Frankreich seit dem Jahre 1829
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ten Jahrgehalte, die Abfetzung der feindlich gegen die Revolution gesinnten Be-amten u. f. w.
Um diese Zeit sollen Abgeordnete der Misvergnügten aus dem Westen undSüden in Paris eingetroffen sein, um mit dem „Gallischen Bunde", einem Ge-mische von Republikanern und Bonapartiften, dem sich auch Karlisten näherten,Verabredungen zu nehmen. Die Polizei kam einer Verschwörung, die am 25.Mai in mehren Theilen Frankreichs und in Paris ausbrechen sollte, auf dieSpur. Sie ward vereitelt. Bald darauf aber gab das feierliche Begräbniß desGenerals Lamarque am 5. Jun. eine günstige Gelegenheit zum Ausbruche einesoffenen Kampfes, in welchem die heftigste Partei, die der Republikaner, verstärktdurch die Gesellschaft der Sectionnairs oder der Arbeiter und Vorstadter, nacheinem hartnackigen Widerstande der doppelten Macht der Regierung, die sich aufdas Militair und die Bürgergarden stützte, gänzlich unterlag.
Die Misvergnügten rechneten an diesem Tage, der eine ungeheure Volks-masse versammelte, auf die leichte Erregung derselben. Sie wußten, daß die Artil-lerie der pariser Nationalgarde unzufrieden war, und glaubten des Beistandes derrepublikanisch gesinnten, sehr aufgeregten studirenden Jugend, der Polytechnikerund der Zöglinge von Alfort, nebst den Gehülfen der zahlreichen Buchdrucke-reien gewiß zu sein. In dem großen Auge befanden sich auch die Volksfreunde, de-ren Zahl man auf mehre Hunderte angab. Die erste Veranlassung zu dem Auf-stände gab der Herzog von Fitz-James, welcher, als der Zug mit dem Sarge vor-beiging, den Hut nicht abnahm, sowie die Verhaftung eines Menschen, welcher dieRepublik ausrief. Man befreite ihn mit Gewalt. Auch ein Mensch, der einerothe Mütze auf einer Stange an den Sarg stellen wollte, gab zu einem Kampfemit den Stadtsergeanten Anlaß. Darauf nöthigte man das Trauergefolge, mitdem Leichenwagen einen Umweg um die Siegessaule Napoleons zu machen. End-lich rief man: Nach dem Pantheon! Zugleich verbreitete sich in den Volksmassendas allgemeine Geschrei: Keine Bourbons mehr! Es lebe die Republik! DiesenRufsollen zuerst die Polytechniker erhoben haben. Nach dem ,/^emps" riefen sie:Es lebe die Freiheit! Man hatte sie nämlich am Morgen eingeschlossen; allein siesprengten die Thüre, und ungefähr 200 eilten zu dem Trauerzuge. Nun entstandein regelloser Kampf; einige Posten der Nationalgarden wurden entwaffnet, undbald schrie das Volk in Paris und den Vorstädten: Zu den Waffen! Zu denBarrikaden! Denn es hatten sich die Bewohner der Vorstadt St.-Antoine schon imLaufe des Tages verschanzt. Jetzt, um 5 Uhr Nachmittags drangen Dragonerab-theilungen in die tobenden Haufen ein. Sie wurden mit Pistolenschüssen empfan-gen *) und zurückgedrängt, sodaß die Aufrührer sich eines Pulvermagazins und ei-niger Tausend Flinten bemächtigen konnten. Neue Barrikaden wurden aufgerich-tet, das Pflaster aufgerissen, die Laternen zerschlagen u. s. w. Man schlug sichmit Erbitterung auf den Boulevards und in mehren Straßen bis in die Vorstädte
*) Diese Thatsache, daß aus dem Haufen zuerst auf die Dragoner geschossen wor-den, konnte jedoch gerichtlich nicht erwiesen werden. Auf die Frage, von wel-cher Seite der Angriff ausgegangen, antwortete Gen. Lafayette: Er wisse es nicht.Dagegen hat der Generallieutenant Pajol, Pair von Frankreich und Commandantder ersten Militairdivision, im „Noniteur" vom 8. Sept. die Angabe einiger Jour-nale in Betreff seiner Aussage, als Zeuge in der Sache des „Kativnal" vor demAssisenhofe zu Paris, dahin berichtigt, er habe auf die Frage des Präsidenten desGerichtshofes, ob er sich eines von ihm an den Kriegsminister am 5. Jun. 6 UhrAbends eingeschickten Berichts noch erinnere, erklart, es sei ihm zwar, da er keineAbschrift von diesem Berichte habe, nicht möglich, sich seines Inhalts genau zu er-innern; allein er wisse, daß ein Bericht ausdrücklich gemeldet habe, die Dragonerund die Municipalgarde hätten den Angriff erst dann gemacht (avaiend ctwrgs) alssie ihrer eignen Vertheidigung wegen sich dazu genöthigt gesehen hätten, indem siemit Flinten- und Pistolenschüssen angegriffen (sssMis) worden wären.