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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
100
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wo Frege (Familie)

schaste, so gut es die Umstände gestatteten, zu erledigen. Der Revolutionskrieg gabseinem Handelshause Gelegenheit, für mehre der kriegführenden Machte verschie-denartige Auftrage zu besorgen. Im Gemeinsinn seinem Vater nacheifernd,sammelte er für das, 1792 meist durch Subscriptioncn gegründete Arbeitshaus fürFreiwillige und die damit verbundene Schule in Leipzig gegen 20,000 Thaler anmildm Gaben, und er war es, der den Gedanken zu der 1803 errichteten Armen-anstalt *) faßte, der ersten in Sachsen, welche durch unmittelbare bürgerschaft-liche Theilnahme an der Verwaltung den Namen einer Gemeindeanstalt ver-diente, und ein Muster aufstellte, das die Hauptstadt des Landes erst weit spa-ter nachahmte. Als die Misernte des Jahres 1804 eine drückende Theurungherbeiführte, erhielt F. von dem Kurfürsten den Auftrag, einen bedeutendenEinkauf von Getreide in den russischen Ostseehafen zu besorgen. Als er kurz nachder Schlacht bei Jena sich in Berlin befand, veranlaßte er in Verbindung mit demHerzog von Weimar den Freiherrn von Gagern, vorläufige Unterhandlungen zuGunsten Sachsens mit dem Sieger anzuknüpfen, und im Besitz des Vertrauensder sachsischen und französischen Behörden, gelang es ihm bei dem Abschlüsse des po-sener Friedens, mit glücklichem Erfolge für sein Vaterland zu wirken. Nicht min-der günstig war das Ergebnis der ihm aufgetragenen Unterhandlungen mit demfranzösischen Machthaber«, die Leipzig wegen des Handels mit englischen Manu-faeturwaaren eine außerordentliche Contribution aufgelegt hatten, die durch F.'sBemühungen bedeutend ermäßigt ward. Als die Kriegsdrangsale die Noth desLandes erhöhten, übernahm F. in den Iahren 1807 und 1810 zwei Anleihen, zu-sammen zu .3 Millionen Thaler, die er mit der ihm eignen Umsicht bald zu Standebrachte. Die angenehmste Erholung von seinem vieldewegten Geschäfcsleben ge-noß er aus seinem Landgute Abtnaundorf, und die Verwüstung dieser Besitzungwahrend der Schlacht bei Leipzig verursachte ihm einen Kummer, der in Verbin-dung mit manchen unangenehmen Geschäften, in welche die Zeitereignisse ihn ver-wickelt hatten, seine Gesundheit erschütterte. Er starb nach langem Siechthumam 3. Febr. 1816. Bereits früher mit dem Kammerrath Ploß als Handelsge-sellschafter verbunden, nahm F. schon 1801 seinen ältesten Sohn, Christian Gott-lob, und seinen Schwiegersohn, Christian Adolf Meyer, als Theilnehmer seines Ge-schäfts auf, wozu 1804 auch sein jüngster Sohn, Christian Ferdinand kam, der aber1821 starb. Das Handelsgeschäft ward unter der Leitung der übrigen drei Gesell-schafter fortgesetzt, bis Ploß 1825 ausschied. Christian Gottlob F., bereitsseit 1804 mit städtischen Verwaltungsangelegenheiten beschäftigt, wurde 1812 Mit-glied des Stadtraths. Während der Schlacht bei Lützen erhielt er den Auftrag,die Stadt dem Wohlwollen Napoleons zu empfehlen, und im Sommer 1813 wardihm von den Behörden die Leitung der zahlreichen in Leipzig befindlichen Lazaretheund die Verproviantirung der in der Umgegend aufgestellten Heerabtheilungen auf-getragen. Der König von Sachsen schickte ihn 1819 nach Holland, um die aber-mals in Amsterdam versetzten Kronjuwelen einzulösen. Er erhielt den Kammer-rathstitel und das Ritterkreuz des Civilverdienstordens, vom Kaiser Alexander aberfür die während des Krieges den russischen Kranken geleisteten Dienste den Annen-orden zweiter Classe, und vom König von Schweden den Nordsternorden. Diebedenkliche Krisis, welche die kaufmännische Welt 1826 zu bestehen hatte, bliebohne nachtheiligen Einfluß auf das Handelshaus Frege, da es dem stets befolgtenGrundsatze treu war, sich nie für eigne Rechnung in gefährliche Speculationen mitStaatspapieren einzulassen. Durch strenges Festhalten an diesem Grundsatze istes diesem Handelshaufe möglich gewesen, auf der, ihm von seinen Begründernbezeichneten Bahn ehrenvoll fortzuschreiten, und obgleich sich Leipzig nicht mehr

*) S. Sickct's ,,Darstellung der im Jahre l8l)Z in Leipzig errichteten neuenArmenansialt" ^Leipzig 1812).