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Frankreich seit dem Jahre 1829
hatte eine neue Organisation der Pairie verlangt. Diese lautete im Entwurf?so: „Die Ernennung der Mitglieder der Pairskammer steht dem Könige zu; jh^Zahl ist unbeschränkt; die Pairswürde wird auf Lebenszeit verliehen; sie kannnicht durch Erbrecht übertragen werden; dieser Artikel kann in Zukunft einer aber-maligen Prüfung, ob er noch beizubehalten sei, unterworfen werden." Ungeachtetmancher Zweifel, ob die Kammer auch die constituirende Gewalt habe, ward die-ses Gesetz, welches die Charte ergänzte, dennoch am 18. Oct. mit 386 Stimmengegen 40 von der Deputirtenkammer, und am 2?. Dec. von der Pairskammer mit103 gegen 70 Stimmen angenommen. Noch ehe diese wichtige Verhandlung inder Pairskammer begann, hatte der König durch die Ordonnanz vom 19. Nov. 183136 neue Pairs auf Lebenszeit ernannt, auch den General Grouchy zum Ehren-marschall und den Admiral Truguet zum Ehrenadmiral erhoben. Vergebens suchtedie Opposition diese Ernennung als eine Anmaßung darzustellen und das Mini-sterium deshalb zur Verantwortung zu ziehen. Jetzt ist der König, nach dem or-ganischen Gesetz über die Pairie, bei Ernennung neuer Pairs an gewisse Notabili-täten, aus denen er sie wählen soll, gebunden; doch kann die Befähigung, zu die-ser Würde zu gelangen, durch ein neues Gesetz anders bestimmt werden. Übrigensist künftig kein Gehalt, keine Pension und keine Dotation an die nunmehr bloßlebenslängliche Pairswürde geknüpft. (S. Pairi e.)
Der unverholen ausgesprochene Wunsch des Ministerpräsidenten, daß dieLegislatur, seinen: Antrag entgegen, die Erblichkeit der Pairie aufrecht erhaltenmöchte, hatte das Mistrauen gegen die Regierung nur vermehrt. Man traute ihrnicht den Willen zu, die Grundsätze der Juliusrevolution vollständig zu entwickelnund anzuwenden. Sie strebe, sagte man, nach Stabilität, wo nicht nach der Re-stauration, und Mauguin sprach diesen Vorwurf laut aus. Als er aber auf eineförmliche Untersuchung des Betragens der Minister antrug, so ging die Kammer— nach dem (mit 221 Stimmen gegen 136 genehmigten) Vorschlage Gan-nerin's —, „befriedigt durch die von den Ministern gegebene Auskunft, sich aufihre Sorge für die äußere Würde Frankreichs verlassend", zur Tagesordnung über.Während der lebhasten Erörterung dieses und anderer Entwürfe fanden mehreStraßentumulte statt. Die Nationalgarde und die Truppen stellten jedoch balddie Ruhe wieder her. Ernstlicher waren die Unruhen, hauptsächlich durch den Fallvon Warschau veranlaßt, zu Brest, Grenoble, Lyon, Metz, Ast, Angers, Per-pignan, Marseille, Toulouse u. a. a. O. Strasburg erhob sich gegen die hohenPreise der Lebensmittel, gegen die Mauth und die Monopole, mit solcher Gewalt,daß die Nationalgarde nichts lhat, die Soldaten auf die Bürger nicht schießen woll-ten, und derPräfect nachgeben, d.h. das Abgabengesetz verändern mußte. DieStadt ward daher in Belagerungszustand erklärt, der Präfect abgesetzt und dasGesetz hergestellt. Mit gleicher Festigkeit hielt Perier überall, wo Empörung auf-loderte, die Ordnung aufrecht. Nur die Vendee konnte nicht beruhigt werden.Kleine Banden trotzten überall, durch die Beschaffenheit des Bodens begünstigt,den Behörden und den Gesetzen. Die Regierung rief den General Lamarque abund schickte Andere hin, die aber, unter sich uneins, bald wieder wechselten. Da dieRegierung nicht, wie die Opposition verlangte, Ausnahmegesetze für die Vendeegeben wollte, so dauerte der kleine Krieg mit den herumstreifenden Banden, odermit der Chouanerie, ohne entscheidende Ereignisse fort. Noch gefährlicher war derAufstand der armen Seidenarbeiter (Canuts) in Lyon am 21. Nov. gegen denvom Präfecten im October mit Zuziehung von Fabrikanten entworfenen Tarif desArbeitslohns. Schwarze Fahnen voran und mit dem Geschrei: „Vivre eu trn-vuillaut, ou mourir en cttmdutwnt!" bemächtigten sie sich an: 23. der Stadt,stellten jedoch unter sich die Ordnung her, und wiesen alle politischen Factionen, na-mentlich die Karlisten, von sich. Als hierauf 20,000 Mann Truppen und 6000
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