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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
54
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54 Frankreich seit dem Jahre 1829

schwinden sollten. Bald nachher trat der Marschall Gcrard eines Augenübels we-gen aus dem Ministerium, und Marschall Maison ward zum Botschafter in Wienernannt; daher übergab der König am 18. Nov. dem Pair und Marschall Soult,Herzog von Dalmatien, das Kriegsministerium, dem Pair und Grafen Seba-stian! das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, und ernannte an dessenStelle den Pair Grafen d'Argout zum Minister des Seewesens. — Um dieseZeit hatten die am 22. Nov. von Belgien erklärte Ausschließung des HausesOranien, die am 29. Nov. in Warschau ausgebrochene Jnsurrection und die gleich-zeitigen Volksbewegungen in Deutschland eine große Spannung in den europai-schen Staatsvechältnissen hervorgebracht und bedeutende Rüstungen veranlaßt.Auch Frankreich rüstete sich auf den Fall eines Kriegs wegen Belgien, anfangs nurin der Absicht, um den Grundsatz der Nichtintervention zu behaupten. Darumwurde Soult an die Spitze des Heerwesens gestellt. Drei Heere sollten zu Lille,Metz und Strasburg im Lager stehen, ein viertes unter Gerard sich an der Mosel,ein fünftes sich an den Pyrenäen versammeln. Im Sinne des kriegerischen En-thusiasmus der Nation erklärte Laffitte drohend in der Deputirtenkammer: Eng-land und Frankreich wären enger verknüpft, und beide Nationen bereit, für denFrieden und die Freiheit in Europa zu wirken. Frankreich werde den Frieden unter-handeln, aber an der Spitze von 1,500,000 Mann, doch sei die Erhaltung desFriedens nach seiner Überzeugung viel wahrscheinlicher als der Krieg; aber dieNichteinmischung in fremde Angelegenheiten müsse fest beobachtet werden. VonRußland, das der Aufstand in Polen beschäftigte, war kein Angriff zu erwarten.Dort stellte der Herzog von Mortemart als Botschafter die Verbindung her; später,nach Warschaus Falle und der Aufhebung der polnischen Verfassung, trat er imFebr. 1832 in den Privatftand zurück. Als Botschafter folgte ihm der MarschallMortier, Herzog von Treviso. Allein eS ereignete sich in Frankreich und in Bel-gien Vieles, was fortwährend eine gewisse Spannung unterhielt.

Im Innern war der Friede unsicherer als je. Die Karlisten sprachen laut ihre Ver-achtung gegen die neue Ordnung aus und den Glauben, daß sie nicht Bestand habenwerde. Die jungen Leute in Paris sahen sich in manchen Erwartungen getauscht undergriffen mit stürmischer Begeisterung das Ideal einer Republik. Die Arbeiter, welchekein Brot hatten, rotteten sich zusammen und ließen sich von jenen Schwärmern zuAufständen verleiten. Es gab daher fortwährend Processi wegen politischer Ver-gehen. Unter den Preßprocessen war der des Expairs, Grafen Florian de Kergor-lay, merkwürdig. Dieser sechzigjährige Mann hatte den Eid in der Pairskammerverweigert und war aus derselben getreten. Hierauf ließ er seinen Brief vom 23.Sept. 1830 an die Pairskammer, worin er unter Anderm sagte, daß er dem Mis-brauche der materiellen Gewalt weiche, in der „Huotiäienne" vom 25. und in der„(Z-nette de krance" vom 27. Sept. abdrucken. Weil diese Veröffentlichungnach dem Gesetze vom 17. Mai 1819 als ein Angriff auf die constitutionnelle Ge-walt des Königs angesehen wurde, so ward ihm vor dem Pairshofe, als Geschwor-nen, der Proceß gemacht. Hier bot sein Vertheidiger, der berühmte Berryer, gegenden Generalprocurator Persil und den Generaladvokaten Berville alle Künste derDialektik auf, um den treuen Diener der alten Legitimität gegen die neue der Volks-souverainetät in Schutz zu nehmen. Die PairS verurthcilten den Grafen zu sechsMonaten Gefängniß und 500 Fr. Geldstrafe, die Herausgeber jener Blätter aberJeden zu einem Monate Gefängniß und 150 Fr. Geldbuße. Am öftersten wurdedie „Rridune", welche nebst dem „National" am kühnsten und beharrlichsten dasSystem der Republik, gegenüber der Regierung Ludwig Philipps, als ob diese dieFolge des Iuliussiegs vernichte, aufstellte, und der letztern vorwarf, daß die Doctri-nairs, Guizot u. A., sie zu einer czuasi-lc^itimit^ stempeln wollten, in Be-schlag genommen und bestraft; binnen zwei Jahren, vom Aug. 1830 bis zum