lH Festungöbau
cum berechnet sein muß, kann durch diese Eigenschaften allein keinen Erfolg gewin-nen, wahrend die Symphonie, wie überhaupt die reine Jnstrumcntalcomposition,die fast immer nur dem Kreise der tiefer musikalisch Gebildeten vorgeführt wird,auch ohne blendende Eigenschaften Anerkennung findet, wenn nur der gute, gründ-liche Musiker, der auch seinen Geschmack nicht vernachlässigt hat, daraus zu erken-nen ist. Daher kam es, daß F.'s Quartetten und Symphonien in ganz Deutsch-land bekannt geworden sind, wahrend seine Opern „Cantemira" und „Omar undLeila", so viel Schönes sie enthalten, kaum in Karlsruhe, wo F. Concertmeister war,einige angemessene Würdigung fanden. Einige Hefte Lieder, mehre Kirchenstücken cnpelül) und andere kleinere Arbeiten F.'s sind gleichfalls zu schätzen. Nicht nurals Künstler, auch als Mensch war er sehr achtungswerth; seine Liebe zur Kunstwar eine reine, warme und edle. Vielleicht hat es fein zu eifriges Arbeiten verschul-det, daß er schon im siebenunddreißigsten Jahre seines Alters am 24. März 1826zu Karlsruhe, an einem nicht sorgfältig genug beachteten Brustübel, starb. (2V)
Festungsbau. In der neuesten Zeit hat der Festungsbau durch die,aus der Vergessenheit hervorgezogene Anwendung des Gewölbebaues, um Ge-schütze gegen die feindlichen Bomben gedeckt aufzustellen, gleichsam eine neue Ge-stalt gewonnen. Man hatte diesen Brauch der alten italienischen Kriegsbaumei-ster ganz verlassen; Kasematten wurden nur selten hie und da in Deutschland unterden Bollwerksflanken angelegt, um bedeckte Stände für Kanonen oder Haubitzenzur Bestreichung des Grabens vor der Curtine und dem Nebenbollwerke zu ha-ben, oder man versah einzelne kleinere, aber wichtigere Befestigungswerke mit ge-wölbten Gängen für Schützen, um irgend einen Zugang oder Ort durch Flinten-feuer zu vertheidigen. Man hat nun wieder den Steinbau zu Reduits und zurVerstärkung der weiter an die Festungswerke gelegten Redouten und Forts benutzt.Besonders hat man für diesen Zweck die von Montalembert, nach dem Beispieleder schwedischen Ingenieurs vorgeschlagenen runden Thürme mit bedeutenden Mo-disicationen angewendet, theils auf praktischer Ansicht, theils auch auf übertriebenerVeforgniß und aufMangel an richtiger Kenntnis von dem Gebrauche und der Wir-kung des Geschützes beruhend. So ist das von den Franzosen sogenannte preußi-sche Befestigungssystem entstanden; eine Benennung, die sich wol insbesondereaufKoblcnz undKöln am Rhein bezieht, beide durch vorgelegte große runde Thürmevertheidigt, mit gewölbten Geschützständen und von einem bastionirten Erdwalleumgeben. Es fällt in die Augen, daß eine solche Anordnung den Belagerer von der,als Kern in der Mitte liegenden Stadt entfernt hält und, wenn ihre Entfernungvon dieser groß genug ist, das Bombardement derselben verhindert. Sie müssenfür diesen Zweck nothwendig selbständig, d. h. stark genug sein, daß der Feind sienicht sogleich erstürmen kann, sondern gezwungen ist, einen förmlichen Angriff ge-gen sie zu führen; sie müssen zugleich nahe genug (höchstens 8Vl) Schritt) an ein-ander liegen, und den Raum zwischen und hinter sich genugsam beherrschen, damitder Feind sie nicht vorbeigehen und sie abschneiden könne, um die Festung selbst an-zugreifen, wie es Vauban 1684 mit den gemauerten Redouten am Rande des Al-settethales vor Luxemburg, und ILM mit dem Fort Wilhelm vor Namur machte.Immer trifft diese einzelnen Forts der Vorwurf, daß sie die Verlheidigung in ge-wissem Betracht zerstückeln und zu ihrer Gesammtvertheidigung einen größernAufwand an Streitmitteln bedingen, weil durch den Verlust eines derselben alleübrigen unnütz werden. Sie müssen alle gleich gut ausgerüstet, approvisionirt undbesetzt sein; jedes einzelne muß einen entschlossenen, durch nichts aus der Fassungzu bringenden Commandanten, einen intelligenten, unermüdet thätigen Ingenieurund Artilleristen aufnehmen, weil die Verbindung mit der Festung, wenn auchnicht ganz unterbrochen, doch wenigstens vom Belagerer erschwert und sehr gefähr-det werden kann.