118 Friedrich Wilh. (Kronpr. v. Preußen) Friedrich (Pr. d. Niederl.)
diesen Vorgang war um so größer, da man darin eine Herausfoderung zum Auf-ruhr und die Wirkung des Einflusses zu sehen glaubte, den man einer aristokratisch-militairischen Partei zuschrieb, zu welchen man einige der nächsten Nachgebet undVertrauten des Prinzen rechnete. Es ward auf die von der Standeversammlungausgegangene Anregung einer Untersuchung des unglücklichen Ereignisses angeord-net, deren Erfolg aber so lange verzögert wurde, daß die Verstimmung nur zunahm.Zwar wurde zwischen dem Prinzen und der Kurfürstin spater eine Aussöhnung ge»stiftet, aber dagegen zwischen der Regierung und den Standen das Verhaltniß im,mer gespannter, und es schien sich immer mehr die Wirksamkeit einer, der neuenOrdnung der Dinge feindlichen Reaction zu zeigen, die endlich in der Auflösung derStändeversammlung (1832) ihren Sieg feierte.
Friedrich Wilhelm, Kronprinz von Preußen, geb. den 15. Oct. 1795,zeigte schon in frühester Jugend einen lebhaften, für alles Edle und Schöne em-pfänglichen Sinn und unter der sorgfältigen Pflege einer liebenden Mutter, diees im vollsten Sinne des Wortes war, wurden diese Keime gepflegt und ent-wickelt, während der königliche Vater dem dereinstigen Erben des Thrones früh-zeitig diejenige Laufbahn anwies, welche für den Herrscher eines Staats, dervornehmlich auf den Waffen und der Intelligenz beruht, die angemessenste seindürfte. Unter der Leitung von Delbrück und Ancillon in Schulwissenschaften undPhilosophie, unter der von Scharnhorst und von dem Knesebeck in Militär-wissenschaften unterrichtet, ging der Kronprinz später zu einem akademischenCursus der Rechts- und Staatswissenschaften unter Savigny, Ritter und Lan-cizolle über, wobei die Vorliebe und das ausgezeichnete Talent für die zeich-nenden Künste durch Schinkel, Rauch und andere berühmte Meister, derenUmgang dem Kronprinzen noch gegenwärtig heitere Stunden der Erholung ge-währt, gepflegt wurden. Wie aber Göthe so wahr sagt, daß sich ein Talentwol in der Stille, ein Charakter nur im Strom der Welt bilden könne, sofindet dies auch auf den Kronprinzen Anwendung, dessen früheste Jugend in dieunglückliche Katastrophe nach der Schlacht von Jena, dessen Jünglingsjahre indie schöne Zeit der Begeisterung des Befreiungskrieges fallen. Der Kronprinzwohnte den meisten Hauptschlachten der Feldzüge 1813 und 1814 bei, und wenner auch noch viel zu jung war, um schon selbst ein Commando führen zu kön-nen, so war der Krieg selbst und der Geist, mit welchem er geführt wurde, diebeste Schule für einen deutschen Fürstensohn. Die Kunstschätze in Paris gabenseinem empfänglichen Gemüthe eine bestimmtere Richtung auf die Kunst und nochmehr wurde diese durch eine Reise nach Italien gefördert. Seinem Kunstsinne ver-dankt der ehemalige Sitz der Hochmeister des deutschen Ordens, die Hochburg zuMarienburg, ihre Wiederherstellung, und seit 1824 war der Prinz eifrig bedacht,die prächtigste Burg Preußens vor dem Verfall zu retten und mit alterthümlichenEmblemen und Glasgemalden im Geiste der ursprünglichen Anlage zu schmücken.Dieser großen und entschiedenen Vorliebe für die Kunst widmet der Kronprinz je-doch nur seine Erholungsstunden, da seine Zeit durch die Arbeiten im Staatsmi-nisterium und in dem Staatsrathe sowie durch sein Militaircommando in Pom-mern vielfach in Anspruch genommen wird. Seit dem 29. Nov. 1823 ist derKronprinz vermählt mit Elisabeth Ludovike, Tochter des Königs Maximilian vonBaiern, geb. den 13. Nov. 1801. (20)
Friedrich (Wilhelm Karl), Prinz der Niederlande, jüngerer Sohn desKönigs Wilhelm I. und der Königin Wilhelmine, geb. Prinzessin von Preußen,geb. den 28. Febr. 1797, theilte gleich seinem Bruder, dem Prinzen von Oranienund Thronfolger der Niederlande, das Exil des Vaters und die wechselreichen Trüb-sale desselben während der verhängnißvollen Zeit der batavisch-französi'schen Revolu-tion und der Kaiserregierung. Unter des Vaters Augen erhielt der hoffnungsvolle