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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
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Fischer

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spielte. Dennoch geben seine größten Verehrer zu, daß es ihm bei der glänzend-sten Kraft und Gleichheit der Passagen doch an eigentlichem Feuer fehlt. In Mos-kau und Petersburg genießt F. des größten Rufes; die russischen Großen wiegenseinen Unterricht mit Gold auf. Allein eigensinnig, oder vielmehr ein genialer Son-derling, wie er ist, stößt er oft Alles von sich und befindet sich nicht selten in großenGeldverlegenheiten. Auch als Componist ist F. sehr schätzenswerth; zwar ist erkein Contrapunktist, rein ausgezeichneter Harmoniker, aber schöner, gesangvoller,geistreicher erfindend in Passagen schreibt Niemand als er für sein Instrument.Schon in seinem 14. Jahre gab er eine Sonate heraus, die er Clement! widmete.Seine sogenannten Notturnos, kleine gesangvolle Stücke für das Fortepiano, ha-ben sich durch ganz Europa verbreitet, nachdem sie zuerst durch Ludwig Lenzer(s. d.) in Deutschland bekannt gemacht wurden. Es ist mit diesen zarten Bildcheneine eigne Gattung begründet, die unzahlige Nachahmer gefunden hat, von welchenjedoch Keiner das Vorbild auch nur entfernt erreicht hat. An größern Com-positionen hat F. eine Anzahl (wir glauben sechs) Clavierconcerte herausgegeben,welche zu den vortrefflichsten Werken in dieser Gattung gehören, namentlich diebeiden großen in - und Ls-ckur. Das Gerücht, welches sich im vorigen Jahreverbreitete, als sei er zu Moskau (wo er jetzt lebt) an der Cholera gestorben, ist zumGlücke falsch. Unzahlige Male haben seine Freunde ihn ausgefodert, eine Reisedurch Europa zu unternehmen; allein bis jetzt ist es unmöglich gewesen, ihn dazuzu bewegen. (20)

Fischer von Meerischwanden im Canton Aargau. Bei der Gestaltungder neuen Ordnung der Dinge in diesem Canton hat kaum ein anderer Mann ei-nen entschiedenem und größern Einfluß als er auf den Gang der Entwickelungausgeübt, was als vollgültiger Beweis dienen kann, daß die Reformen, welche inder Schweiz seit dem Herbste 1830 eingeführt und vollendet worden sind, aus demBedürfnisse des Volkes hervorgegangen und größtentheils volksthümlich sind.Fischer, geboren den 20. Jun. 1790, ist bloß ein einfacher, schlichter Bauer, welcherkeine weitere Schulbildung erhalten hat als diejenige, die in den vernachlässigtenund schlechten Dorfschulen des ehemaligen unterthanigen, von Landvögten, Pfaf-fen und Mönchen geknechteten katholischen Freienamts, das erst zur Zeit der Revo-lution von 1798 emancipirt und theilweise dem neugebildeten Canton Aargau einver-leibt worden, erlangt werden konnte. Aber er besitzt in hohem Grade die Talente ei-nes Volksführers im edlern Sinne des Wortes; er verbindet mit einer feurigenLiebe zur Freiheit einen gesunden, scharfblickenden Verstand, eine große Einfachheitin seinem Äußern, eine überzeugende Klarheit in seinen Ansichten und Reden; erist einer der größten Grundbesitzer seiner Gegend, wohlhabend, glücklicher Fami-lienvater mehrer Kinder, und sein Gewerbe als Gastwirts) brachte ihn mit allenVolksclassen in vielfaltige Berührung und erwarb ihm manche Erfahrung. DasZutrauen seiner Mitbürger zeichnete ihn schon vor dem 1.1830 durch die Wahlin den großen oder Cantonsrath aus. Als die Herstellung einer volksthümli-chern Verfassung auch im Canton Aargau in Anregung gebracht wurde, war ereiner der Ersten, die mit Eifer und Gewandtheit kämpften, um den aargauischenGeldaristokratismus und eine aufblühende Familienherrschaft zu stürzen, die ver-treten wurde von einem Herzog, Schmiel, Reding und andern Celebritäten ausder Zeit der helvetischen Revolution, welche in der Restaurationsperiode ihre frü-here Gesinnung verleugneten und mit den geborenen Aristokraten gemeinschaft-liche Sache machten, wo es galt, die Rechte des Volkes zu schmälern, diePreßfreiheit zu unterdrücken und römische Concordate einzuführen, und er ge-Horte zu Denjenigen, die der Volkssouverainetät Anerkennung zu verschaffen unddie repräsentative Demokratie einzuführen suchten. Als daher die aargauischeRegierung, nachdem sie sich von dem ersten Schreck über die Petitionen und