112 Friedrich (Herzog zu Sachsen-Altenburg)
fessors Ersch die Redaction der medicinischen Partie übertragen. Den Sommer1828 verwendete er zu einer wissenschaftlichen Reise nach Holland, Großbritan-nien und Irland, wovon wie überhaupt von seinem redlichen Fleiße wir nochmancher Ausbeute entgegensehen dürfen. (38)
Friedrich, Herzog zu Sachsen-Altenburg und Senior des ErnestinischenHauses Sachsen, wurde am 39. April 1763 zu Hildburghausen geboren, dereinzige Sohn des Herzogs Ernst Friedrich Karl von Sachsen-Hildburghausen unddessen dritter Gemahlin, Ernestine Auguste Sophie, Tochter des Herzogs ErnstAugust von Sachsen-Weimar. Das kleine Fürstenthum Hildburghausen, dasauf 10 lD Meilen gegen 30,000 Einwohner zahlte, und dessen Einkünfte sichnur auf 300,000 rheinische Gulden beliefen, hatte das Schicksal, im 18. Jahr-hundert zwei Mal unter die Verwaltung kaiserlicher Debitcommissionen zu kommen, die den zerrütteten Staatshaushalt zu ordnen eingesetzt wurden. Die Schul-denlast, die sich unter der Regierung des 1734 gestorbenen Herzogs Ernst Fried-rich I. aufgehäuft hatte, wurde theils durch die Folgen des siebenjährigen Kriegs,theils durch die verschwenderische Hofwirthschaft des Herzogs Ernst Friedrich Karl ^so sehr vermehrt, daß sie 1709 über vier Millionen Gulden betrug, unter welchen ^über dritthalb Millionen Wechselschulden waren. Der Oheim des Herzogs, derkaiserliche Generalfeldmarschall Prinz Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghau-sen, der in demselben Jahre an die Spitze der Debitcommission trat, nahm bald ^nachher den Erbprinzen Friedrich mit sich nach Wien, um ihn unter seiner Lei-tung erziehen zu lassen, und nach dem 1780 erfolgten Tode des Herzogs trater als Vormund die Regierung des Landes an, für dessen Verwaltung er treulichsorgte. Als der Prinz 1784 mündig geworden war, überließ er mit kaiserlicherGenehmigung die weitere Führung der Regierung seinem achtzigjährigen Groß-oheim, nach dessen Tode 1787 er selber die Verwaltung übernahm. Die kaiser-liche Debitcommission dauerte indeß fort unter der Oberaufsicht des HerzogsGeorg von Meiningen und des Herzogs Adolf Friedrich von Mecklenburg - Stre-ich, mit dessen Nichte, Eharlotte, der Schwester der Königin Louise von Preußen,Herzog Friedrich seit 1785 vermählt war. So groß die Schwierigkeiten waren,die der zerrüttete Staatshaushalt und die von der Debitcommission verordnetenEinschränkungen entgegensetzten, und die seit dem Anfange des Rcichskrieges ge-gen Frankreich noch vermehrt wurden, so geschah doch Manches für die Beförde-rung der Landescultur, und besonders wurde seit 1795 für das Schulwesen durchdie Gründung eines Schullehrerseminariums, durch die Verbesserung des Unter-richts und die Stiftung neuer Dorfschulen und einer höhern Lehranstalt in Hild-burghausen viel Erfreuliches gewirkt. Wie der Herzog hier thätig eingriff, sorgteer auch für die Verbesserung der Waisenerziehung, für die Vervollkommnung derArmenpolizei durch Unterdrückung der Bettelei und Anlegung einer Industrieschuleund für die Gesundheitspflege, welche besonders auch durch die, seit 1809 ver-ordnete Verbreitung der Schutzpockenimpfung gefördert wurde. Mit der Aus-lösung des deutschen Reiches Hörle zwar die Wirksamkeit der Debitcommissionauf, aber die Ereignisse seit 1806 brachten dem kleinen Lande neue Gefahrenund Bedrängnisse. Als der Kurfürst von Sachsen mit Frankreich Frieden ge-schlossen hatte, war der Herzog unter seinen Stammvettern der erste, der sichdem Rheinbunde anschloß, um die Selbständigkeit des Landes zu retten, ein Ver-hältniß, das neue schwere Opfer herbeiführte. Nach der Stiftung des deutschenBundes war der Herzog unter den sächsischen Fürsten einer der ersten, welche dielandständische Verfassung im Sinne der Bundesacte ordneten, indem er 18l7die Mängel der alten Einrichtung, welche der Ritterschaft das Übergewicht überdie Städte gab, aufhob; und obgleich er die alte ständische Repräsentation beibe-hielt, so gab er doch auch dem Bauernstande gewählte Wortführer und nahm