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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
61
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Frankreich seit dem Jahre 1829

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Consiscation und wichtige Vebesserungen in der Civil- und Justizverwaltung wä-ren dem Kirchenstaate zugesichert worden. In Ansehung Polens gedachte er einerVermittelung der großen Machte, um den Polen ihre Nationalität zu sichern.Diese Rede machte einen günstigen Eindruck. Zunächst beschäftigte nun die Pa-riser und Frankreich die von der Regierung sehr zweckmäßig angeordnete, würdigeJahresfeier der drei Juliustage. (S. den Schluß des Art. Juliusrevolu-tion.)

Der Vorsitz in der Wahlkammer war Lafft'tte bestimmt; nur durch eineStimme erhielt ein der Krone angenehmer Candidat, Girod de l'Ain, die Mehr-heit, unter welcher die Stimmen von drei Ministem, die zugleich Deputirte waren,sich befanden. Vor einer solchen Opposition glaubte das Ministerium zurücktretenzu müssen; Pe'rier, Sebastian! und Montalivet baten daher, ohne die Antwortadresseder Kammer auf die Thronrede abwarten zu wollen, den König um ihre Entlassung:da kam die Nachricht, daß der König der Niederlande (am 2. Aug.) Belgien an-gegriffen habe. König Leopold rief den Beistand der Conferenzmächte und zunächstden von Frankreich an. In einem solchen Augenblicke wagte die Opposition selbstnicht, die Regierung in Verlegenheit zu setzen. Das Ministerium blieb, und derschleunige Marsch der Nordarmee unter Marschall Gerard, mit welchem die beidenSöhne des Königs, der Herzog von Orleans und der Herzog von Nemours, nachBelgien zogen, gewann ihm die Mehrheit in der Kammer. Diese sprach sich beider Wahl der Commissaricn, welche jene Adresse abfassen sollten, sowie bei derBeschlußnahme am 16. Aug. (mit 282 unter 355 Stimmen) aus. Etiennehatte sie im Sinne des Systems vom 13. Marz abgefaßt; sie gedachte mit Bei-fall der Belgien zugesandten Hülfe und mit Nachdruck Polens. Vergebens hattedie Opposition mit großer Heftigkeit gegen das ganze System der Regierung ange-kämpft; zuletzt noch erhob sich ein gewaltiger Streit über das in Bezug auf Polengewählte Wort assurunce statt certitulle, und die Stelle in der Adresse lauteteendlich so: „In den rührenden Worten Ew. Majestät über das Unglück Polensfindet die Kammer eine ihr theure Zusicherung (statt Gewißheit), daß die polnischeNationalität nicht untergehen werde." Der Minister-Präsident hatte sich dasVertrauen der Mehrheit durch seine an dem Tage, an welchem das französischeHeer die belgische Grenze überschritt, an dem Jahrstage der Thronbesteigung Lud-wig Philipps, am 9. Aug. gehaltene Rede erworben, in welcher er das ganzepolitische System der Regierung darlegte, dessen Hauptgegenstände hieraufThiers in einem längern Vortrage gründlich entwickelte. Perier's politisches Glau-bensbekenntnis; schloß mit den Worten: Die Charte und der Friede!Diese Worte waren der Ausdruck der beiden Systeme der innern Verwaltung undder äußern Politik; der Inbegriff der wahren Meinung Frankreichs und seinerInteressen. Selbst Marschall Clauzel mußte dem Kriegsminister in Bezugaus die Kriegsfrage gestehen: „Nein, zu einem Kriege gegen ganz Europa sindwir nicht stark genug!" In gleichem Sinne suchte Guizot in einerglänzendenRede zu beweisen, daß von dem innern Zustande Frankreichs die Ruhe EuropasabHange.

Während dieses Wortkampfs war der kurze Feldzug in Belgien, dessen Er-öffnung 2,400,600 Francs gekostet hatte, geendigt. Der König von Holland zogsein Heer am 14. Aug. zurück und, dem Verlangen der Conferenz zufolge, mußteBelgien auch von dem französischen Hülssheere gänzlich geräumt werden. Diesgeschah am 26. Sept. 1831.

Bald darauf legte Perier den Gesetzentwurf über die künftige Stellung derPairs der Deputirtenkammer mit der merkwürdigen Erklärung vor, daß, wiesehr er auch die Erhaltung der Erblichkeit für nothwendig halte, er dennoch ein-sehe, die öffentliche Meinung sei allgemein dagegen. Schon der Art. 23 der Charte