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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
98
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98 Französische Literatur

theils armer und beziehungsloser, ja von manchen Fakultäten kann manwol mit Recht behaupten, daß sie sich in Frankreich bisher noch gar nichtzum Begriff einer Wissenschaft ausgebildet haben, wie z. V. die Theolo-gie, die in der That noch immer auf einer sehr niedrigen Stufe steht. Dieneueste theologische Literatur hat fast nur Schriften von moralischer, erbaulicheroder allgemein raifonnirender Tendenz aufzuweisen. In der letztern Gattungstehen des bekannten Abbe de Lamennais Schriften, besonders seinbissmsur 1'indikkerencs en mutiere de yeü^iou", obenan, und die heutige franzosischeGeistlichkeit hat schwerlich noch ein ähnliches Werk aufzuweisen, das diesem anKraft und Scharfe der Beredsamkeit gleich käme. Auch des Bischofs Frayssi-nous(Conferences" haben sich den Beifall eines zahlreichen Publikums zuerwerben gewußt. Dagegen begann Benjamin Constant in feinem geistreichenWerkeDe 1u reli^ion cunsideree dsus su sonrce, ses tormes et ses de-veloppemens" die ersten Entwürfe zu einer Religionsphilofophie zu geben,von denen jedoch nicht zu erwarten, daß sie in die Theologie der Franzosenübergehen und eine eigenthümliche wissenschaftliche Richtung in derselben eröff-nen werden. In der Jurisprudenz hat dagegen der Einfluß der Spe-kulation, vornehmlich der deutschen Rechtsphilosophie, günstiger einzuwirken an-gefangen. Besonders ist hier Lerminier zu nennen, der in feinerkRilosoptnedu droit" (Paris 1832) den gegenwärtigen Standpunkt dieser neuen rechts-philosophischen Schule in Frankreich am eigenthümlichsten repräsentirt. DiePhilosophie selbst verdankt ihren bedeutendem Aufschwung, den sie neuer-dings bei den Franzosen genommen, ebenfalls lediglich den Anschließungen andie deutsche Spekulation, und diese vielversprechende Begegnung zwischen demdeutschen und französischen Geiste charaktcrisirt sich vornehmlich in den Bestre-bungen Cousi'n's, von dem sie ausging. Für Verbreitung der Kenntniß derGeschichte der Philosophie wirkten vornehmlich auch die Arbeiten von Dami-ron (Lssai sur 1'Idstoire de pll'dosozdüe eu l'runce su 19ieme siecle")und Th. Jouffroy, welcher die philosophischen Systeme der Schotten Du-gald, Stewart und Reid übersetzte. Aza'is lieferte einSysteme uuiversel" inacht Bänden, von dem auch vielfache Auszüge und Abrisse erschienen sind, undworin der Verf. den Versuch gemacht hat, ein Princip aufzufinden, das derAnalyse aller Welterscheinungen gleichmäßig dienen solle. In der Bearbeitungder Naturwissenschaften hat die französische Literatur auch in der neuestenZeit ihre Auszeichnung behauptet. Im Gebiete der Naturgeschichte wiegt Cuvier(starb 1832) allein viele Namen auf. Die großen Verdienste, die er sich früherum die Zoologie überhaupt erworben, wurden durch seine Naturgeschichte derFische erhöht, welche weit übertrifft, was Lacepede geleistet hat. Seine For-schungen über die Urweltreste wurden besonders durch Bravard und Croizet erwei-tert. Geossroy St.-Hilaire war vorzüglich für die Kunde der Säugthiere thatig.Die Pflanzenphysiologie ward auch in Frankreich immer mehr als die wissenschaft-liche Grundlage der Botanik erkannt und besonders von Dutrochet,Turpin, Brong-niart d. I., Raspail und dem geistreichen Dupetit-Thouars bereichert, wahrendMirbel über die geographische Verkeilung der Pflanzen neue Beobachtungen vor-legte, und Brongniart d. I. die fossile Botanik zum Gegenstande sorgfaltigerBeobachtung machte. Mineralogie und Geologie gehören zu den Zweigen derNaturkunde, die mit vorzüglichem Erfolge gepflegt wurden, und wie d'Aubuissondie Geognoste einer neuen Bearbeitung unterwarf, waren Becthier, AlexandreBrongniart, Rozet, Constant Prevost und Bonnart bemüht, die geognostischeKunde Frankreichs zu erweitern. Fourier, Fresnel, Poisson, Cauchy. Ampere,Arago, Biot, Gay-Lussac führten durch gründliche Beleuchtung einzelner Lehrenoder durch wichtige Versuche die Fortschritte der Wissenschaft auf die hohe Stufe,