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Frankreich seit dem Jahre 1829
bis jetzt sich Niemand so offen für den Frieden erklart hat als ich. Allein jetzt binich überzeugt, daß man, um die Gefahren, welche Frankreich bedrohen, abzu-wenden, ohne Verzug, und ehe noch Ostreich seine Rüstungen vollendet, dieInitiative des Kriegs ergreisen und eine Armee nach Piemont werfen muß".Diese wichtige Depesche kam am 5. Marz im Ministerium des Auswärtigenan. Sebastian! schickte sogleich eine Abschrist davon an den König, und gleichwolhatte noch am 7. der Ministerrath keine Mittheilung darüber erhalten. Laffitteselbst erfuhr nichts davon, als erst durch eine in den Bureaux des Hotels des Mi-nisters der auswärtigen Angelegenheiten vorgefallene Indiscretion. Er begab sichsogleich zum König und fragte ihn, ob er von einer aus Wien seit drei Tagen an-gekommenen Depesche Kenntniß habe. Der König antwortete Ja, und daLaffitte sein Erstaunen äußerte, so erklärte der König das Geschehene durch dieNotwendigkeit, sich gegen die Indiskretionen, die bisweilen im Conseil vorfielen, inAcht nehmen zu müssen. Indem trat der Kriegsminister ein. Laffitte richtete anihn dieselbe Frage, und der Marschall, welcher ebenso wenig von der Sache etwaswußte, äußerte den lebhaftesten Unwillen über Sebastian!. Endlich kam auchdieser dazu; der Präsident setzte ihn zur Rede, und verlegen antwortete er, der Briefdes Marschalls Maison sei von keiner großen Wichtigkeit, und er habe nicht die Zeitgehabt, ihn seinen Collegen mitzutheilen. Endlich wurde die Depesche herbeigeholt.Von diesem Augenblick an beschloß Laffitte sich zurückzuziehen, und empfahlCasimir Perier zu seinem Nachfolger. Der König suchte ihn zwar zurückzuhalten;da aber Laffitte's System mit dem des Königs nicht mehr übereinstimmte, und imConseil am 1j. seine Collegen sich nicht für sein System erklärten, GrafMonta-livet sogar offen gestand, er könne eher mit den Grundsätzen Casimir Perier'ssich vereinigen als mit denen Laffitte's, so erklärte der Präsident die Sitzungfür aufgehoben und reichte am 12. sein Entlassungsgesuch ein. Der Königwar Perier wegen seines herrischen Tons und aus andern Gründen nicht sehrgeneigt, indeß entschloß er sich doch am 13. März 1831, diesen strengen,höchst reizbaren, aber einsichtsvollen und charakterfesten Mann an die Spitzedes Ministeriums zu stellen. Perier erhielt zugleich das Ministerium des In-nern; Baron Louis wurde Finanzminister; Barthe Großsiegelbewahrer, Iu-stizminister und Präsident des Staatsraths"); Graf von Montalivet Mi-nister des Cultus und des öffentlichen Unterrichts; Graf von Argout Ministerdes Handels und der öffentlichen Arbeiten; Viceadmiral de Rigny See- undColonialminister; Marschall Soult blieb Kriegsminister, und Graf Sebastian!behielt die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten. Der Graf von St.-Aulaireerhielt den wichtigen Gesandtschaftsposten in Rom. — Perier entwickelte nunmit großer Kraft und behauptete mit eiserner Beharrlichkeit den Regierungs-plan, welchen Ludwig Philipp noch jetzt (Sept. 1832) aus eigner Überzeugung,als den seinigen, befolgt, und den man das „System vom 13. März" nennt. Esgalt die Befestigung der Monarchie, die Erhaltung des Friedens, die Unterdrückungder verschiedenen Parteien, mit einem Worte: Widerstand gegen die Oppositionder Bewegung. Diese bildete dagegen zuerst in Lothringen (Metz), dann in Parisu. s. w. Nationalassociationen, wodurch sie den Staat gleichsam gegen den Staatzu verthcidigen die Absicht hatte. Sie wollte sogar auf eigne Kosten Legionen an-werben. Nur durch Strenge, Absetzung der Beamten, die etwa Theil nahmenu.s. w., gelang es dem Minister, die weitere Ausbreitung einer so gefährlichen,
Mi».
*) Das „lourn-i! 6ez thcilte einige Tage später den Schluß jener Depe-
sche mit, wodurch die Kriegspartei sehr aufgeregt wurde.
") Barthe eröffnete sein Ministerium mit der Verfügung, daß die kürzlich be-schlossene Öffentlichkeit der Sitzungen des Staatsraths gewissen Beschränkungenunterworfen sein solle.