^ Französische Literatur 93
^!>n^ Parteien der politischen und geselligen Welt mit treffendem Spott die lächerlicheSeite abgewinnend, diente er jeder zur ergötzlichen Unterhaltung, und auf dieseAret^e Weise ist es erklärlich, wie seine Stücke den Ungeheuern Erfolg gewinnen konn-ten, der sie von Paris aus durch alle Hauptstädte Europas begleitete. UnterWyjiu seinen neuem Bühnenleistungcn ist besonders „^vant, penllant et apres",worin er die Zustande vor, wahrend und nach der Revolution behandelt, be-rühmt und beliebt und der Vater unzahliger Nachahmungen geworden, die sichseitdem auf allen Bühnen in den verschiedensten Nachbildungen dieser Manier,wie z. B. die „Dreißig Tage aus dem Leben eines Spielers", gezeigt haben.Scribe's Stücke bilden heutzutage eine gewisse Mittelgattung zwischen der altenregelrecht gearbeiteten Komödie der Franzosen, die jetzt nur noch in wenigen Ar-beiten der elastischen Schule sich bedeutungslos forterhält, und den neuerdingsMode gewordenen dramatischen Sprüchwörterspielen, die besonders TheodoreLeclerc durch seine sehr unterhaltenden „Rraverdes tlramatchues" (3 Bde.) inAufnahme gebracht hat. Diese Sprüchwörterspiele, die auf den einfachsten Ver-wickelungen der Wirklichkeit beruhen, nehmen sich gewöhnlich nur eine einzelneSituation zu ihrer Aufgabe, die sie ohne alles Streben nach irgend einem ge-suchten dramatischen Effect, ganz in der Natürlichkeit des gewöhnlichen Lebenssich entwickeln lassen, während dagegen Scribe, diese Leichtigkeit und Unge-zwungenheit der Entwickelung von den „kraverlles" sich aneignend, dennochdurch eine spannendere und umfassendere Anlage des Plans und eine größere Man-en, Mich nichfaltigkeit von Charakter - und Sittenschilderungen sich dem ältern Lustspielebm« zu nähern sucht. — Die Dramatik der romantischen Schule in Frankreich hatsich bisher vornehmlich und ausschließend der Tragödie oder dem ernstern DramaM,W zugewandt, und der talentvolle Victor Hugo ist hier als der erste Repräsen-WnL tant dieser neuen romantischen Dramatik der Franzosen zu nennen. Er lieferteiilnMc zuerst seinen „Cromwell", der aber unter den wüthenden Verfolgungen der Clas-Mk siker, welche an diesem Stück ihren ganzen Parteihaß ausließen, nicht aufzu-A kommen vermochte. Zwei Jahre darauf ließ er jedoch das Drama: „Rernani,au I'üannmir cAstellait" folgen, das zuerst 1830 auf dem l^tieätre krullhais inParis gegeben und, ungeachtet der Opposition der feindlichen Partei, mit soüberwiegendem Beifall aufgenommen wurde, daß man es in kurzer Zeit gegen50 Mal wiederholte; und dieser Triumph, welchen das Stück durch die Gunstdes Publicums davontrug, schien für die Anerkennung der romantischen Schuleüberhaupt für immer entscheidend gewesen zu sein. Dies Drama vereinigt insich alle Tugenden und Schattenseiten des Dichters und seiner Schule. Dasblühendste Pathos der Sprache und Gedanken, der glänzendste und kühnste Aus-druck der Leidenschaften zeigen sich in jeder Scene, aber es fehlt an der eigent-lichen dramatischen Besonnenheit und Berechnung des Plans, wie überhauptan aller Bühnenkenntniß. Ein anderes Drama Victor Hugo's: Marian De-Imme", wurde von dem damaligen Minister des Innern, Labourdonnaye, fürdie Aufführung verboten, dem Dichter aber dafür eine jährliche Pension von0000 Francs angetragen, welche derselbe jedoch ausschlug. Alexandre Du-mas nähert sich in seinen dramatischen Arbeiten ebenfalls der romantischenSchule, obwol er nicht ganz in ihre Formen eingeht. Am meisten romantischist sein mit vielem Beifall in Paris gegebener „Henri III". Seitdem lieferteer: „^Kristine" und „Stacklwlm, Rantainekleau et Raine", welches erstere beiRomantikern und Classikern fast gleicherweise Beifall gefunden zu haben schien.Die dialogisirten historischen Gemälde Vitet's, wie die „Rarricackes" und die„ktats cke Klais", in denen er merkwürdige Geschichtsepochen in dramatischerForm entwickelt, gehören ebenso sehr der Geschichte als der Poesie an. Sie habendurch ihre treffliche Darstellung den Beifall der Lesewelt in einem hohen Grade
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