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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
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Frankreich seit dem Jahre 1829

die Regierung nehmen werde. An Dupont's Stelle wurde am 37. Dec. 1830Me'rilhou zum Großsiegelbewahrer, und Barths, bisher Präsident des pariserköniglichen Gerichtshofes, an dessen Stelle zum Minister des Cultus und desUnterrichts ernannt. Die Negierung beschloß jetzt, die Artillerie der National-garde von Paris, weil sie erklart hatte, daß sie nicht auf das pariser Volk feuernwürde, aufzulösen (Ordonnanz vom 1. Jan. 1831) und neu zu organisiren; alleinsie bewirkte dadurch neue Unzufriedenheit, welche in den Juniustagen 1833 sichkund gab. Der heftigste Kampf der beiden Systeme entbrannte in der Deputirten-kammer, wo jede parlamentarische Frage in die Wirbel der Bewegung gezogenwurde. Die Redner der Bewegung: der geistvolle und kenntnißreiche Odilon-Barrot, Prafect des Seinedepartemcnts und Staatsrath (jene Stelle verlor er,diese gab er auf); der beredte General Lamarque; der kühne Advokat Mauguinu. A. — konnten aber nur wenige Mitglieder des Centrums mit sich fortreißen; da-her schlössen sich zuletzt die beiden äußersten Seiten an einander an, um eine festereund stärkere Opposition zu bilden, zu welcher denn auch der erste Redner auf derrechten Seite, der Advokat Berryer, ein Karlist, gehörte.

Seit Mauguin am Ende Jan. 1831 die Politik des Ministeriums in An-sehung der belgischen und der polnischen Sache angriff, kämpften nun in den Kam-mern wie in den Journalen mit einander die Kriegs- und die Friedenspartei.Gleichzeitig entspann sich der Streit über die Beschränkung oder die Ausdehnungdes demokratischen Princips der Juliusrevolution in der Anwendung desselben aufdas Municipalgesctz und auf das neue Wahlgesetz, dessen Entwurf Lafsitte schonam 30. Dec. 1830 der Kammer vorgelegt hatte, sowie auf die Feststellung desBudget. In allen diesen Fragen erklärten sich jedoch das Centrum und die Mehr-heit der Kammern für das von der Regierung festgehaltene System der sogenann-ten Mitte. Frankreich rüstete sich zum Krieg, um mit Würde den Frieden aufder Grundlage der bestehenden Verträge von 1814 und 1815 aufrecht zu erhalten.Das neue Wahlgesetz erweiterte das Wahlrecht der Franzosen, indem die Herab-setzung des Wahlcensus auf 300 Francs die Zahl der Wähler von 80,000 auf300,000, wovon auf Paris allein 35,000 kommen*), und die Herabsetzung desCcnsus der Wahlfähigen auf 500 Fr. directe Abgaben, die Zahl derselben von8000 auf 34,000 erhöhte; allein die Losung der Opposition sowol als der„0lu--ette" war und blieb dennoch das „allgemeine Votum". Hinsichtlich der auswär-tigen Politik erklärte Sebastian! vor der Deputirtenkammer: jene Tractate auf-heben wollen, führe den Krieg mit ganz Europa herbei; die Armee aber und dasgesammte Kriegswesen seien durch die Schuld der vorigen Regierung in einen Zu-stand der Schwäche versunken, der keinen Krieg gestattet haben würde. Gc'rardund Soult hätten zwar dieses Übel beseitigt; allein um Polen beizustehen, müsseman zuvor die vorliegenden Staaten erobern. Frankreich könne also durch Waffen-gewalt nichts für Polen thun. Habe Ut französische Regierung, erklärte Se-bastiani ferner in der Pairskammer, den Grundsatz der Unabhängigkeit aller Völ-ker anerkannt, so sei sie darum nicht verbunden, den Insurgenten beizustehen, son-dern sie habe sich nur Dem widersetzt, daß andere Mächte sich nicht in die Verhand-lungen zwischen Völker und Regierungen einmischten. Eine Vereinigung Bel-giens mit Frankreich aber würde England und Europa zum Kriege Herausfodern,und die Welt kehre zum Chaos zurück. Der König lehnte daher die von dembelgischen Nationalcongresse seinem zweiten Sohne, dem Herzog von Nemours,angebotene Krone ab (17. Febr. 1831), wofür ihm die Pairskammer, auf denAntrag des Marschalls Jourdan, ihren Dank abstattete.

Die Karlisten hatten indeß die allgemeine Unlust und die Erbitterung der

*) Durch eine später von der Opposition durchgesetzte Veränderung im Wahlgesetzeerhielt Frankreich wieder etwa S6,000 Wähler mehr.