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ordneten, und die Kammer erhob ihn zum ersten Präsidenten. In den zehnmonatli-chen Verhandlungen dieses denkwürdigen Landtages führte er mit der Würde undUmsicht des Veteranen sein schwieriges Amt und schied bei dem Schlüsse der Ver-sammlung von den Mitgliedern dieser Ehrenkammer, deren Großwürdeträger ergewesen, unter allseitigen Beweisen von Freundschaft und Hochachtung. DerGroßherzog selbst beehrte ihn mit einer goldenen, mit Brillanten besetzten Dose, dieStadt Manheim, mit einem feierlich überreichten Ehrenpokal; eine werthvolleAnerkennung patriotischer Verdienste zugleich von dem Fürsten und von demVolke, welche damals so innig vereint waren. Aus der neuesten Zeit verdientbemerkt zu werden, daß nach der Zurücknahme des Preßgesetzes und der rückwir-kenden Aufhebung des öffentlichen und mündlichen Verfahrens auch für die, schonfrüher anhangigen Preßproeesse, F. bei seinem Gerichtshofe kräftig, aber vergeb-lich gegen die rückwirkende Kraft dieser Verordnung auftrat. (23)
Follen (August sspäter: Adolf) Ludwig), ältester Sohn des noch inDarmstadt lebenden großherzoglich hessischen pensionirten Landrichters und Hof-raths C. C. Follenius, geb. am 31. Jan. 1794. Nachdem er mehre Jahre dasGymnasium in Gießen besucht hatte, studirte er zwei Jahre lang Theologie auf derdasigen hohen Schule, und wurde sodann Hauslehrer bei dem Freiherrn von Lowzu Steinfurt in der Wetterau. Er trat 1814 in das großherzoglich hessische frei-willige Jägercorps und machte in demselben den Feldzug gegen Frankreich mit.Nach seiner Rückkehr studirte er noch zwei Jahre lang zu Heidelberg die Rechte,und begab sich dann, nachdem er eine Zeitlang in Gießen privatisirt hatte,nach Elberfeld, wo er mehre Jahre die dasige „Allgemeine Zeitung" redigirte.In die damals häusig vorkommenden Untersuchungen wegen demagogischerUmtriebe verwickelt, wurde F. verhaftet und nach Berlin in die Stadtvogteigebracht, aber später (1831) wieder freigelassen. Er begab sich nun in die Schweizund fand daselbst an der Cantonsschule in Aarau eine Anstellung. Gegenwärtigprivatisirt F. auf dem, seinen Schwiegerältern zugehörigen Schlosse Altikom in derSchweiz. Vielleicht war unter allen Begeisterten für deutsche Freiheit von 1813—19 Keiner keck-genialer, strudelnder und poetischer, als der ältere F. Keiner,außer Wit, trug sich aber auch auffallender und prangte mehr mit Äußerlichkeiten,worin ihn eine hohe Gestalt, langgelocktes dunkles Haar, Witz und Keckheit desAusdrucks und ein geistvoll kraftiges, aber bald durch die Spuren des Lebens ab-gemagertes und früh veraltetes Gesicht unterstützten. Bei größerm Fleiß, mehrAusammenhang und Ausdauer hatte F. Bedeutenderes leisten können. So ist ernur Verfasser einzelner schönen Lieder (z. B. des trefflichen: „Vaterlands Söhne")und ausgezeichneter Übersetzer von Fragmenten, namentlich aus dem Griechischen(Homer), dem Lateinischen (Kirchengesänge) und dem Italienischen (Tasso), diegroßentheils nicht gedruckt sind. Bei viel Poesie, Witz, Schärfe, Originali-tät und Geist leiden F.'s eigne poetische Produktionen häusig an Härten, zwang-voller Construction und Bizarrerie. Weniger ist dies bei seinen Übersetzungen derFall, wo wir namentlich an ihm, wie an keinem Andern, die stete Wahrung reinerReime und die unerschöpfliche Erfindungskraft in neuen bewundern müssen. Seinepolitischen Ansichten hat F., seitdem er in der Schweiz lebt, unendlich modisicirtund eine Art öffentlichen Widerrufs in dieser Hinsicht gegeben. Von F.'s Schrif-ten sind wol die „Freien Stimmen frischer Jugend", welche 1819 in Jena erschie-nen und auch Gedichte des Herausgebers enthalten, am bekanntesten geworden.Sein neuestes Werk ist: „Bildersaal deutscher Dichtung" (Winterthur 1837,2 Thle.). (16)
Follen (Karl), Bruder des Vorigen, geb. am 3. Sept. 1795, widmetesich, nach beendigten Gymnasi'alstudien, zu Gießen anfanglich der Theologie, dannden Rechtswissenschaften, machte 1814 im hessischen freiwilligen Jägercorps den