Frankreich seit dem Jahre 1829
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zur Pflicht. Die Erhaltung desselben wurde die Aufgabe der Diplomatie der fünfMachte für die londoner Conferenz, in deren Mitte Talleyrand Frankreichs Stim-me wenigstens in Hinficht auf Belgien geltend zu machen wußte. So lange dieLösung der belgischen Frage noch zweifelhaft war, ermunterte selbst Sebastian! dasheldenmüthige Polen, seinen Kampf gegen Rußland fortzusetzen, damit die Furchtaller Eabinete vor einem europaischen Kriege das Schwert der Großmachte desFestlandes in der Scheide hielte. England fürchtete diesen Krieg am meisten, weiles dann entweder mit oder gegen Frankreich daran hatte Theil nehmen müssen. Die-selbe Furcht umlagerte aber auch Ludwig Philipps Thron, und doch durfte diesesGefühl durch keinen noch so leisen Ton sich kund geben. Im Gegentheil mußte dieSprache der Regierung vor der Nation fest, stolz, kriegerisch, ja drohend sich ver-nehmen lassen. Nur die Unmöglichkeit eines Krieges mit Rußland, nicht die Ge-fahr desselben, wagten Sebastian! und Soult auszusprechen. Dennoch lastete inden Augen der französischen Kriegspartei auf der Regierung der Vorwurf, daßdiese, wie jene meinte, den günstigen Augenblick des Krieges sich habe entschlüpfenlassen. Damit stand die Frage der Nichtintervention in enger Verbindung. (Vgl.Intervention.) Frankreich verkündigte laut den Grundsatz der Nichtinterven-tion, und der König selbst gab, wie Sarrans erzahlt, diesem System, so wie Lafa-yette es in der Kammer aufgestellt und die Minister es anerkannt hatten, feine per-sönliche Zustimmung. Aber zwei Monate nachher rückten die östreichischen Truppenin Modena ein und lagerten im Kirchenstaate. Dies verletzte den französischen Stolzso tief und schwächte die Achtung der Nation vor der Regierung so sehr, daß Perierkühn, ja verwegen Ancona in Frankreichs Gewalt brachte (23. Febr. 1832), wasneue Verwickelungen herbeiführte. Der Vatican drohte, und Frankreich mußtenachgeben; es rettete jedoch den Schein, und Ancona blieb besetzt. (S. Italien.)Dagegen hielt sich England streng außerhalb der Linie einer bewaffneten Da-zwischenkunft. Es begnügte sich mit der diplomatischen; und als ein franzö-sisches Heer dem Kriege des Königs Wilhelm in Belgien (f. Niederlande)Einhalt that, erschien dies nur als ein diplomatischer Hin- und Hermarsch, in Auf-trag der Conferenz. Dasselbe Neutralitätsprincip ward zwischen Portugal undSpanien geltend gemacht; so auch in Ansehung der Schweiz. Es sollte, es durftekein Krieg entstehen; darum ging Polen ohne diplomatische Intervention un-ter. Aber gerade Warschaus Fall und Polens Schicksal regte die stolzesten undbittersten Erinnerungen der Franzosen auf, die den Haß gegen die erste Macht desFestlandes nun auf Ludwig Philipp und sein System mit übertrugen.
Dieser Haß war schon durch die Parteien und die Journale im Innern ent-zündet; er paarte sich in dem Kreise der Bewegungspartei mit Spott und Verach-tung. Ludwig Philipps Regierung war ein fortwahrender Kampf mit der Nochund dem Unmuthe des Landes, mit der Leidenschaftlichkeit und der Böswilligkeitder Factionen, mit den Clubs und Associationen, endlich mit den Verbrechen,Brandstiftungen und Auflaufen des Pöbels. Selbst daß Frankreich stets zumKriege gerüstet sein mußte, wirkte auf den innern Zustand erregend zurück und sta-chelte unaufhörlich die Ungeduld, Veränderungen zu fodern und herbeizuziehen.
Nachdem Alles entschieden war, begann die lebhafteste Erörterung in ganzFrankreich darüber, ob und wie Alles hätte anders geschehen sollen. Die Meinun-gen bekämpften einander durch die Presse, in Clubs, auf der Rednerbühne, in denGerichtshöfen und durch Aufläufe. Das Volk erwartete von der Revolution dieAbschaffung der vereinigten Abgaben, und als dies nicht geschah, verbrannte es inBordeaux und anderwärts die Steuerregister. In Paris tobten die Handwerker we-gen des Mangels an Arbeit und drohten allen Maschinen den Untergang. Taufendevon Unzufriedenen zogen in das Palais Royal und verlangten eine bessere Zeit.Schon in den ersten Tagen nach dem 9. August war das Volk in Paris und in den
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