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Frankreich seit dem Jahre 1829
9. August der Bürgerköm'g, nachdem er die neue Verfassungsurkunde als einenBereinigungsvertraz mit der Nation (pacte ck'Mrmce) angenommen und be-schworen hatte, den erledigten Thron bestieg und dadurch den Hauptact der Ju-linsrevolution schloß: — wird unter diesem Artikel und unter den ArtikelnKarlX. und Ludwig Philipp!, erzahlt werden.
Nach einer solchen Erschütterung des Staates in seinen Grundvesten, konntenicht plötzlich eine Ruhe eintreten, wie sie bei einer so lebhaften und reizbaren Na-tion, als die französische ist, selbst in Folge langer Gewöhnung an eine alte gesetz-liche Ordnung, zu keiner Zeit stattgefunden haben würde. Die nach Außen —gegen den altern Zweig der Bourbons — gerichtete Bewegung wurde jedoch vonder pariser Bevölkerung und ihren Machthabers sowie von den überraschten Ge-setzgebern des Augenblicks, mit seltener Mäßigung und Selbstbeherrschung geleitet;auch ward sie durch ein rasches, entschlossenes Handeln bald beendigt; aber nunbegann die Bewegung nach Innen: die sociale, die moralische, die politische,tief aufgeregt und fortwahrend unterhalten von den natürlichen Folgen jeder gro-ßen Revolution, welche alle Interessen der Privaten verändert, neue hervorruft,und ebenso viele Wünsche erweckt als sie bittere Täu chungen in ihrem Gefolge hat.Frankreich befindet sich daher noch jetzt in dem Zustande einer zwischen Revolu-tion und Reform, zwischen Ausnahme und Gesetz hin und her schwankenden Be-wegung. Die Nation klagt deshalb Ludwig Philipp und seine Minister an; diesedagegen die Opposition der Kammern und die Presse. Es erneuert sich derselbe Mei-nungskampf der Parteien, wie unter Karl X., Martignac und Polignac, nur daßdie Kämpfer Rollen und Farben gewechselt haben. Von beiden Theilen ist gefehltworden; aber die Grundursache liegt in dem französischen Nationalcharakter undin den feindseligen Elementen des öffentlichen Lebens. Sie liegt in jener französischenUngeduld, die durch jedes Hinderniß, selbst das Unvermeidliche, nur immer heftigererregt, das Maß im Handeln und das Ziel im Wollen verliert, in jener Selbst-sucht, die Alles in die Wirbel ihrer Berechnung hineinzieht, in jenem Mangel andem beharrlichen Sinne edler Aufopferung, welche nicht die Frucht eines Augenblicksheldenmüthiger Begeisterung ist, sondern die Krone eines kräftigen, dem Gemein-wohle gewidmeten Lebens! Frankreich fühlt sich durch die Entwicklung der Ju-Iliusrevolution nicht glücklich. Ein Krieg Aller gegen Alle ist in seinem Schoost ent-brannt. *)
Wie dies Alles so gekommen ist, und warum noch bis jetzt kein lichter Aus-weg aus der dunkeln Irrbahn des allgemeinen Unmuths, der Erbitterung sowolals der Abspannung, sich^ zeigt, erklärt die innere und äußere Lage Frankreichs,welche sich in folgenden'Hauptzügen darstellt. **)
5) Wie schildert der „l'ewps" vom 18. August 18Z2 Frankreichs Gegenwart?,,Nous vivons'/, sagt er, „dans UN malkoureux temps: elmgus gour voit s'ac-cruktru. la lmino entre lss partes. b-a violence de l'iuimitik est si körte, gvseeux gui attaguunt eomiue eeux gui se däkendent ns eroient plus devoir Härderaueun meuuAeiuent et out reunurs aux armes les plus blessantes. Dans eettelutte taut !e munde est eoupable: l'tiomwe impartisl trouve a blamer des demedtds aussi blen l'imprudenue et I'aclmrnement des prvvooations gue l'abus et I'si^renr des repressives. 1'antvt «'est le pouvoir gui ealomnie: tantöt e'est I'opPosition gui, irritde des tausses acuusations et du mepris gu'on lui Hette, se veiiß«pur de eruelles rdorimiriatiors L'est un kaelleux Symptome dans un pa^s,lursgue les partis en sunt venus a ee degr«^ de inellsnue et de Imine oü il»pratiguent plusx l'indulAenee, et ou ils meouiinsissent, saus respeet l'un pourl autre, les bornes de la diseretiun palitigue.^
Sehr verschiedene Ansichten finden sich bei den französischen Schriftstellernüber die Iuliustage und deren Folgen. Die geistreichste Vertheidigung der jetzigenNegierung und des Ministeriums Perier schrieb Thiers, Deputirter des Departe-ments der Rhonemündungen, vorder Revolution einer der Redacteurs des
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