114 Friedrich August (Mitregent von Sachsen)
anderthalb Jahre blieb und wahrend dieser Zeit nicht nur mit reifendem Geistedem hohem Unterrichte seiner Lehrer folgte, sondern auch sichtbaren Nutzen ausdem Umgange mit den, durch wissenschaftliche Bildung ausgezeichneten Glie-dern der höhern Kreise der Hauptstadt Böhmens zog. Der Entschluß, welchenFriedrich August 1815 nach Napoleons Rückkehr auf französischen Boden faßte,seine beiden ältesten Neffen an dem Feldzuge Theil nehmen zu lassen, gab zu-nächst Veranlassung, daß sich dieselben unter der Leitung des Generallieutenanrsvon Watzdorfs von Prag nach Presburg, wo der König seit den 4. März 1815 sichaufhielt, begaben. Beide Prinzen reiften im Mai in das Hauptquartier desFürsten von Schwarzenberg. Außer dem General von Watzdorfs und zwei sächsi-schen Generalftabsofsizieren, wurde ihnen auch ein ausgezeichneter öftreichischerStabsoffizier beigegeben. Mit liebevollem Interesse trug der Erzherzog Ferdinandvon Este, Anführer der östreichischen Reservearmee, in dessen Hauptquartier zu Di-jon sich die Punzen begeben hatten, selbst wesentlich dazu bei, sie in das Praktischedes Kriegs einzuweihen. Die entscheidende Schlacht von Waterloo raubte ihnendie Hoffnung, an einem Gefechte Theil zu nehmen. Sie begaben sich nach Parisund widmeten einen großen Theil ihrer Zeit der Besichtigung oller Merkwürdigkei-ten der französischen Hauptstadt. Prinz Friedrich und sein Bruder besuchten dar-auf Karlsruhe, Stuttgart und München und kehrten im Ott. 1815 nach Dres-den zurück. Die Leitung der Erziehung aller drei, nun wieder vereinten Prinzenwurde 1816 dem General von Watzdorfs, einem welterfahrenen, patriotisch gesinn-ten Manne, anvertraut. Als Gehülfe und für den Unterricht im praktischen Mili-tairdienste ward ihm der Major von Cerrini, jetzt Oberbefehlshaber der sächsischenTruppen, beigeordnet. So einflußreich auch die vielfachen geistigen Bereicherun-gen, mit welchen Prinz Friedrich heimgekehrt war, sich bewiesen, so eifrig und un-gestört setzte er nun seine Studien in der Einförmigkeit des häuslichen, patriarcha-lisch.« Lebens der königlichen Familie fort. Juristische, staatswissenschaftliche undmilitairische Studien fesselten vorzüglich seine ganze Aufmerksamkeit, während erin den Naturwissenschaften und der Kunst erwünschte Erholung fand. Der Prinzwurde 1818 Generalmajor und trat 1819 auch in praktische Beziehung zu denStaatsgeschäften, indem er den Sitzungen des Geheimenraths und der übrigenhöchsten Staatsbehörden beiwohnte. Im Herbst der Jahre 182V und 1821 führteder Prinz bei der Zusammenziehung der Truppen eine Jnfanteriebrigade, zu derenwirklichem Chef er im Nov. 1822 ernannt ward. Kurz vorher hatte er Sitz undStimme im Gehcimenrathe erhalten. Im Sommer 1824 bereiste er Belgienund Holland und ging 1825 nach Paris, wo er besonders im Familienkreisedes jetzigen Königs der Franzosen und in dem Umgange mit den ausgezeich-netsten Mannern Frankreichs, sowie in den Werkstätten der talentreichftenfranzösischen Künstler ebenso viel Genuß als Belehrung fand. Er erwartetedort seinen Vater, der seiner Tochter, der Königin Josephe von Spanien, ei-nen Besuch in Madrid abgestattet hatte, und kehrte mit ihm und seiner älte-sten Schwester, der Prinzessin Amalie, nach Dresden zurück. Im Sommer1828 besuchte der Prinz, begleitet von dem jetzigen Leibarzt Carus und demProfessor an der Kunstakademie zu Dresden, Ferdinand Hartmann, den größ-ten Theil Italiens. Wurde auf dieser Reise sein Geschmack für die klassischenWerke der Kunst erhöht, so verminderte sich nicht seine Liebe für vaterländischeKunstleistung. Er sandte nie bedeutende Summen ins Ausland, fremde Kunstwerkezu erwerben, unterstützte aber oft junge vaterländische Künstler auf ihren Wande-rungen zu den Vorbildern der Vorzeit, und zierte dann seine anspruchslosen Woh-nungen mit den heimgebrachten Zeugnissen ihres Talents und ihres Fleißes. Auden Kunstschatzen, in deren Besitz er ist, gehört auch eine treffliche Kupferstichsammiung, die er selbst angelegt hat und fortdauernd bereichert. Nach dem Tode