Fonfrede 29
Feldzug gegen Frankreich mit, setzte hierauf seine Studien zu Gießen fort, woselbster am 14. Marz 1818, nach der glanzenden Verteidigung seiner Thesen, die Würdeeines Doctors der Rechte sich erwarb und als Privatdocent sich habilitirte. Eben-falls wegen demagogischer Umtriebe in Untersuchung gezogen, verließ er Gießenund setzte in Jena seine Studien und Vorlesungen fort, bis er sich durch die, inFolge der Ermordung Kotzebue's durch Sand erneuerten Untersuchungen genöthigtsah, auch diese Stadt zu verlassen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Koblenzbegab sich F. nach Frankreich, und lebte theils in Paris, theils in Strasburg, woer vorzugsweise mit dem Studium und der Aufsuchung römischer Alterthümersich beschäftigte. Nach der Ermordung des Herzogs von Verri (14. Febr. 1820)mußte F. als Fremder Frankreich verlassen, fand aber eine Anstellung, anfangs ander Cantonsschule zu Chur, dann an der Universität zu Basel. Von da begaber sich in der Folge wieder nach Paris und dann nach den Vereinigten nordamerika-nischen Staaten, wo er eine Zeitlang Vorlesungen über das römische Recht zu Neu-york hielt, dann als Prdiger zu Cambridge im Staate Massachusetts angestellt,und endlich zum Professor der deutschen Sprache und Literatur an der dortigenHarvard-Universität befördert wurde. Klarer Verstand, strenge Consequenz desDenkens, tressliche Rednergaben, ein männlicher Entschluß, dabei große Kennt-nisse, namentlich des Rechts, und ein vortheilhaftes Äußere sicherten F. schon früheinen bedeutenden Einfluß auf seine Umgebungen. Besonders in Gießen war erJahre lang der Mittelpunkt und die Spitze der dortigen freisinnigen Akademiker;erst der Anhänger des Ehrenspiegels, dann der sogenannten Schwarzen, wo sichvielleicht nur der geistvolle vr. Karl Seebold ihm selbständig gegenüber hielt. Ähn-lich setzte sich das Verhältniß in Jena fort. In der Untersuchung gegen Sand,sowie überhaupt den damals anhängigen Untersuchungen, ward F. als Verfasserdes bekannten Liedes: „Menschenmenge, große Menschenwüste", und als Mit-verfasser des sogenannten großen Liedes, welches Wit nachher ins Publicum brachte,genannt. Gewiß sind mehre Turn- und Freiheitslieder von ihm, die in seinesBruders „Freien Stimmen frischer Jugend" eine Stelle fanden (z. B. „Schalle,du Freiheitssang", „Unterm Klang der Kriegeshörner"), und sich vor den Gedich-ten Adolf F.'s durch Klarheit und eine gewisse Ebenheit auszeichnen, welche aberkeineswegs des Feuers und der Kraft entbehrt, und insbesondere vom Bizarren wei-ter entfernt liegt. (16)
Fonfrede (Henri), französischer Journalist. Sein Vater, Mitglied derGironde, starb während der Revolution auf dem Blutgerüste. Der junge F. tratunter Villele und Polignac als eifriger Gegner der Minister und bald auch des Kö-nigstammes auf, wurde aber neben Vorkämpfern, wie Benjamin Constant, Gui-zot, Thiers, Mignet, nicht sehr bemerkt. Nach der Juliusrevolution ließ er sichzum Abgeordneten wählen; nur vergaß er in seiner Zerstreutheit nachzurechnen, ober den zur Wahlfähigkeit crfoderlichen Steuersatz zahle, und wurde von der Kam-mer ausgeschlossen. Jndeß war F., da sich die Minister für den Fall, daß er aufder Rednerbühne erschiene, bemüht hatten, ihn zu gewinnen, mit diesen und demKönig Ludwig Philipp sehr vertraut geworden; man gab ihm ein bedeutendesGnadengeld und er kehrte nach Bordeaux zurück, wo er seitdem das lluste milieuund das sogenannte Friedenssystem in vielen Artikeln des „Nemoi-ial Rorüelais"vertheidigte, wovon jeder wenigstens drei Spalten lang ist, die aber in so fließenderSchreibart und mit solcher Wärme verfaßt sind, daß der Leser kaum daran denkt,sich über ihre Ausdehnung und ihre Paradoxen zu beschweren. Seit BenjaminConstant todt ist, und Guizot, Thiers und Andere zu vornehm geworden sind, umviele Journalartikel zu schreiben, ist jetzt F. der ausgezeichnetste ministerielle Publi-cist Frankreichs, wenigstens in der Provinz. Zu Paradoxen geneigr, geht F. inseinen Artikeln systematisch zu Werke; außer den guten Maßregeln der Regierung