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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
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Frankreich seit dem Jahre 1829

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Die Revolution von 1830" sagt Thiers,wollte innere Ruhe und äußernFrieden; dadurch unterschied sie sich von der von 1792 und 1793, welche den Bür-gerkrieg und den Krieg mit dem Auslande zur Begleitung hatte. Aber es gab einePartei, die revolutionnaire, welche die Juliusrevolution sich nicht ohne Gewaltthä-tigkeiten und ohne Ausnahmemaßregeln, ohne Krieg und Eroberung denkenkonnte." Dagegen sagt die Partei des Juliussieges:Ihr irrt, wenn ihr mitPerier glaubt, daß wir in der glorreichen Woche für die Charte von 1814 gekämpfthaben. Wir kämpften für die Herstellung der Volksfouverainetät; für die Grund-sätze der großen französischen Revolution von 1789; für die Befreiung der Wah-len vom Cenfus, für die Befreiung des Landes von dem Drucke einer kostbarenCentralverwaltung und von den Fesseln jeder Beschränkung des innern Lebensdurch Monopole und erbliche Vorrechte; wir kämpften für Frankreichs hohe Stel-lung an der Spitze der europäischen Bewegung. Mit einem Worte: Wir kämpf-ten und kämpfen noch für die Erfüllung des Programms vom Stadthause *)und für den Sturz des Systems der Doclrinairs, die sich der Juliusrevolution be-mächtigt haben, um sie zu ersticken und für sich auszubeuten."

Dieser Partei gegenüber stand nun das Ministerium Ludwig Philipps; an-fangs selbst ungewiß und schwankend, bis ihm Casimir Perier eine festere Haltunggab. Er glaubte den verwegenen Fortschritt der Bewegung zu hemmen, indemer die Regierung aus die Bahn der sogenannten rechten Mitte führte: aber dadurchveranlaßt? er jenen Widerstand, der noch jetzt (Ende September 1832) den Thronder Juliusrevolution selbst bedroht.

Betrachten wir jetzt die Folge und die Thatigkeit der verschiedenen Ministe-rien. Das erste, von Ludwig Philipp am 11. August 1830 ernannte Mini-sterium bestand aus sehr ungleichartigen Elementen: aus Liberalen und Doctri-nairs: Herrn Dupont ") (de l'Eure), Marschall Gerard, Herzog von Broglio,Guizot, Baron Louis, Graf Mole und Graf Sebastiani. Die Herren Lafsitte,Casimir Perier, Dupin der Ältere und Bignon wurden ohne Portefeuille zu Mit-gliedern des Ministerraths ernannt. Vor Allem galt es Befestigung des neuenZustandes. Die Regierung wollte den Frieden mit Europa und die bisherige Stei-nst": ein Mann, dem Talent, Wissen und Erfahrung Ansprüche auf eine Minister-stelle geben. Seine Schrift ist betitelt:Il.a. monarelne <Ie 1880" (Paris 1881,2V. Nov.). Auf die innern sittlichen Gebrechen, welche dem Siege des Juliusdie heilbringenden Folgen rauben, macht Salvandy aufmerksam in seiner treffli-chen, von der Parteimeinung des Tages sehr verkannten Schrift:Vin^t mois vula Involution cle 1830 et le» r6volutionnaires" (2 Bande, Paris 1882). E ar-men i^i griff mit allen Waffen einer publicistischen Dialektik die Basis der neuenVerfassung an. Er behauptete, daß die Deputirten Karls X. keine Vollmacht zur Er-wählung eines Königs gehabt hatten; hierüber hätte allein das in Urversammlun-gen berathschlagende Volk bestimmen sollen. Er gehört zu den mächtigsten Gegnerndes Systems der Doctrinairs. Seine berühmten 7>o !s ?Ii !Iippic ;ues stehen in sei-nen1-ettres sur In ckarts, la pairi« et In liste eivile" (sechste Aufl. Paris 1882).(S. d. Art. Eormenin.) Im August erschien auch sein sogenannter Oompto ren-äu unter dem Titel:Lilan <lu 18 inars, tlress6 c>uelgues jours apres la mortlle N. Cas. ?6rier", welche ein Glaubensbekenntniß der Opposition, unter seiner,des Verfassers, Fahne genannt werden kann. Ein etwas einseitiger Zeuge der Ju-liusrevolution ist Sarrans der Jüngere in seiner Schrift:l-akaMte et la r«.vo!ution <le 1830; liistoire des liommes et des elioses de juillet" (2 Bde., zweiteAufl., Paris, im August 1882). Er zeigt, wie Lafsitte die Revolution gezügelt,und die Partei des Hotel de Ville durch Lafanette für den Herzog von Orleans ge-wonnen habe, wie aber später die Doctrinairs sich des Werks von Lafsitte und La-fayctte bemächngt und demselben einen fremdartigen Charakter aufgeprägt hätten.

*) S. Juliusrevolution.

Dupont war es, der vorzüglich auf die Abschaffung des Titels Excellenz rndMonftlgneur in der Kanzlei bestand.

Crnv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. It. 4