Franz (Großherzog von Mecklenburg-Schwerin) LZ
wicht auf den Umstand, daß man einige Tage nach dem 21. Marz in der Sacrksteider Peterskirche, wo nach der Aussage der beiden Verbrecher die Ermordung desHerzogs hatte vorgehen sollen, zwei geladene Pistolen, nebst Pulver, Kugeln undFeuersteinen gefunden habe. Im Julius wurde Ricci von der für diesen einzelnenFall niedergesetzten Militaircommission des Hochverraths überwiesen erklart, undmit zwei Andern zum Galgen verurtheilt. In jenem Berichte wird gesagt, Riccihabe in einem, nach seiner Verurtheilung an den Polizeipräsidenten gerichtetenSchreiben seine Schuld gestanden, aber selbst dieser Brief ist nicht abgedrucktworden. Ricci's Gattin bat vergebens für das Leben des Unglücklichen, ob-gleich ihr Vater, der Marchese Menafoglio, einst den flüchtigen König VictorEmanuel von Sardinien und dessen Tochter, die Herzogin von Modena, mit ih-ren Geschwistern nicht ohne eigne Gefahr in sein Haus aufgenommen und be-schützt hatte.
Franz (Friedrich), Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, geboren am10. Dec. 1750, ist der Sohn des 1778 gestorbenen Herzogs Ludwig und derTochter des Herzogs von Sachsen-Koburg-Saalfeld, Charlotte Sophie. Nach-dem er unter den Augen seiner Ältern seit 1760 in der Schweiz seine Erziehung er-halten hatte, kam er 1771 an den Hof seines Oheims, des regierenden HerzogsFriedrich, wo er sich mit der Verfassung und Verwaltung des Landes bekanntmachte. Er vermahlte sich 1775 mit der Prinzessin Louise von Sachsen-Gotha-Roda, die ihn auf mehren Reisen nach Holland, Frankreich, England begleitete, eheihn 1785 der Tod seines Oheims zur Regierung berief. Bald nachher gelang esihm, durch geschickte Unterhandlung einige, seit 1734 an Preußen für die Kosteneiner Reichsexecution verpfändete Ämter wieder einzulösen. Nach den Regierungs-grundsätzen der damaligen Zeit und nach dem Beispiele anderer deutschen Fürsten,konnte man es 1788 auch noch in Mecklenburg für eine anständige Finanzunter-nehmung halten, dem Erbstatthalter ein Infanterieregiment gegen eine jährlicheSubsidie von 30,000 Thalcrn zu überlassen, das bis 1796 im Dienste der Re-publik blieb. Der Ertrag diente hauptsächlich zur Vermehrung der fürstlichen Do-mainen, die jetzt von den 223 Quadratmeilen des Landes 86 begreifen. Ein er-freulicheres Ereigniß war der 1788 mit Rostock geschlossene Vergleich, welcher dielangen Streitigkeiten der Regierung mit der bevorrechteten Stadt schlichtete, unddie Wiederherstellung der, während des Zwistes nach Bützow verlegten Universität(1789) zur Folge hatte. Der Krieg gegen Frankreich kostete zwar dem Lande schwereOpfer, aber die Grenzen desselben blieben gegen fremde Heere geschützt, bis 1805 einrussischer Heerhaufen und die Schweden unter ihrem König Gustav durch Meck-lenburg nach Hanover zogen. Nach der Schlacht bei Jena gab dieser Durchzugden Franzosen Veranlassung, den Herzog einer Verletzung der Neutralität zu be-schuldigen und sein Land hart zu bedrücken, bis es endlich auf Befehl des Kaisers inBesitz genommen wurde. Der Herzog suchte eine Zuflucht in Altona und kehrteerst nach dem Frieden von Tilsit zurück, der ihm sein Land wiedergab. Er ließnach seinem Beitritte zum Rheinbund die alte landständische Verfassung fortbeste-hen, und seit 1809 wurde mit Erfolg an der Tilgung der Staatsschulden gearbeitet,so.schwer die Lasten waren, welche die französische Übermacht dem Lande auflegte.Als nach der Niederlage der Franzosen in Rußland Preußen sich erhob, war der Herzogder erste deutsche Fürst, der schon im März 1813 von dem Rheinbunde sich lossagte.Er rief sein Volk zu den Waffen und in den ersten Tagen des Mais stießen seineTruppen zu dem Heerhaufen des Grafen von Wattmoden an der Elbe; aber erstder Sieg bei Leipzig befreite das Land von den Feinden. Auf dem Congresse zuWien gehörte der Herzog zu den Fürsten, welche auf die Wiederherstellung der Kai-serwurde drangen und durch ihre entschlossene Wortführung die größern deutschenMachte nöthigten, ihnen die früher verweigerte Theilnahme an den Unterhandlun-Conv.-Lrx. der neuesten Zeit und Literatur. II. 6