Franz IV. (Herzog von Modena) 79
Sammlung unter dem Titel: „Glycereon, Sammlung kleiner Erzählungen undRomane" (Schweidnitz 1823). Ihre gelungensten Arbeiten sind aber ohne Zwei-fel ibre zahlreichen lyrischen Gedichte, zarte Ergießungen eines frommen Gemüths,die sich in der Sphäre wahrhaft weiblicher Anschauungen halten und sich in einergebildeten und anmuthigen Form zu bewegen wissen.
Franz IV. (Joseph Karl Ambrosius Stanislaus), Herzog von Mo-dena, geboren am 6. Ott. 1779, ist der Sohn des Erzherzogs Ferdinand von Ost-reich und der einzigen Tochter des Herzogs Hercules III., welcher die Reihe dermännlichen Nachkommen des Hauses Este beschloß und seinem Schwiegersohneseine Ansprüche auf die, von den Franzosen besetzten italienischen Erbländer, wiedas ihm im luneviller Frieden für seinen Verlust gewährte Breisgau überließ.Der Erzherzog Franz, seit 1812 mit Beatrix, der Tochter des Königs VictorEmanuel von Sardinien vermählt, kam 1814 wieder zum Besitz des großväterli-chen Erbes Modena, und als 1829 seine Mutter starb, welche gleichfalls 1814die, von ihrer Mutter stammenden Erbgüter, die Herzogthümer Massa und Car-rara, zurückerhalten hatte, vereinigte er diese Besitzungen mit seinem Gebiete, dasnun einen Flächenraum von 94 Quadratmeilen begreift. Der Herzog nahm denNamen Este an und wurde der Stifter eines neuen Zweiges dieses alten Ge-schlechts. Die Erinnerung an die, durch die Folgen der französischen Revolutionerlittenen Verluste hatte in seiner Familie eine bittere Empfindlichkeit erzeugt, dieauch ihn, als er zur Verwaltung seines Erbstaates gelangte, gegen die Federungender Zeit und die laut erwachten Bedürfnisse eines Volks, für welches die franzö-sische Herrschaft eine lehrreiche Schule gewesen war, taub machte, und es trat da-her das hartnackige Anstreben gegen die fortgeschrittene Zeit nirgends schroffer her-vor als in Modena. Die Wiedereinführung der Jesuiten, die seit 1814 die Lei-tung des Jugendunterrichts erhielten, eröffnete die Aussicht auf eine Reihe ver-derblicher Reactionsmaßregeln, welche zwischen derselben und der strengen Eensur-ordnung von 1828 lagen, die einen weltlichen und geistlichen Censurstempel ein-führte. Der Herzog leitete seit 1821 die geheime Polizei in Italien und wußtein seinem Lande durch Willkür, Gewissenszwang, Mönchthum und Inquisitionjeden geistigen Aufschwung niederzuhalten. Alle wohlthätigen Anstalten, welchedas Land als einen Theil des Königreichs Italien erhalten hatte, wurden aufgeho-ben, und durch die wieder erweckten rohen Einrichtungen der Vorzeit verdrängt.Der Gedanke, die durch verwandte Nationalitat verbundenen Länder des nördlichenItaliens zu einem Staate zu bilden, war durch die Vereinigung unter der franzö-sischen Herrschaft vorbereitet worden, und beschäftigte um so lebhafter die Gemü-ther der Gebildeten unter dem Volke, je weniger die neue Gestaltung Italiens seit1815 sie befriedigt, und je mehr die Vereitelung fast aller den Italienern gemachtenHoffnungen sie erbittert hatte. Ihre Hoffnungen und ihre Entwürfe wurden ingeheimen Verbindungen gepflegt, die durch ganz Italien verzweigt waren, und un-ter allen Standen und Behörden auf Anhänger rechnen konnten. In Modenawie im Gebiete der päpstlichen Legationen hatten sie ihren Hauptsitz. Als derHerzog 1827 allen Mitgliedern geheimer Gesellschaften, die freiwillig ihre Teil-nahme an denselben entdecken würden, Verzeihung zugesichert hatte, legten 29 Per-sonen, unter ihnen selbst ein Hauptmann seiner Leibwache, das Geständniß ihrerMitgliedschaft ab, und erhielten Begnadigung; aber bald nachher wurden 60 anderedes Carbonarismus Verdächtige verhaftet, von welchen vier das Todesurtheil empfin-gen. Während der Herzog, strenger als selbst die östreichische Regierung, sie ver-föchte, verschlossen die heimlichen Carbonari ihren Groll. Schon 1829 wurden ein-zelne Stimmen laut. Die Ereignisse des Entscheidungsjahres 1830 erhöhtendie Aufregung des durch ha-rten Druck gereizten Volks. Der Herzog von Mo-dena zeigte seine Gesinnungen unverholen, da er, als bereits die ersten Machte Eu-