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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
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Frankreich seit dem Jahre 1829

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Parteien benutzt, um mehr Boden zu gewinnen. Sie benutzten in der Car-nevalszeit den Todestag des Herzogs von Berri (den 14. Febr.) zu einemVersuche, um eine in mehren Theilen Frankreichs zugleich beabsichtigte Jnsurrec-tion zu Gunsten der gestürzten Dynastie zu veranlassen. Zu Paris veranstaltetensie in der Kirche St.-Germain l'Auxcrrois einen Trauergottesdienst, und am Endedesselben legte ein Zögling der Schule von St.-Cyr auf den Katafalk, an dessenEcken man vier weiße Fahnen befestigte, ein Bildniß des Herzogs von Bordeaux,welches man mit Immortellen kränzte. Dagegen protesticte ein Anwesender; esentstand Streit und zuletzt ein furchtbarer Straßenaufruhr. Die Natioualgardemußte weichen. Am folgenden Tage (15. Febr.) zerstörte das Volk jene vormaligeHofkirche, ein schönes Denkmal der Baukunst; es zerstörte den Palast des Erz-bischofs und seinen Landsitz zu Conflans; es riß die Kreuze und Lilien herab oderzwang die Behörden, sie abzunehmen; es bedrohte die Deputirten, namentlichDupin; auch der Triumphbogen des spanischen Feldzugs 1823 wurde einge-rissen, und der König selbst bewogen, sein Familienwappen mit den Lilien zuandern. Nun verschwanden von allen öffentlichen Gebäuden und durch die Ordon-nanz vom 15. Febr. auch aus dem Staatssi'egel die Lilien. Das Staatsstegel ent-hält jetzt ein offenes Buch mit den Worten: Charte von 1830, darüber die ge-schlossene Krone mit Scepter und Hand der Gerechtigkeit. Hinter dem Wappen-Schilde wehen dreifarbige Fahnen; unter demselben steht: Ludwig Philipp I.König der Franzosen. Auch dieser, mit großen Verwüstungen und Entfchäbigungs-ausgaben für die Stadt Paris verbundene Tumult veranlaßte heftige Erörterun-gen in der Kammer über die Schuld und Nachlässigkeit der Behörden, wolche sichjedoch rechtfertigten. Dessenungeachtet gab es im März neue Unruhen. Am12. wurde das Pantheon erbrochen, und ein Haufe durchzog mit einer dreif arbigenFahne die Straßen unter dem Geschrei: „Krieg den Östreichern, den Russen! Esleben die Polen!" Unter diesen Umständen wechselten oft die wichtigen Verwal-tungsstellen der Polizeipräfectur und der Präfectur des Seinedepartements. Auchmußten bei den ungeheuer» Verlusten in Folge der Juliusrevolution und der vie-len Aufläufe, nicht nur angesehene Kaufleute, Manufacturisten und Banquiers,darunter selbst der Cabinetsprästdent Laffitte, der kaum vom Bankrutte geret-tet werden konnte und sein Geschäft aufgab, und Ternaux, mit beträchtlichenSummen vom Staate, zum Theil vorschußweise, unterstützt, sondern auch derStadt Paris mehrmals ein Anlehen, zusammen über 40 Mill. Francs, gestat-tet werden, um ihre Ausgaben zu bestreiten; dies hatte wiederum zuletzt noch imAug. 1832 eine bedeutende, aber unvermeidliche Erhöhung der Eingangsgebührenvon allen Verbrauchsgegenständen zur Folge, was nothwendig auf die üble Stim-mung der Bevölkerung zurückwirkte.

Wenige Wochen nach dem Tumulte vom 14. und 15. Febr. nahm Laffitte,der seinem schwierigen Posten überhaupt nicht gewachsen war, seine Entlassungaus dem Ministerium. Sarrans, Lafayette's gewesener Secretair, erzählt dieVeranlassung auf folgende Art: „Laffitte argwohnte längst, daß eine geheimeCorrespondenz zwischen dem Palais Royal und den auswärtigen Gesandtschaftenstattfände, ja daß man äußerst wichtige Depeschen, deren Resultate ihm eineschwere Verantwortlichkeit zuziehen konnten, der Kenntnisnahme des Conseilsvorenthielte. Endlich bestätigte folgendes Ereignis seine Vermuthung. EineDepesche des Marschalls Maison war von Wien beim Grafen Sebastian! einge-troffen, worin der Botschafter seiner Regierung anzeigte, Fürst Metternich habegegen ihn erklärt, daß Ostreich, indem es den Grundsatz der Nichteinmischungnicht anerkenne, entschlossen sei, nicht allein in Parma und Modena, sondern inallen Provinzen Italiens, wohin sich die Jnsurrection ausbreite, mit bewaffneterMacht einzuschreiten. Die Depesche schloß mit den Worten: „Sie wissen, daß