72 Frankreich seit dem Jahre 1829
sie aber gegen fremde Einmischung beschützen, und bloß als Schiedsrichter eintre-ten, wenn man durch den Willen aller Parteien dazu berufen werde.
Wenn dieses merkwürdige Schreiben durch seine theoretische Form die ver-schiedenen Meinungen Frankreichs auf bestimmte und einfache Satze zurückführte,so konnte bald nachher in praktischer Hinsicht weit folgenreicher werden ein öffent-licher Schritt des größten Theils der Deputirten von der Opposition, durch wel-chen sie dem Ministerium die Mehrheit der Stimmen in der bevorstehenden Ver-sammlung der Kammern von 1832 zu entziehen sich bestrebte. Am 22. Miversammelten sich 39 in Paris anwesende Deputirte von der Opposition beiLafsitte, um die politischen Ereignisse seit dem Schlüsse derKammern und die ernsteLage, worin sich das Land befinde, in Erwägung zu ziehen. Als vorläufige Maß-regel zu dem weiterhin zu befolgenden Verfahren beschloß man eine Rechtfertigungdes Verhaltens dieser Partei wahrend der ganzen Sitzung dem Publicum vorzu-legen. Dieses rencku ü »c»s commettans" ward von einer Com-mission aus ihrer Mitte, die aus Odilon-Barrot, Mauguin, General Lafayette,Lafsitte, Cormenin und Charles Comte bestand, verfaßt, und am 28. Mai demVereine von Odilon-Barrot vorgetragen. Die Stelle darin, wo gesagt war,daß die gegenwartige Regierungsform jede nur mögliche Entwicklung der Freiheitzulasse, daß man sich um den Thron und die Charte, die Grundfesten der neuen ge-sellschaftlichen Ordnung, fest vereinigen müsse, wurde nach einer lebhaften Erörte-rung gestrichen, und hierauf der von 41 Deputirten unterzeichnete Bericht bekanntgemacht. Außerdem hatte dieser Verein noch beschlossen, der Einladung zu einerDeputirtenversammlung, die wegen Errichtung eines Denkmals zu Ehren Pe'rier'sgehalten werdend sollte, nicht Folge zu leisten, weil die Ministerialpartei dadurcheine Billigung des Systems vom 13. Marz zu erlangen beabsichtige; ferner ver-standigte man sich über die Unterstützung der Oppositions-Candidaten bei denWahlen; den vorgeschlagenen Beitritt der Opposition in ihrer Gesammheit zu denNationalassociationen hielt man aber jetzt wenigstens noch nicht für rathsam. Injenem Berichte, der eine Kritik des Systems vom 13. Marz enthielt, sagten dieDeputirten am Schlüsse: „Wenn dieses System fortdauert, so sind die Julius-revolution und Frankreich ihren Feinden überliefert." Unter den ersten Unterzeich-nern waren die Deputirten: Allier, Audry de Puyraveau, Arago, Bacot, Ba-voux, Bernard, Blaque-Belair, Marquis von Bryas, Cabet, Comte, Corcelles,Cocdier, Cormenin, Garnier-Pages, Girardin, Laboissiere, General Lafayet-te, Jacques Lafsitte, General Lafsitte, General Lamarque (sterbend), Larabit,Marchal, Mauguin, Odilon-Barrot, Portalis, General Thiars, de Tracy. Nach-traglich schlössen sich an: Marschall Clauzel, General Subervic, Graf Las Casesder Vater, und nach und nach mehre, sodaß im August 1832 die Gesammtzahl derunterzeichneten Deputirten bis auf 140 gestiegen war. Die Journale äußertensich über diesen Act der Opposition sehr verschieden, jedes nach seiner Farbe. Das„lourual ckes ckebats" erklärte den Deputirtenverein für ungesetzlich und verfas-sungswidrig. Der Bericht desselben sei nichts als der Inbegriff der Reden, womit dieOpposition während der letzten Sitzung die kostbare Zeit der Kammern vergeudethabe. Der „l'emps" bedauerte, daß der angenommene Bericht nicht derselbe sei,den man zuerst aufgesetzt habe. Allerdings traf dieser Schritt der Opposition ge-rade mit Umständen zusammen, die ihre Beschwerden wenigstens in einem nichtunwesentlichen Stücke zu rechtfertigen schienen. Denn Montalivet, der Mini-ster des Innern, hatte ein Rundschreiben an die Präfecten erlassen, welches dievon der Opposition vorgeschlagenen, von dem Ministerium aber bisher zurück-gewiesenen Maßregeln nunmehr selbst anordnete; z.B. die Erklärung der insur-girten Departemente in Belagerungszustand; die Benutzung der Nalionalgardein Gemeinschaft mit den Truppen, die Suspension der den Chouans ausgesetz-