Festnngsbau lst
Eine andere Anwendung der steinernen Thürme zu Bewahrung der Küstengegen feindliche Fahrzeuge, findet in England seit dem Jahre 1794 statt, wo einalter runder Thurm, Namens Martello, auf der Insel Corsika sich mit einer Ka-none gegen zwei englische Kriegsschisse vertheidigte, und nur geringen Schaden litt,fodaß man eine Batterie gegen ihn errichten mußte, um ihn zu erobern. Zur völli-gen Sturmfreiheit müssen diese Thürme wenigstens 30 Fuß Höhe und 33 — 50Fuß Durchmesser bekommen. Sie sind theils rund, theils eiförmig, in welchemFalle die beiden Axen 36 und 33 Fuß haben, oben mit einem Altan, auf dem Eineschwere Kanone, oder auch nächst dieser zwei leichtere Kanonen oder Karonaden ste-hen. Unter dem Altane befindet sich das obere bombensicher gewölbte Stockwerk,zur Wohnung der Besatzung bestimmt, mit einem Kamine und Schußspalte, diezugleich statt der Fenster dienen. Unter jenem ist der untere Raum in drei odervier Gemacher abgetheilt, und zu Aufbewahrung der Munition, der Lebensmittelund anderer Kriegsbedürfnisse bestimmt. Es hat entweder ein leichtes Gewölbeoder eine Gypsdecke, und enthalt oft auch die Cisterne mit 29,500 Litres Wasser,die in andern Tkürmen wol auch unter dem Erdhorizonte liegt. Vielleicht nachdem Vorbilde dieser Martellothürme, oder nach einem und demselben Originale,jedoch abweichender, ward in Frankreich 1811 der Bau viereckiger Thürme ange-ordnet, um die Wachen der Strandbatterien aufzunehmen, die 244 — 50 FußSeitenlange hatten und sich 18 Fuß über die Erdflache, 27 Fuß aber über die Gra-benfohle erhoben. Diese Thürme bestehen aus einem Altan, unter dem das bom-benfest gewölbte Stockwerk sich befindet, und einem Keller, der die Vorrathskam-mern für die Munition, Lebensmittel und einen Wasserbehälter aufnimmt. DieBesatzung ist nach Verhältniß der Größe der Thürme a) 60 Mann; b) 30Mann; c) 1 Aufseher (0ur<!e-(x>te) und 12 —18 Kanoniere; ck) und e) 1Aufseher und 12 Artilleristen; auf dem obern Altane aber stehen: s) 4 Vierund-zwanzigpfündige Kanonen auf Strandlaffeten; 5) 1 Zwölfpfünder und 2 Karo-naden auf Drehlaffeten; c) 2 metallene Karonaden desgl.; endlich <1) und e) 1Feldgeschütz. Auf den Seitenflächen des Thurmes sind oben Mauerzinnen an-gebracht, um den Fuß der Mauer zu vertheidigen, und über den 9 Fuß tiefen Gra-ben führt eine Zugbrücke in den obern Stock. Ein 14 Fuß breiter bedeckter Wegumgibt den Thurm, und schützt ihn gegen das feindliche Kanonenfeuer, sodaß er nurauf dem Glacis mit Wirkung beschossen werden kann. Die Baukosten dieserThürme waren zusammen zu 116,000 Thalern veranschlagt. Der russischeKrieg hat wol zum Theil die Ausführung dieser Gebäude gehindert, und esist nicht bekannt, ob sie nach der Restauration stattgefunden hat. Der ErzherzogMaximilian von Ostreich ließ 1830 bei Linz einen solchen Thurm erbauen,deren 10 — 12 in einer Entfernung von 800 Schritten ein verschanztes La-ger umschließen und die Vertheidigung desselben verstärken sollen. Der Thurmhen, enthielt 2 Stockwerke, deren unteres die Munition und Lebensmittel nebst demWasservorrath einnimmt, das zweite aber mit Wurfgeschütz besetzt ist, für dessenDM' Mündungen in dem angeschütteten Erdboden Öffnungen gelassen sind. Der 7M Fuß über die Erde hervorragende Altan mit einer glacisförmigen Brustwehr vonD M Quadern enthält 11 Feldgeschütze auf schweren Lasteten von Gußeisen, um denRücklauf zu verringern; eine bewegliche Scheibe, in Grade eingetheilt, dient zuBestimmung der Seitenrichtung, damit der richtende Artillerist sich nicht bloßstel-len dürfe. Die Bankosten jenes Thurmes wurden zu 40,000 Fl. angeschlagen.Der Kaiser von Ostreich entschied sich für die Anlage dieser verschanzten Lager, wo-zu die Punkte von Pavia, von Lecco am Comosee in Italien, Budweis in Böh-men, Ems und Linz in Ostreich bestimmt wurden. Verschanzte Lager dicht beiFestungen und durch dieselben gedeckt, sind schon längst vorgeschlagen und zuerstvon Vanban bei Dünkirchm hinter Eanalen und einer, durch sie hervorgebrachten
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