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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
80
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80 Franz IV. (Herzog von Modena)

ropas mit der neuen französischen Regierung Verbindungen angeknüpft hatten, ihrdie Anerkennung verweigerte, was in Frankreich nur durch Zeitungsironien erwidertwurde. In den ersten Tagen des Februars 1831 brach der lange vorbereiteteAufstand aus, wahrend zu gleicher Zeit in den päpstlichen Legationen das Volksich erhob. Am 3. Febr. ließ der Herzog das Haus Ciro Menotti's, eines derreichsten Einwohner Modenas, umzingeln und mit Kanonen beschießen, aber dieseEntwickelung seiner Streitkräfte gab ihm so wenig Schutz, daß er am folgendenTage nach Mantua entfloh. In einer Bekanntmachung, die er an demselben Tageerließ, sagte er, die Verschworenen hätten ihn in seinem Schlosse überfallen wollen.In Modena wurde alsbald eine provisorische Regierung eingesetzt, welche mit denneuen Behörden in der Romagna sich in Verbindung setzte, wahrend die Jesuitenam 18. Febr. freiwillig die Stadt verließen. Der Herzog, der sich indeß nach Vi-cenza begeben hatte, protestirte gegen alle Verfügungen der neuen Regierung überseine Güter. Bald nachher reiste er nach Wien, und als er mit dem östreichischenHeerhausen, der zur Unterdrückung des Aufstandes im nördlichen Italien heranrück-te, nach Mantua zurückgekehrt war, erklarte er am 2. Mär; alle Verfügungen der pro-visorischen Negierung für ungültig. Am 9. März besetzten die Oestreicher Modenaund unter ihrem Schutze zog der Herzog wieder ein. (Vgl. Italien.) Es erfolgtenalsbald zahlreiche Verhaftungen, und ein eigner Gerichtshof ward eingesetzt, welcherdie Beschuldigten nach einem 1821 erlassenen Gesetze, doch mit Beachtung der Ver-änderungen, die der Herzog etwa noch anordnen möchte, verurtheilen sollte. Wäh-rend dieses Gericht seine Untersuchungen fortsetzte, erließ der Herzog am 22. Marzeine Verordnung gegen die Juden, welchen er ihr Betragen wahrend des Aufstan-des vorwarf. Alle seit 1795 zu ihrem Vortheil gegebenen Verfügungen wurdenaufgehoben; die Judengemeinden im Herzogthume sollten wie früher 10,000Francs in die Staatscasse zahlen, wieder in Judengassen eingeschlossen werden, einAbzeichen an ihrer Kleidung tragen, und gemeinschaftlich eine Contribution von600,000 Francs erlegen. Als der Gerichtshof im Mai sein Urtheil gesprochenhatte, wurden Menotti und Andere hingerichtet; die gegen 167 Angeklagte ver-hängte Galeerenstrafe aber verwandelte der Herzog in Einsperrung bei den Je-suiten. Der Vorwand einer Theilnahme an der Verschwörung wurde oft zu denempörendsten Erpressungen benutzt. Seitdem waltete der Schrecken in Modena,wahrend der Herzog, von Argwohn und Besorgniß gequält, sein Schloß wie eineFestung besetzte und geheime Kundschafter nach allen Richtungen aussandte. ImSommer 1832 verbreitete die Polizei die Nachricht von der Entdeckung einer Ver-schwörung. Das Volk war ungläubig, und vermuthete nur einen Vorwand zuneuen Erpressungen. Die wachsame Polizei, hieß es, sei längst verruchten Planenaus der Spur gewesen, und habe zu rechter Zeit glückliche Entdeckungen gemacht.Zwei Verbrecher aus der niedrigsten Volksclasse behaupteten, Giuseppe Ricci, einerder reichsten und angesehensten Manner der Hauptstadt, der den Herzog 1831 aufder Flucht nach Mantua begleitet hatte und noch lange nachher dessen Vertrauen zugenießen schien, habe im Februar 1832 mit Andern einen Anschlag auf das Lebendes Herzogs,des Beherrschers dieser vielbeglückten Staaten", und zum Umsturzder bestehenden Regierung gemacht, der am 21. März habe ausgeführt werden sol-len. Obgleich dieser Tag ohne irgend eine Spur von einer Verschwörung vorüber-gegangen war, so wurde doch Ricci mit sechs Andern auf zene unbestimmte, in ih-rem ganzen Zusammenhange unwahrscheinliche Aussage verhaftet und einer peinli-chen Untersuchung unterworfen. Die Polizeibehörde führt in dem merkwürdigen Be-richte (Rstratto rlel processo in materia, <Ii redellione e rneckitato attentsto aliavita ckel sovrsno costrutto contra Oliusezipe Ricci", Modena 1832), worin sie dieRechtswidrigkeit des Verfahrens zu beschönigen sucht, einige angebliche Entdeckun-gen, einseitige Zeugenaussagen und sogar Gerüchte an, und legt nicht wenig Ge»