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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
97
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Französische Literatur 97

der Minderjährigkeit Ludwigs XV. Chateaubriand lieferte seine Mulles llisto-i-igues", welche die allgemeine Geschichte von Konstantin an umfassen. Lacrctelle'sUistmre lle In restaumtion" gibt schatzbare Aufschlüsse über die Regierung Lud-wigs XVIil. Eine Geschichte der Regierung seit der Restauration erschien unterdem Namen eines Hoinme ll'etat von Capefigue und wurde vielfaltig gelesen undbesprochen. Als interessanter Nebenzwcig der Geschichte ist in Frankreich die M e -moirenliteraturvon derselben nie abzutrennen. Auch in neuester Zeit hat dasreichhaltige Feld der persönlichen und geschichtlichen Memoiren einen bedeutendenAuwachs erhalten, obgleich man wol behaupten kann, daß bei weitem die wenigstenunter den die neueste Zeit betreffenden irgend auf Authenticität der Abfassung An-spruch machen können. Eine vollständige Sammlung der historischen Memoirender altern Zeit veranstaltete Petitot. Auch erschien von den 16 Bande starkeniVIemoires lle 8t.-8iinon", früher nur durch Auszüge und verstümmelte Mitthei-lungen bekannt, zum ersten Mal eine vollständige Ausgabe. Unter den neuer-dings vielfach veranstalteten Sammlungen von Memoiren über die Revolutionund von iLlemoiies coutempomins verdienen vornehmlich die Memoiren derFrau von Laroche-Jaquelin (oder vielmehr von Barante) über den Vendeekrieg,die Memoiren von Brissot, Buzot, Gohier u. A. genannt zu werden. ReichhaltigeBeiträge zur Kriegsgeschichte des Kaiserreichs lieferten die Memoiren von GouvionSaint-Cyr und Suchet. Die Geschichte der Napoleonischen Regierung und seinesHofes veranlaßt? das Hervortreten der Memoiren der Herzogin von Abrantes, desHerzogs von Rovigo, des Generals Lavalette, des Palaispräfecten von Baussetu. A. In diese Periode fällt auch die Vollendung derLio^mptne universelle",in 5C Bänden. Die mit Parteilichkeit geschriebeneViograpllie lles eontempo-rains" und die in einem ruhigem Tone abgefaßteLioFi-apllie universelle etportative lies contemporains" enthalten eine Menge bisher noch unbekannterNachrichten über Leben und Verhältnisse der merkwürdigsten Personen unserer Zeit.

Auf einer glänzenden Stufe stehen die politischen Schriftsteller undRedner der neuesten Zeit in Frankreich, und in keiner Periode haben sich so aus-gezeichnete Männer auf diesem Gebiete hervorgethan, als seitdem mit der Re-stauration die constitutionnclle Regierungsform sich entwickelte, wiewol nichtzu leugnen, daß auch die Revolution von 1789 einige große Meister und Mu-ster der Beredtsamkeit und Staatskunst hervorgebracht hat. Benjamin Con-stant's Reden und Flugschriften tragen den eigenthümlichen Charakter scharferLogik und leichter Ironie an sich. Chateaubriand behauptet zwar nicht wegenfester und liberaler Grundsätze, doch wegen der hinreißenden Beredtsamkeit seinerDarstellung den ersten Rang eines politischen Schriftstellers. De Pradt, der einegroße Anzahl Schriften über die wichtigsten Zeitbegebenheiten geliefert hat, zeigtsich als geistreicher und freimüthiger Beobachter. Eine eigenthümliche Stelle be-haupten P. L. Courier's originelle Pamphlets (gesammelt in seinenOeuvrescomplettes"), die für Musterftücke politischer Ironie gelten können. Fernerhaben Staatsmänner wie Guizot, Royer-Collard, Keratry, Foy, Dupin, Villele,Martignac, Casimir Perier, Odilon-Barrot, Cormenin u. A. vortreffliche politi-sche Reden und Flugschriften geliefert. Im ftaatswirthschaftlichen Fache und imGebiete der Staatsverwaltungskunst erschienen von I. B. Say, Comte, Dunoyer,Rey, Ganilh, dem Herzog v. Gaeta, Suzanne, Sismondi u- A. gehaltvolleSchriften, deren einige, besonders von Say, zu den tresslichsten Bearbeitung derNationalökonomie gehören.

Während aber alle Felder der französischen Literatur, welche dem prakti-schen Leben und den Tagesverhältnissen angrenzen, einen beweglichem undreichern Charakter haben, zeigen sich dagegen die Hervorbringungen der Wis-senschaft, mit Ausnahme mehrer naturwissenschaftlicher Disciplinen, meisten-Conv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. II. 7