegt, und statt nocheinen letzten Angriff zu wagen, welcher die Kraft der bereits entmuthigten undzur Capitulation geneigten Insurgenten (vergl.Lsquisses Ue In revolutionbeige") gebrochen haben würde, zog der Prinz freiwillig ab, sodaß sein zur Nacht-zeit bewerkstelligter Rückzug aus dem Park, an welchen die Revolutionnairs, eineHinterlist vermuthend, lange nicht glauben mochten, einen Anstrich von Fluchtund Verzweiflung erhielt, was mit den Umstanden, unter denen er vollbrachtwurde, völlig im Widerspruche stand. Von dieser Katastrophe an widmete sichFriedrich, in der Neigung der Hollander täglich höher gehoben, mit verdoppeltenAnstrengungen der Reorganisation des regulairen Heeres und der Schuttereien.Er stellte eine von Sehnsucht nach Kampf mit dem Feinde und von Vaterlands-liebe glühende Armee von 130,000 Mann seinem Bruder zur Verfügung dar undbegnügte sich, als im August 1831 das Glück die niederländischen Waffen wiedersegnete, in edler Resignation mit dem zweiten stillern Ruhme. Der Natio-nalstolz jubelte dem Sieger von Hasselt und Löwen entgegen; aber alle dankba-ren Herzen wendeten sich zugleich dem Wiedererwecker des alten Geistes imHeere zu. (33)

Fries (Elias), Professor der Botanik zu Lund, wurde am 15. Aug. 1794im Sprengel Femsio im Stifte von Wexiö geboren. Schon von frühester Kind-heit an zog ihn ein unwiderstehlicher Trieb zur sinnigen Naturbetrachtung hinund seine Verhältnisse verstatteten ihm, denselben zu befriedigen und auszubilden.Sein Vater war Pfarrer des Sprengels und besaß selbst einige Kenntnisse in der Bo-tanik, sodaß er anfangs dem begeisterten Sohn zum Führer bei feinen botanischenWanderungen dienen konnte. Noch ehe F. die Universität bezog, kannte er schon allein den heimathlichen Umgebungen wachsenden Pflanzen; da er aber mehre Krypto-gamen noch nicht in seinen Lehrbüchern fand, so trug sie der Knabe selbst im Systemein und gab ihnen einen selbst gewählten Namen. Nachdem er sich darauf mit Leich-tigkeit die akademischen Würden erworben, wurde er 1814 Docent der Botanik,erhielt 1824 den Professortitel, wurde aber erst 1828 Adjunct, oder, wie es inSchweden heißt, öot-mices üemonstruwr. Schon seit längerer Zeit hatte dieNaturwissenschaft in Schweden die Richtung genommen, ihre hauptsächliche Auf-merksamkeit auf die von Lmne vorzugsweise bearbeiteten Zweige zu wenden unddagegen die übrigen zu vernachlässigen, die von ihm geringere Beachtung erfahrenhatten. So war es auch vornehmlich mit den Pilzen und Schwämmen der Fallgewesen, ein Feld, welches das weitläufigste und darum zugleich das schwie-rigste unter allen ist. Der bekannte Spruch Linne's:^mi^orum oräo in op-proprium scieotiue cdnos est", hatte bisher noch keinen Naturforscher in Schwe-den zum gründlichem Studium derselben angeregt. Diesen noch wenig betrete-nen Weg schlug aber F. schon früh ein. Er fand in feinem Geburtsorte treff-liche Gelegenheit diese Pflanzenfamilie zu untersuchen, und nach einigen kleinerneinleitenden Schriften erschien endlich 1821 seinSMemn m^cologicum", dassogleich Epoche machte und noch immer als eine Fundamentalgesetzgebung indiesem Naturgebiete gilt. Das Verdienst dieses Werkes besteht vornehmlich ineiner genauen Untersuchung der Entwickelungsgeschichte jener Gewächse, in Folgederen es sich ergab, daß mehr denn 40 Geschlechter und unzählige Arten nurunentwickelte oder misgebildete Formen von früher in ihrem vollkommenen Au-