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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
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Föhrenbach

Volksbewegungen erholt, und vielleicht einigen Trost von Berns Patrizimlerlangt hatte, Versuche machte, durch Verzögerungen und Beschrankungen desbereits in Antrag gebrachten und bestimmten Versassungsrathes die neue Staats-organisation zu hemmen oder doch wenigstens unter ihrem überwiegenden Ein-flusse zu behalten, war es hauptsachlich F., der, empört über diese Windun-gen und den leidenschaftlichen Ton der Regierung ihrem Volke gegenüber, dieBürger des Freienamts von der Nothwcndigkeit überzeugte, daß nur eine ernsteDemonstration die Verstockten über den wahren Volkswillen belehren könne.Am 4. Dec. 183t) ertönten in vielen Dörfern die Sturmglocken und Sig-nalschüsse; am folgenden Tage versammelte sich eine Masse bewaffneter Bür-ger in dem großen und wohlhabenden Fabrikdorfe Wohlen; nach langer Bera-thung, wo F.'s Stimme vor allen Gewicht hatte, wurde ein bewaffneter Zugnach Aarau, dem Sitze der Regierung, beschlossen, ein Comite ernannt, in welchemF. nach einstimmiger Wahl den Vorsitz führte, etwa 6000 Bürgern der Eid desGehorsams abgenommen, Ordnung und Unterwürfigkeit feierlich beschworen, dieUnbewaffneten und des Kriegsdienstes Unkundigen aber wurden zurückgewiesen. Am 6. Dec. Mittags zog diese bewaffnete Landwehr der Freienämter unterder Anführung Brugißer's, eines feurigen Patrioten von Wohlen, nach Lenzburg.Hier waren die mit Roth zusammengebrachten Regierungstruppen unter dem Be-fehl des Regierungsraths und Polizeidirectors von Schmitt mit zwei Kanonenaufgestellt. Um 4 Uhr rückte die Landwehr gegen sie an; durch ein geschicktesManöuvre der berittenen Macht, unter der Anführung eines jungen Offiziers, F.Geißmann von Wohlenschwyl, wurden die Kanonen umgangen und durch einenschnellen Angriff genommen, Offiziere und Artilleristen geriethen in Gefangen-schaft, die Regierungstruppen zerstreuten oder vereinigten sich mit dem Landsturm,und ihr Anführer rettete sich durch schnelle Flucht. Abends um 6 Uhr wurde dieStadt Aarau von 3000 Mann befetzt; die Übrigen lagerten in der Umgegend. Eswurde allgemein die strengste Disciplin beobachtet, kein Eigenthum verletzt undkein Recht gekrankt; die Wünsche des bewaffneten Volkes um beschleunigte Einberufung des großen Rathes und eines Versassungsrathes wurden von der Regie-rung schon am folgenden Tage erfüllt; die Regierung fühlte ihre Schwache, dieReactionen hörten auf, die Bewaffneten verließen Aarau und zogen ruhig nach ih-rer Heimath. Bald kehrte Alles zur gewohnten Ordnung zurück. Als der Vcrfas-sungsrath zum Entwürfe der neuen Organisation zusammentrat, wurde F., zumAeichen allgemeiner Anerkennung seiner Verdienste, zum Präsidenten desselben er-wählt. Diese für ihn, der aller gelehrten Bildung entbehrt, schwierige Stellungbehauptete er mit Gewandtheit und Verstand; ohne Ehrgeiz und Anmaßungsprach er seine einfache und verständige Ansicht aus, verschloß sein Ohr nie der Be-lehrung besser Unterrichteter und gewann durch sein kluges und offenes Benehmen dieLiebe der Meisten; ihm zur Seite stand als Vicepräsident der bekannte Schriftstellerund Volksfreund Zschokke. Nachdem das Verfassungswerk glücklich vollendet unddas neue Grundgesetz von dem Volke mit großer Mehrheit angenommen war, tratF., ähnlich den Patrioten des Alterthums, in feinen vorigen Kreis zurück und lebtwieder dem Landbau und feinem Gewerbe; aber immer bleibt er ein kräftiger undfreisinniger Volksrepräsentant. Trotz den Verfolgungen der katholischen Geist-lichkeit, vorzüglich der Mönche zu Muri und ihrer AnHanger, die ihn bei demVolke dadurch anzuschwärzen suchen, daß sie ausstreuen, er habe keine Religion,sucht er seinen einzigen Ruhm darin, die einmal gewonnenen Rechte des Volkes auf-recht zu erhalten. Gewiß ist dieser biedere aargauische Volksführer eine der schön-sten Erscheinungen aus dem neuen politischen Leben der Schweiz. (29)

Föhrendach (Matthias), Oberhofgerichtsrath zu Manheim, geboren176 7 zu Sigelau, unweit Freiburg im Breisgau. Sohn eines schlichten Land-