20
Festungsbau
Überschwemmung angelegt; ihre Bestimmung ist, bei dem unerwarteten Einbrücheeines übermächtigen Feindes dem sich versammelnden Heere zum Sammelplatz zu die-nen, damit die Abtheilungen nicht einzeln aufgerieben werden; oder im Angriffskriegeein starkes Magazin zu bewahren, das in der nahen Festung nicht untergebrachtwerden kann. Ein solcher Ort muß dem Feinde keinen leichten Zugang bieten,sondern ihn durch seine natürlichen oder künstlichen Annäherungshindernisse zwin-gen, seinen Angriff gegen die Festung zu richten, deren Widerstandskraste dadurchaußerordentlich verstärkt werden, weil die Truppen im Lager nun gleichsam einenTheil der Besatzung bilden, zu einer nachdrücklichen Gegenwehr geschickt und imStande sind, den Feind durch einen unerwarteten Ausfall zu vertreiben, wie Clairfaitdie Franzosen von Mainz. In der neuern Zeit hat man angefangen, die verschanz-ten Lager vor die Festung zu legen, daß diese ihnen zum Reduit dient, und beidevereint große Kriegsplätze zu Magazinen und Depots bilden. Hier entsteht jedochder Nachtheil, daß der Feind vielleicht die Verschanzungen überwältigt, und die imLager stehenden Truppen, in die Festung zurückgeworfen, sich nun in derselben ver-theidigen müssen, ohne hinreichende Streitmittel und Subsistenz; wodurch beide,die Festung und das Heer, zugleich verloren gehen. Nur dann, wenn ein solchesLager, mit Allem wohl versehen, Gelegenheit darbietet, aus der Defensive in dieOffensive überzugehen, wie Napoleons Stellung 1813 bei Dresden, kann es we-sentliche Vortheile gewähren.
Hinsichtlich des Feftungsumrisses selbst hat man noch immer die baftionirteForm beibehalten, „weil es", wie Landsberg sagt, „eine Manier ist, so mit Fort-gang der Zeit stabilirt worden"; ungeachtet die Tenaille unter jeder Bedingung einekräftigere Vertheidigung gewährt, wie schon daraus hervorgeht, daß die Franzo-sen in ihrem Rriiee moüerue ihre breiten Bastionen mit kurzen Flanken, durch dieweit in das Feld (180 Schritt) vorspringenden und beinahe die ganzen Facen be-deckenden Ravelins in einen eingehenden Winkel legen, daß nun die ganze Fe-stung in ihrem Umfange eine Tenaille vorstellt, wo die verlängerten Facen der Ba-stiane und die Wassenplätze des bedeckten Weges sich hinter der Ravelinspitze verlie-ren, um die Ensilade unmöglich zu machen. Mehre andere Festungen in Frank-reich und anderwärts sind nach dieser Form gebaut, die bombenfester Geschützstel-lungen entbehrt, sich auf Galerien zur Vertheidigung mit kleinem Gewehr beschran-kend. Um Kosten zu sparen, auch wol um etwas Neues vorzuschlagen, umgibt derbekannte Carnot seine Wälle mit den schon seit 200 Jahren bekannten (Danzig,Pillau), crenelirten Mauern von 2—3 Fuß Stärke, die im Auslande, wie seinebedeckten Mörserstände, lange vor ihm von den Sachsen, Franken und dem Schwe-den Virgin empfohlen, mehr Beifall fanden als in Frankreich; doch versuchten dieEngländer mit Erfolg, jene Mauern durch Schleuderschüsse aus schweren Hau-bitzen zu zerstören. Es scheint demnach, aller zweckmäßigen Vorschläge ungeach-tet, der Festungsbau nur geringe Fortschritte gemacht zu haben, weil die Inge-nieurs aus Schlendrian, Vorurtheil oder Trägheit, stets die alten Formen beibe-halten, zufrieden, wenn die neu angelegte Festung die herkömmliche Gegenwehrleistet, sodaß die von den Franzosen gegebenen Berechnungen der Dauer des Wi-derstandes anwendbar bleiben. Modisicationen der letztern hängen dann nur vonzufälligen Umständen ab, höherer Intelligenz auf der einen oder der andern Seite,Fehler, vom Belagerer begangen und vom Belagerten benutzt u. s. w. Um endlich,wenn die Kraft des Widerstandes der Wallmauern besiegt ist, und diese in Trüm-mer zusammenstürzen, einen Rückhalt zu haben, damit man wegen der Übergabeunterhandeln könne, werden, wie ältere Ingenieurs und Bousmard vorschlagen, zurVertheidigung mit Geschütz eingerichtete, mit Holz und Erde eingedeckte Casernenquer vor die Kehle des Bollwerks gelegt, wenn nicht auf diesem schon ein Cavaliernach französischem System sich befindet, der zugleich die Stelle eines Abschnittes